Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1902)
- Date
- 1902-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449838--56084-2518877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I s ' l i i ii I; üUH! Kentrat-Hrgan str das orthodoxe ZirdenthuM 43» HaKrgaG f' :,.r r Begründet von ör. Drhrnsnn in Mainr- (~ . Montag, den 16. Juni 5602 (1902). . , b- Schechita und Schochtim. (Krne Ktzrenerkkürrung für Letztere.) , - . Von S. M. In Nummer 44 des „Israelit" wird eine „Ernste Gefahr im Innern" in dem Bestreben erblickt, daß die jüdischen Lehrer das Schächtamt von sich abwälzen wollen. In Nummer 23 des „Hamburger Familienblatt". erhebt im SprechsacU^ein Herr - bittere. Klage da?, rüber, daß die Schechita immer noch mit dem Lehrer¬ und Kantorberuf verbunden ist und ruft „Lehrerverband".und „Gemeindebund" zur gemeinsamen Bekämpfung dieses Uebelstandes auf. Man darf .wohl annehmen, daß kein Lehrer- Schochef in Folge dieser Klage Messer und Schleifstein wegwerfen und streiken wird. Der echte, jüdische Lehrer ist auch von der „ideellen Erhabenheit des Erzieherberufes" durchdrungen und gerade deßhalb wird er die Schechita, durch die nicht minder ein erziehliches Motiv verfolgt wird, sehr gerne ausüben. . Unbegreiflich bleibt es, wieso die Standesehre durch die Schechita Gefahr läuft. Seien wir voch einmal ehrlich, und reden wir uns nicht fortwährend Dinge ein, von denen wir nichts empfinden, und klagen wir nicht gleichzeitig die Gesammtheit an, die uns um der Schechita willen mit weniger Achtung entgegenkommt. . Standesehre, Standesbewußtsein sind ganz schöne Begriffe und wohl dem, der von sich sagen kann, daß er im Bewußtsein seines Standes demselben jederzeit Ehre bewahrte. ' Doch kann hier leicht eine Ueberschätzung der Person und des Standes eintreten. Der junge in die Praxis eintretende Lehrer mag von der Hoheit seines Berufes noch so sehr erfüllt sein, die Gemeinde ist aber nicht für ihn da,.er. ist in ihrem Dienste und muß sich ihren Einrichtungen anpassen. . Greifen wir einmal einen Fall, wie er in dem weitaus größten Theil der Gemeinden in die Erscheinung' tritt, heraus, so wird sich ergeben, daß weder von einer unnatürlichen Zusammensetzung der Gemeindeämter noch von einer Beeinträchtigung der Standesehre .die' Rede sein kann. . Die meisten-Lehrer sind nur als Kantoren und Religionslehrer beschäftigt. Das . Kantorat nimmt während der ganzen Woche keine Zeit in Anspruch. Wir finden stets geschlossen die Pforten der Synagoge, selbst am Sabbat müssen Biele auf “nrtfa n^Djv Verzicht ten, es findet sich vielerorten .kein Minjan ein. In sol«- chen Fällen entstehen also zwischen Schlachthaus und Synagoge, zwischen Schochet. und Kantor, gär .keine Kollisionen. - - .. . --V „•' >• .-ii-v^ . Als Religionslehrer wird er meist auch nicht so sehr in Anspruch genommen. Sein Unterricht fällt auf Samstag und Sonntag, an diesen Tagen ruht überhaupt die Thätigkeit als Schochet. und die wenigen Stunden, die er an den Werktagen zu ertheilen hat, können und dürfen durch die Schechita nicht gestört werden. Auch die Fleischer können an Einhaltung gewisser Schächtzeiten gewöhnt werden, und sie gewöhnen-' sich, auch -daran.. .. .. , •-r v Es ist eine Lächerlichkeit, wenn Manche behaupten, der Lehrer, bedürfe erst einer „Sammlung der geistigen Kräfte," wenn er vom Schlachthaus zur Schule oder zur Synagoge gehen soll.. Schächten ist doch nicht gleichbedeutend mit Steineklopfen oder sonst geistlosen Verrichtungen nsfoxrai norn.. Wenn, von „Sammlung geistiger Kräfte" die Rede ist, .so ist diese Arbeit für den Schochet erst recht nöthig. Hat er in der Schule irgend eine falsche Belehrung gegeben, sie kann berichtigt werden und Keiner nimmt dabei Schaden. Hat er. aber wissentlich bei der Schechita gefehlt, so ist das |pn£.. tzvv er hat das in ihn gesetzte Vertrauen schmählich mißbraucht.und v . keh und ihm wird das Vergehen, , in das durch ihn die Gesammtheit verfällt, zur Last gelegt. . „ . . .... . ...... V.