Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1902)
- Date
- 1902-07-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1264 wacherhalten werde. Der von Herrn Direktor Wolpe erstattete Kassenbericht erwies einen Bestand von 186.25 Mark. Die Ausgaben im ersten Vereinsjahre betrugen annähernd 1300 Mk. Bei' den Vorstands-Wahlen wurden die bisherigen Mitglieder, die Herren Lewinski, Zomber, Wolpe, Hermann, Bernstein, Heilbrunn und Lewysohn wiedergewählt. An der sich anschließenden lebhaften Debatte über eine Reihe von Anregungen, die aus der Versammlung gegeben wurden, betheiligten stch namentlich die Herren Wedell, Lewald und Vehr, deren Ausführungen von der regsten Antheilnahme an den Interessen des Vereins zeugten. Charlottenbnrg, 20. Juli. Mit einer wohlgelungenen Schlußkneipe beendigte der Verein Jüdischer Studenten an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg am Donnerstag, den 11. d. Mts., das zweite Semester seines Bestehens. Trotz der Kürze des Sommersemesters leistete der Verein ein tüchtiges Stück jüdischer Arbeit, indenr er seinen Mtgliedern eine gediegene Kenntniß des vergangenen und des gegenwärtigen Zustandes des Judenthums zu übermitteln, suchte. Auf seinen, auch von zahlreichen Gästen besuchten. Vereinsabenden wurden folgende Vorträge gehalten: Cand. ing. M. Wechsler: „Anat. Leroi Veaulieu." Stud. rer. techn. L. Fuchs: „Kulturarbeit der Juden im Mittelalter". Dr. R. Hauske: „Jüdische Studenten-Bewegung am Ende des 19. Säl." Stud. ing. A. Verlowitz: ..Nationaljudenthum". Cand. chem. I. Griinberg: „Dr. Lippe." An die Vorträge schlossen stch meist rege Diskussionen und, wenn cs die Zeit gestattete, ein gemüthliches Beisammensein in Form einer Kneipe an. Der Verein betheiligte sich ferner offiziell bei den allgemeinen studentischen Turnspielen, die an der Techn. Hochschule neu eingerichtet find. Ebenso wirkte er bei den Arbeiten des Vereins für jüdische Statistik mit, zwecks Sammlung und Veröffentlichung des über das jüdische Volk vorhandenen statistischen Materials. Die am 4. d. Ms. stattgehaben provisorischen Chargirtenwahlen für das-Wintersemester 1902/03 ergaben: Stud. techn. W. Majerczik, stud. ing. A. Verlowitz, stud. ing. Max Pinette. Etwaige Zuschriften bitte zu richten an: W. Majerczik. Berlin S., Brandenburgerstraße 6. O e st e r r e i ch. Lemberg, im Juli. Dr. Byk wurde seinerzeit durch den Lemberger jüdisch-politischen Verein „Schomer Israel" ausgefordert, in den Delegationen in Sachen der rumänischen Juden im Staatsdienste zu intervelliren: Das ging diesem Herrn wider den Strich. Der Präsident des „Schomer Israel" ist der alte Kämpfer für das jüdische Volk, Dr. Rüben Vierer. Nicht nur, daß Dr. Byk die gewünschte Interpellation nicht einbrachte, suchte er sich an seinem politischen Gegner zu rächen. Dr. R. Vierer ist nämlich als Schularzt bei der jüdischen Gemeinde angepellt. Der Kultuspräsident Dr. Byk setzte nach seiner ruhmreichen Rückkehr aus den Delegationen es durch, daß Dr. Rüben Vierer unter einem Vorwände entlassen wurde. Der Ausschuß des Vereins „Schomer Israel" hat beschlossen, dem Lemberger Kultuspräsidium für die Voylottirung des Schularztes Dr. Vierer das Miß- ' trauen auszusprechen. Trautcnau, 21. Juli. Dieser Tage fan». hier das erste Turnfest der deutsch-freiheitlichen Turnoereine Oesterreichs statt, an welchem sämmtliche auf freiheitlicher Basis stehenden Turnvereine Oesterreichs, namentlich jene aus Deutschböhmen, Wien und Triest, in großer Anzahl theilnahmen. In unmittelbarem Zusammenhänge mit diesem Feste steht die Abhaltung des deutschen Turnertages, welcher in den Tagen vom 25. bis 27. d. Mts. in Nürnberg abgehalten werden wird. Wie bekannt, hat die Turnsache unter den Deutschen in Oesterreich einen ziemlich gedeihlichen Aufschwung genommen. Gleichwohl zeigt sich, daß in demselben Zeiträume die slavischen Turnvereine einen bedeutenden Zuwachs zu verzeichnen haben. Ungeachtet dieser Conkurrenz der slavischen Elemente läßt eine kräftige Concentration unter der deutschen Turnerschaft viel zu wünschen übrig. Ein krasses Beispiel hierfür liefert Wien mit seinen 73 Turnvereinen. Da gibt es deutschnational-antisemitische Turnvereine strengster Observanz („Turnerbund"), dann solche gemäßigter Richtung mit dem Arier-Paragraph (XV. Turnkreis der deutschen Turnerschaft). Diesem Paragraph zufolge können nur Deutsche arischer Abstammung ihre Mitglieder sein. In der Praxis ist es gestattet, die schon vorhandenen jüdischen Mitglieder zu behalten; die Aufnahme weiterer Juden ist jedoch verboten. Einen solchen Handel einzugehen, haben etwa 50 Vereine, die sich auf ganz Oesterreich vertheilen, unter ihrer Würde gehalten und lehnten den Arier-Paragraph als unzulässig, weil dem Grundsätze der deutschen Turnerschaft zuwiderlaufend, ab und sammelten sich in der „Vereinigung deutsch-freiheitlicher Turnvereine Oesterreichs". In Wien gehören ihr der Deutsch-österreichische Turnverein, der Turnverein der Wiener Hochschüler und der Österreichische Turnverein in Florisdorf. an. Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft wird dem deutschen Turnertage in Nürnberg folgende abgeänderte Fassung des Paragraph 1 vorlegen: „Die deutschen Turnvereine, welche das vorliegende Grundgesetz angenommen haben, bilden die deutsche Turnerschaft. Die Aufnahme der Vereine erfolgt nach Anhören der Kreise und Gaue durch den Ausschuß der deutschen Turnerschast. Sie darf nur von ihrer Unbescholtenheit und der Anerkennung der bestehenden Satzungen abhängig gemacht werden." Im Paragraph 5 wird verlangt werden, daß die Einrichtung der Kreise nicht im Wider-