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Der Israelit · 1902-07-24 · Heft 59 (24.7.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 59 (24.7.1902)
Date
1902-07-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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49/Jahrgang. mm Etwas vom Aollektiren. Die jüdische Wohlthätigkeit ist sprichwörtlich. So oft fie auch in Anspruch genommen wird, immer wieder gibt und spendet sie, gibt und spendet sie gerne und mit vollen Händen. Die Zahl der Vitt- und Unterstützungsgesuche, der Ausrufe und Kollekten, die das Jahr hindurch an die jüdischen Gemeinden wie an Private ergehen, ist Legion. Für Synagogen- und Schulbauten, und wohlthätige oder gemeinnützige Anstalten und Vereine, für die armen Brüder im heil. Lande und anderen Ländern und für Strafgefangene u. s. f. in langer, bunter Reihe, laufen die Bittgesuche ein, und es gehört viel Umsicht und Diplomatie dazu, einestheils das Dringlichere vom weniger Nothwendigen auszuscheiden, anderntheils die diversen Kollekten so zu plazieren und auf entsprechende Zeiträume zu vertheilen,. daß die Spender nicht zu oft sich belästigt fühlen und ihre Opferwilligkeil herabgedrückt, werde. Und hier muß ein bestehender Uebelstand ausgedeckt werden, der nicht selten zu Kollisionen führen, das Kollektiren. wie das frohe Spenden verleiden, sogar verhindern kann. In unseren Landgemeinden sind Kultusvorstand und Lehrer in der Regel sozusagen die beiden ruhenden Pole im Parteigetriebe, von denen gewöhnlich die Bewegungen im Gemeindeleben ausgehen, fast stets der eine anregend, der andere ausführend. An eine dieser beiden Persönlichkeiten richten daher auch die Bittsteller ihre Gesuche um Kolleltirungen, bald an den einen, bald an den andern, je nach Neigung und Belieben, oder je nachdem man sich größeres oder geringeres Verständniß für die Sache, mehr oder weniger bereitwillig, mehr oder weniger Einfluß auf die Gemeindeglieder von ihnen verspricht. Da kann es nun Vorkommen, daß der eine nichts vom andern weiß und so manchmal fast gleichzeitig, oder doch in gar zu kurzen Zwischenräumen gesammelt wird, was mancher Spender als Belästigung empfindet. Da fällt gar manches Wort — etwas Empfindlichkeit — und ein Konflikt ist da. der Kollektiren und Spenden auf lange Zeit verleidet. Andererseits ist aber auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich der Vorstand auf den Lehrer verläßt und der Lehrer dagegen auf den Vorstand, und so geschieht gar nichts, zum Schaden mancher Petenten und mancher würdigen Sache. Beide Möglichkeiten sind aber erst recht in den Fällen gegeben, wo besonders pfiffige Bittsteller den Vogel abzuschießen glauben, wenn sie gleichzeitig an den Lehrer und den Vorstand je ein Exemplar ihrer Zirkulare senden.! Man möge sich die tragikomischen Verwickelungen selbst weiter ausmalen. Es ist gewiß, der Jude gibt gerne und oft und reichlich, aber — est modus in rebus, sunt certi denique fines. Es sollte alles vermieden werden, waS den jüdischen Wohlthätigkeitssinn auch nur im geringsten nachtheilig beeinflussen könnte und gewiß läßt sich ein Modus finden, diesen „Dualismus" zu vermeiden. Vielleicht kann ich später nochmals zu dieser Sache das Wort nehmen und praktische Vorschläge machen. Zunächst möchte ich nur einen Gedankenaustausch, eine lebhafte Aussprache veranlassen, die zu einer Klärung führt und verwendbare Anregungen und Rathschläge zeitigt. L. A n f a n g e r, Memmelsdorf. zettungSuachrkchterr und Csrrespondenzeri. D e u t s ch l a n d. Berlin, 20 Juli. Bei den letzten Repräsentanten- Wahlen ist innerhalb der jüdischen Gemeinde ein Faktor in die Erscheinung getreten, mit welchem man bisher wenig gerechnet hatte, welcher jedoch durch seine lebhafte Antheilnahme an diesen Wahlen bewiesen hat, daß man in Zukunft mit ihm rechnen muß. Wir meinen den „Verband der Synagogen-Vereine von Berlin und.den Vororten." Derselbe hielt am 17. Juni seine erste Generalversammlung ab. In seinem Bericht konstatierte der Vorsitzende, Herr Lewinski, daß die Absicht, die gesetzestreuen Synagogenvereine in Berlin zu einem gemeinsamen.Verbände behufs Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuschließen, schon seit Jahren vorhanden gewesen sei, aber erst vor Jahresfrist nach verschiedenen früheren vergeblichen Versuchen durch die Gründung des Verbandes in eine feste Form gebracht wurde, welche durch den Ausfall der Wahl bestätigt habe, wie sehr die Gründung eine Rothwendigleit tvar. Durch das Zusammengehen mit dem „Central-Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinden," welcher dem Synagogen-Verbande zwei Kandidaten concedirt hatte, nämlich die Herren Aron Hirsch und Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn, habe man es erreicht, daß die gemeinschaftlichen Gegner geschlagen wurden. Der Verband sollte jedoch nicht ein bloßer Wahlverein sein, sondern würde durch öffentliche Besprechung von Fragen, welche die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Berlin und der Gesammtjudenheit betreffen, dafür sorgen, daß nicht nur unter seinen Mitgliedern, sondern überhaupt innerhalb der Berliner Gemeinde ein regeres Interesse für diese Angelegenheiten wachgerufen, und

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