Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1902)
- Date
- 1902-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Sitz der Organisation könnte vielleicht Frankfurt sein, wahrend sich an allen Plätzen Zweigvereine zu bilden hätten, die berufen waren, die Geselligkeit zu pflegen und jüdisches Wissen zu verbreiten. Wir bitten nun Interessenten, ihre Adresse, eventl. auch ihre Ansicht, der Redaktion dieses Blattes mittheilen, zu wollen und werden wir Weiteres veranlassen. Frankfurt a. M., 22. Juli. (Eine I s r. N e r v e n h e i l a n st a l t.) Im Anschluß an die auf der Nabbincrkonferenz Hierselbst gepflogenen Erörte-- rungen über die Gründung einer israelitischen Nervenheilanstalt dürfte cs angebracht sein, darauf aufmerksam zu machen, daß sich in unmittelbarer Nähe Frankfurts eine jüdische Nervenheilanstalt befindet, die schon mannigfache Erfolge während der kurzen Zeit ihres Bestehens aufzuweisen hat. Dieses Sanatorium hat eine vorzügliche Lage in der Nä^ eines herrlichen Waldes am Fuße des Taunus und ist von Frankfurt aus mit der elektrischen Bahn in einer halben Stunde zu erreichen. Die Anstalt untersteht der Leitung des bewährten Arztes Herrn Dr. E. Rosenbaum zu Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 36, und ist mit allen Mitteln, die man von einer modernen Heilanstalt fordert, auf's Beste ausgerüstet; auch den weitgehendsten Ansprüchen'in religiöser Beziehung dürfte Rechnung getragen sein, da die rituelle Aufsicht sehr streng gehandhabt wird. . Halle, 23. Juli. Herr Daniel Apelt. „der Senior der hiesigen Bankers", wie ihn ein Halle'sches Blatt in warmem Nachrufe nennt, ist in der Frühe des vergangen p*?s dbhb 'r,zv im Alter von fast ö4 Jahren aus dem Leben geschieden. Wer kennt nicht das Haus Apelt in Halle als eine Stätte der Thora, als eine Burg des Glaubens, der treuen Gottes- und Nächstenliebe, wer kennt nicht dieses Haus, das den Rathschlag unserer Weisen pst? spoai b"k nn-6 b.TPn ctp;x in so herrlicher Weise befolgt hat? — Und er. der Entschlafene, ist es gewesen, der in schlichter Bescheidenheit, aber mit unbeugsamem Willen diesem Hause Begründer und Berather, Pfeiler und Säule gewesen ist, der die Ueberlieferung der Väter, die Fahne der alten Wahrheit hochhielt in unserer Stadt, die keine Stätte der Thora sonst ist und in der die alte Wahrheit schon längst zu Grabe getragen wurde'. Ja, als er einsah. daß er keine Mitkämpfer mehr fand für unsere Emunoh, da errichtete er im eigenen Hause ein Beth Hamidrasch und besoldete einen eigenen Hausrabbiner, dem auch die Schechita obliegt. Dieser hiedere, schlichte alte Mann mit dem festen, unbeugsamen Willen, mit dem edlen, liebenden Herzen ist nun nicht mehr, und es weint um ihn nicht nur sein Sohn, der bekannte Philantrop Herr M. Ave l t, nicht nur seine Familie, es weinen alle um ihn, die ihn gekannt, und unsere jüdische Gemeinschaft bat einen greisen Führer verloren, einen Fürsten der Wahrheit und der Liebe. — Die am Montag stattgehabte Beerdigung gestaltete sich zu einer Kundgebung, die Zeugniß von der großen Achtung ablegte, deren sich der Verklärte in hiesiger Stadt bei Juden und Christen erfreute, und auch von auswärts waren Viele herbeigeeilt, .die dein Freunde und Berather die letzte Ehre erweisen wollten- " - Im Trauerhause sprach mit thänenerstickter Stimme der Hausrabbiner, Herr B r a u n, dem Verklärten tiefempfundene Abschiedsworte, und dann bewegte sich der imposante, schier endlose Trauerzug nach dem Beth Olam.; Hier kündete zuerst Herr Rabbiner Dr: Feßler in beredten Worten des Verklärten Verdienste um Stadt und Gemeinde und schilderte die Liebe und den Pflichteneifer, mit denen er sich den hiesigen Institutionen des rra hingab; er verglich ihn mit Abraham, von dem es heißt: nxi ns irr» “sph jjiA wiv v cctpai np-ix r'vyb ti *]*n ncn vinrr 'rra und wahrlich, er konnte den Lebenszweck und das Lebensziel des Verblichenen nicht besser kennzeichnen. - - ' - Dann sprach Herr Dr. Hirsch Hildesheimer (Berlin) in wahrhaft meisterhafter Weise von den Verdiensten .des Verklärten um das Berliner Rabbiner- Seminar, dem er seit seiner Gründung als Förderer angehörte. Der Entschlafene, so führte der Redner in der Folge aus, habe durch sein Leben bewiesen, daß man ein Mensch sein könne, der mitten in den Interessen des modernen Lebens als hochgeachteter Mann dasteht, — und dabei doch ein Jude, treu den Lehren der Väter und willensstark in der Ausübung unserer religiösen Pflichten. Hierauf brachte derallbekannte und allgeliebte Menschenfreund, Herr Alphons-Jacob s o n aus Leipzig dem Verschiedenen einen Nachruf. Nicht als Verwandter, sagte er, und nicht als Freund und Vertrauter trete er heute cm diese Bahre, er spnche den wehmüthigen Abschiedsgruß von ungezählten Kindern, die ihr Lebensglück und ihre Erziehung der tatkräftigen Mithilfe, der großangelegten Menschenliebe des Herrn Daniel Apelt s. A. verdanken. Der Verklärte war Mitbegründer des Dieher Waisenhauses und, ungeachtet vielcr/Schwierigkeiten hat. er dieses Werk der Liebe zu der Höh? gebracht, auf der es heute steht; sein Wahlfpruch war es, in diesem Hause Kinder zu guten Staatsbürgern und zu ganzen Juden zu erziehen. Es waren tiefergreifende Worte, die Herr Jacobson dem Heimgegangenen gespendet, hat,, und kein Auge blieb thränenleer. Sodann widmete noch Herr Dr. C a r l e b a ch (Leipzig) dem Verklärten einen warmen Nachruf, dann schloß die Feier, die gewiß Allen, die ihr beiwohnten, unvergeßlich bleiben wird. Die liebenswürdige Greisengestalt aber wird fortleben in unserem Geiste und seine Thaten zeugen für sein wohlgenütztes Leben. Er ist dahingegangen