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Der Israelit · 1902-07-24 · Heft 59 (24.7.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 59 (24.7.1902)
Date
1902-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1250 keine Verkaufs stelle errichtet, sondern nur eine kleine zusammenfastende Auswahl der Neuerscheinungen meines Verlags auf dem.Gebiete der jüdischen Litteratur sowie einige Druckwerke meiner Rödelheimer Offizin (M. Lehrberger & Cie.) zur Ausstellung gebracht habe." ' Frankfurt a. M., 22. Juli. (Gründung jüdischer Handlungsgehilfen - Vereine.) „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott," so heißt ein englisches Sprichwort, und hiervon ausgehend haben sich allenthalben Verufsvereine, deren Basis die Selbsthilfe ist, gegründet. Zunächst hatten sich dir Arbeiter Englands organisirt, von England aus wurden die Arbeiterorganisationen nach Deutschland verpflanzt, und Dr. Max Hirsch, ein Glaubensgenosse, einer der tüchtigsten Volkswirthe früherer Reichstags-, z. Zt. Landtagsabgcordneter. war es, der im Jahre 1868 im Verein mit Dunler.' die nach ihnen benannten Hirsch- Drrnker'schen Gewerkvereine gründete, eine Arbeiterorganisation, in Berufsvereinen eingetheilt, die heute ca. 300,000 Mitglieder zählt; hierzu gebärt auch der Verein der deutschen Kaufleute, mit ca. 8000 Kaufmännisch-Angestellten. Der Verein hat seinen Sitz in Berlin und ist durch Ortsvereine über ganz Deutschland verbreitet. Im Laufe der Zeit kamen nun die konfessionellen Berufsvereine auf; wir haben heute christlichsoziale Gewerkschaften, evangelische und katholische Gesellenvereine, die Katholisch-Kaufmännischen Vereine und endlich den antisemitischen Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband. Wir Juden sind meistens liberal gesinnt und deßhalb Sonderbrstrebungen abhold. Doch hat der böse „Antisemitismus" auch hier schon 'manches geändert und ihm mag'man es verdanken, wenn immer mehr jüdische Organisationen entstehen. So sind die jüdischen Stndentenvereine entstanden, und wenn sie auch theilweise auf zionistischer Grundlage stehen, so sind sie doch eine Folge des Antisemitismus ' und man kann von ihm sagen, daß er der Geist ist. der zwar das Böse will, doch stets das Gute schafft. Wenn hier nun angeregt wird, jüdische Handlungsgehilfenvereine zu gründen, .so geschieht dies nicht, um etwa die kaufmännischen Vereine als antisemitisch hinzustellen, nein, wir wissen zu genau, daß unsere Glaubensgenossen hervorragend in diesen Vereinen thätig sind und vielfach der Vorstandschaft angehören, und wir möchten auch Niemand diesen Vereinen abspenstig machen. Wir erachten es jedoch für nothwendig, daß sich dir jüdischen Kaufmännisch-Angestellten zu einer Organisation zusammenschließen, um speziell die jüdischen Interessen zu vertreten, um ihr Augenmerk auf die jüdischen Geschäfte, deren Prinzipale und Angestellten zu lenken. Wenn es christlich-konfessioneller Berufsvereine bedarf, so bedarf es doch erst recht auch jüdischer, und wenn es noch eines weiteren Beweises bedarf, so brauchen wir blos den Frankfurter „Schomre Schabbosverein" und die israelitischen Stellenvermittelungsvereine zu nennen. Nun wird man wahrscheinlich einwenden, nachdem diese Vereine bestehen, ist ein weiterer Verein überflüssig. Weit gefehlt! Es ist dringend nothwendig, daß sich die jüdischen Handlungsgehilfen vereinigen, um die Mißstände, die so vielfach Sabbat- Feiernden in gewissen Geschäften ausgeseht sind, durch, geeignete Schritte abzuändern, ferner um dahin zu . wirken, daß Geschäfte, die am Sabbat geschlossen, auch nur jüdisches Personal halten und wieder nur solches, das aus Sabbat reflektirt. Wie traurig, schmerzlich und beschämend ist es doch, daß jüdische Geschäfte, die Sabbat streng geschlossen haben, deren Prinzipale — wie man zu sagen pflegt — die erste Geige in der Gemeinde spielen, mit christlichem Personal arbeiten. Uns sind sogar derartige Geschäfte bekannt, deren Kundschaft fast ausschließlich jüdisch ist und trotz alledem mit verhältnißmäßig größerem, christlichem Personal arbeiten. Es wäre, vielleicht am Platze und hier die richtige Stelle. Namen zu nennen, das Kind jedoch beim rechten Namen zu nennen, dies wollen wir der zu gründenden Organisation jüdischer Handlungsgehilfen überlassen, deren Aufgabe es ja sein wird, diese Mißstände abzuändern. Dies kann natürlich nur durch eine von Prinzipalen unabhängige Organisation geschehen. Um Jrrthümern jedoch vorzubeugen, sei hier gleich erwähnt, daß diese Organisation die Harmonie zwischen Prinzipalen und Angestellten nicht stören soll noch wird. Die Organisation wird nur die Prinzipale bekämpfen, die eben selbst die Harmonie stören, die — und hier wollen wir das Kind beim rechten Namen nennen -— Chikanieure sind. Gibt es doch jüdische Geschäfte, die fortwährend Stellenwechsel haben! Auf dem Rabbinerkongreß kam auch die Sprache auf die jüdischen - Handlungsgehilfen. Dr. Werner, Dr. Frank und Dr. Auerbach sprachen davon, daß hier etwas geschehen müsse, um die jüdischen Handlungsgehilfen dem Judenthum zu erhalten, und wir wollen hier nur auf die Referate der Herren Dr. Werner und Dr. Eschelbacher Hinweisen. Unter anderm sagte Herr Dr. Werner in seinem Referate: „Wir können. noch manches von den konfessionellen Berufsvereinen lernen" und hier kam uns die Anregung, daß die jüdischen Handlungsgehilfen in der gleichen Lage find und wir resümiren uns nun dahin: „Die jüdischen. Handlungsgehilfen mögen sich zu einer Organisation zusammenschkießen, um deren Interessen zu vertreten und zu fördern, um all das, was sich Schomre Schabbos-. Jsr. Stellenvermittelungs- und Montefiöre-Vereine als Ziel gesteckt haben, zu vereinen und unabhängig zu leiten und zu führen." Nun sage man nicht, daß dies eine Utopie ist. Einigkeit macht stark? und auch an Euch, jüdische Handlungsgehilfen ist es, das zu leisten, was christliche kaufmännisch: Vereine schon längst geleistet haben. Der

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