Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1902)
- Date
- 1902-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1249 f U. t Was war ihm das Wehegeschrei jener, die unter sengender Sonne arbeiteten, unter der Peitsche erbarmungsloser Vögte. Bis die Klagerufe in die Säulenreihen oder zu den kühlen Leinenzelten drangen, hatte die Entfernung sie zu eintöniger Musik gedämpft. Warum sollte er die Schicksals-Sphinx befragen, oder gegen die Ordnung streiten, die die hohen Götter bestimmten. So war es immer gewesen seit Jahrhunderten und Jahrhunderten, so mußte es wohl immer sein. Der Käser vertilgt das Insekt und der Falke stellt dem Käfer nach; Ordnung folgt auf Ordnung, Leben entsteht aus dem Tode und dem Geinetzel, und die Vergnügungen der Höheren aus der Todesangst der Niedrigen. Soll der Mensch besser sein als die Natur? Sanft und ruhig fließt der Nil, obgleich unter seiner sriedlichen Oberfläche die Wafferbewohner grausamen Krieg führen und der Starke den Schwachen verzehrt. Soll der Weise, der die Geheimnisse der Sterne ergründen möchte, zurückweichen, weil zu seinen Füßen ein Wurm sich windet? Ihr Geschick ist, Backsteine ohne Stroh zu machen, seines an glänzenden Prozessionen theilzunehmen, welche mit prächtigen Bannern und glitzernden Sinnbildern, mit Musikklängen und feierlichem Gesang sich ihren strahlenden Weg entlang bewegen, um den unsterblichen Bau, den jener Arbeit errichtet hat, zu weihen. Ihnen die Zwiebel und der Knoblauch, ihm das üppige Festmahl. Warum sollte er bei der Bitterniß der Knechtschaft verweilen, er, für den die prächtigen Wagen bereit standen, der. die., hurtigen Rennpferde des Delta reiten oder den Fluß befahren konnte, während die Ruder zu den Gesängen den Takt schlugen? Verlangte er nach thätiger Aufregung? Zu seiner Verfügung war die Wüstenjagd, mit Nossen, die flinker waren als die Gazellen, und Löwen, die abgerichtet waren wie die Hunde. Forderte er Ruhe, Behaglichkeit? Für ihn gab es das lveiche Schwellen schmachtender Musik und die Lockungen bekränzter Tänzerinnen. Fühlte er die Regungen.des geistigen Lebens! In der Arkana der Tempel stand es ihm frei, alter Zeiten Kunde zu ergründen; ein Eingeweihter in de: auserlesenen Gesellschaft, in der die tiefsten Probleme erörtert wurden; eine Genosse jenes intellektuellen Stolzes, der Jahrhunderte nachher die griechische Philosophie mit kindlichem Geplauder verglich. Es war keine plötzliche Aufwallung der Leidenschaft', die Moses veranlaßte, all diesem den Rücken zu wenden und sich in den lebenslänglichen Dienst der Geknechteten zu stellen. Die Selbstvergessenheit, die sich in dem Erschlagen des Egyvters kundgab, gibt sich durch sein ganzes Leben zu erkennen. In Gesetzen. die bis auf den heutigen Tag das Schicksal arbeitender Millionen erleichtern, können wir den großen Endzweck Gottes erkennen. Durch all das, was uns die Tradition von diesem » . . . r.v. , .*•- ('.-«■ ■ ... ..... . .. .1; , .. . \ Leben überliefert hat, zieht sich die eine gleich große Leidenschaft, das selbstlose Streben, die Menschheit besser, glücklicher, edler zu machen. Und der Tod ist des Lebens würdig. Aus einem Lande kommend, wo die feierlichen Todtengebräuche als hochwichtig betrachtet wurden, und wo in der Erhaltung deS Körpers nach dem Tode der Zweck des Lebens gesehen wurde, inmitten eines Volkes, das selbst damals die Ueberreste seines großen Vorfahren Josef mit sich führte, damit er bei seinen Vätern ruhen möge, besiegte er dennoch den letzten natürlichen Wunsch und entzog sich auf Befehl des himmlischen Vaters dem Anblicke und der Theilnahme der Menschen, um allein und unbewacht zu sterben, damit die abgöttische Empfindung. immer bereit hervorzubrechen, ihm nicht im Tode die abergläubische Verehrung zolle, auf die er im Leben verzichtet hatte. „Kein Mensch kennt seine Grabstätte bis auf den heutigen Tag." Aber während die beraubten Gräber der Pharaonen der Eitelkeit spotten, welche sie errichteten, ist der Name des Hebräers, der sich gegen ihre Tyrannei erhob, um für die Befreiung seiner Mitmenschen zu streiten, der Welt ein Leitstern geblieben. Führer und Diener der Menschen! Gesetzverkünder und Wohlthäter. der Du dem verheißenden Lande zustrebtest. welches Du nur mit dem Auge des Glaubens erschauen solltest! Typus der großen Seelen, welche in jedem Zeitalter der Erde ihre Helden und Märtyrer gegeben haben, deren Thaten der kostbarste Besitz, deren Andenken die heilige Erbschaft ihres Volkes bilden! Mit wem unter den Gründern von Reichen können wir dich vergleichen? HerkmgSNschrtchLrrr rmd TsrrespoNderrzsrr. Deutschland. Berlin, 22. Juli. (Antisemitische G esinnungsrohhei 1.) Die „Staatsb.-Zeiiung" druckt voll Genugthuung den Brief eines Antisemiten ab, in dem mitgetheilt wird, daß in einer Stöcker-Versammlung bei der Erörterung der Juden-Taufen in der Diskussion ein Handwerksmeister, Vorstand eines konservativen Bürgervereins, aufstand und sagte: „Ja, meine Herrschaften, ich bin auch für das Taufen der Juden; aber wenn sie getauft werden, dann müssen sie so getauft werden, daß der Kopf fünf Minuten unter Wasser gehalten wird, sonst nicht." . . ,' Frankfurt a. M., 20. Juli. Von Herrn I. Kauffmann, Verlag, dahier, erhalten wir die folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf Ihren; nachträglichen Bericht über die hier stattgefundene Rabbiner- Versammlungen in Nr. 87 Ihres gefch. Blattesbitte ich zu berichtigen, daß ich im Versammlungslokal