Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 46-47 (9.6.1902)
- Date
- 1902-06-09
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 2× ep/1006163
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hatte er me ernstlich widersprochen, wenn David nicht allzuhäufig von seinem Vorrecht Gebrauch mackte.' Seit einigen Jahren hatte David die Erlaubniß, selbstständig zu fungiren und seit jener Zeit schon öfters den Mohel vertreten, auch sein Vater hatte ihm schon einige Male gelegentlich der Jomim tauwim einen Bris überlassen. Seine Ggenschaft als Mohel war es auch gewesen, die ihn -an dem Erew Schwuaus-Morgen unserer Erzählung in Salzheim zurückhielt. Noch am Abend vorher hatte er keine Ahnung davon gehübt, daß er einen Vris am anderen Morgen zu vollziehen habe, sonst würde er seine Eltern benachrichtet haben. Erst Morgens beauftragte ihn der Mohel, den eine Erkältung an's Haus fesselte, ohne Verzug nach einem zwei Stunden entfernten Städtchen zu eilen. Durch die plötzliche Störung seines Reiseplanes und in der großen Eile versäumte David sogar, ein Telegramm an seine Eltern vor seinem Weggange zu hinterlassen. Nach der Vollziehung des heiligen Aktes wollte er noch wenige Minuten an dem Mizwohfestmahl theilnehmen, doch auch da sollte er nicht so schnell wegkommen, als er gedacht hatte. Neben ihn setzte sich ein älterer Herr, der großes Interesse an dem jungen, tüchtigen Mohel nahm, und erkundigte sich mit solcher Freundlichkeit nach seinen Verhältnissen, daß David sofort Zutrauen zu ihm faßte und ihm alles erzählte, was sein Herz bedrückte. „Bis wann könnten Sie denn Ihre Stelle verlassen?" fragte der Herr, als David eine Pause machte. „Heute schon," erwiederte dieser, von dem Erzählen erregt, „erst vorige Woche sagte mein Chef zu mir: Wenn Sie kündigen, können Sie denselben Tag noch austreten, ich halte Keinen mit Gewalt zurück." „Ich fahre gleich mit Ihnen nach Salzheim zurück," sagte Moses Burg von Schönau, als solchen hatte sich der Herr vorgestellt, dem Gespräch eine andere Wendung gebend, „ich hätte zwar in einer Stunde noch Zeit. Ich möchte aber doch noch Einiges in Salzheim besorgen. Wir sind zwar Konkurrenten," sagte Burg, als sie den Wagen bestiegen, „aber.ich glaube kaum, daß sich unsere Interessen je gekreuzt haben." In Salzheim trennten sich die Beiden mit der Verabredung, sich in einer Stunde an der Bahn zu treffen, um vor Abgang der beiden Züge, die sie in ihre Heimath bringen, sollten, noch ein bischen zu plaudern. . , _ David war stolz auf die neue Bekanntschaft, denn die Firma Burg war eine, der ersten des Landes und ihr Chef als echter Jehudi und unermüdlicher Wohl- . thäter weit und.breit bekannt. Vor Ablauf der Stunde war er am Bahnhof, um den Herrn nicht warten zu . lassen. Dieser erschien aber nicht allein, sondern zum ''größten Erstaunen Davids in Begleitung, seines Chefs Julius Löw. „Ihr Chef hatte die Freundlichkeit mich hierher zu_ begleiten," begann Moses Burg, „wir sprachen auch über Sie und nach allem dem, was ich von Ihnen weiß, biete ich Ihnen eine Stelle in meinem Geschäfte an, die Ihre Erwartungen und Wünsche vielleicht noch etwas ubertrifft. Herr Löw wird sich Ihrem Glück gewiß nicht in den Weg stellen, obschon es eine Zumuthung. von mir ist, zu verlangen, den besten am ganzen Geschäfte herzugeben." Mit sauersüßer Mene, aus Scheu vor, dem imponirenden Auftreten Burg's, murmelte Löw etwas, das als eine Zustimmung gelten konnte. Daß David sein Jawort nicht zurückhielt, bedarf keiner Versicherung./ ' / - ' „Auf Wiedersehen nach Schwuaus!" rief Burg noch dem scheidenden David nach, der vom Coupöfenster aus ehrfurchtsvoll grüßte. - David war also doch noch vor Jomtof gekommen und wie die Sonne, wenn sie aus finsterem Gewölk hervorbricht, um so schöner die Landschaft verklärt, so. war im Hause From's nach der Enttäuschung die Wiedersehensfreude um so inniger und beglückender. Mirjam, des Rabbiners Töchterlein,, hatte allerdings von dem ersten Ausbleiben Davids nichts erfahren, ihre Freude war aber vielleicht doch nicht geringer, als die seiner Eltern, als er Abends mit seinem Vater beim Lernen erschien, das seit vielen Jahren in der - ersten Sch'wuausnacht in dem gastlichen Hause des Rabbiners die ganze Kehille versammelte. Mirjam kannte wohl den Platz am unteren Ende der langen - Tafel, wo David neben ihren beiden Brüdern, die in - der benachbarten Stadt höhere Schulen besuchten; gewöhnlich saß, und dort hatte sie, als sie der Mutter den ' Tisch decken half, ausgesuchte Stücke . des leckeren Kuchens hingestellt,, der zur Erholung die Tafel zierte und den sie selbst mit besonderer Sorgfalt gebacken, damit er dem lieben Gast ja recht munde. Mit strahlendem Angesichte war David mit seinem Vater zum Lernen gekommen. Er begrüßte erst die Familie des Rabbiners, dem Rabbiner selbst^ hatte er in der Schul schon gut Jomtof gewünscht und sich bei ihm den Scholaum aleichem-Gruß geholt, dann trat er in das große Empfangszimmer, wo schon einige Gemeindemitglieder an dem mit Blumen, und Erfrischungen geschmückten Tische in ihre Tikun teil schw'uaus vertieft waren. Auch David nahm Platz, und obfchon .die Freude seines Herzens sich deutlich auf seinem Gesichte wiederspiegelte, konnte nicht einmal' sein Vater errathen, daß eine freudige Entscheidung, in Davids Leben heute gefallen war. Denn von seinem neuen Engagement hatte er noch nichts erzählt. Er wußte wohl, wie sehr auch seine Eltern, die wenig, begütert waren, sich seinetwegen Sorgen machten, aber ein dunkles Gefühl sagte ihm: . Erst morgen, wenn ich nach Mincho mit den Eltern den üblichen Besuch'beim