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Der Israelit · 1902-06-09 · Heft 46-47 (9.6.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 46-47 (9.6.1902)
Date
1902-06-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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was oben, ausgeführt worden, ohne weiteres klar, bezüglich der letzten beiden Punkte jedoch ist es auch mir nicht unbekannt, daß der Talmud scheinbar eine andere Ansicht äußert. Allein das, was t wa 21 zur Stelle beibringt: pDjmr mm iL pfcao *vi nbnnap *ui pnriDi setzt doch nothwendig eine sehr heftige Religionsverfolgung voraus, womit man also auf die Zustände unter Antiochus zurückgriff. Die Gegenwart bot nach der Richtung schwerlich einen Anstoß. Ich kann daher die Müthmaßung nicht unterdrücken, daß man hierbei zwischen Veranlassung, die weit zurücklag, und Ursache, die in den Bewegungen der Zeit hervortrat, wohl zu unterscheiden habe. Daraus alleine erklärt sich auch der verschiedene Standpunkt, welcher von Hillel einerseits und Schammai andererseits eingenommen worden. Wenngleich auch dieser, was die Auffassung der Dinge betraf, er mit letzterem gleicher Meinung war, so gebrach es ihm jedoch an Muth, sich der reißenden Strömung entgegenzustemmen. Man wird es nun begreiflich finden, daß Rabbi Akiba, als er im Kerker schmachtete, lieber sein Leben gefährden wollte, als sich entschließen, die Anordnung bezüglich m' ifrw zu übertreten. (Erub. 23 d.) Nun erklärt es sich auch, welche Vewandniß es hatte ernon n'is-sm wz daß man das Schwert zu Hilfe rief. Nicht, daß man auf diese Weise dem Judenthum die achtzehn Verordnungen mit Gewalt aufzwingen wollte, solches Verfahren wäre im Gegentheile nur dazu angethan, ihre Geltung im vorhinein als hinfällig erscheinen zu lassen. Es sollte damit nur verhütet werden, daß man sich um die Dinge herumdriicke, wie dies auch Raschi mit einem einzigen Worte so klar ans Licht stellt. patn war 'vb pjoa Man sollte sie anfassen, selbst aus die Gefahr hin, sich die Finger daran zu verbrennen. Schammai und sein Anhang war von der durchschlagenden Kraft ihrer Gründe so sehr durchdrungen, daß er kühn alle Welt in die Schranken fordern mochte, um gegen dieselbe anzukämpsen. Diesen Umstand in seiner ganzen Bedeutung würdigend, erklären auch die Tossaphot (Aboda sara 37 Schlagm. fZnm), daß die achtzehn Verordnungen eine That bedeuten, für welche ihre Urheber das Leben einsetzen mußten. Das ist es, was ihnen die Unantastbarkeit für alle Zeiten sichert. Das allein dürfte schon zur Genüge beweisen, wie gründlich Herr Dr. Jakob den Sachverhalt verkannt hat, wenn er zu behaupten so kühn war, daß die ganze Art des Talmuds auf Einfluß des Christenthums zurückzufiihren sei. 5 / - (Fortsetzung folgt.) ... ZeitrmgSüachrrchiett und Correspsttderrzett. D e u t f ch l a n -4 : Berlin, 2. Juni. In einer zahlreich besuchten De» legirten-Versammlung des „Verbandes für jüdische- - Wohlthätigkeit sprach dieser Tage Herr Dr. med. M. ' Radzicjewski über „Aerztliche Fürsorge- und - Wohlthätigkeitspflege." In trefflicher Weise erörterte der Redner die innigen Beziehungen, welche zwischen; diesen beiden ältesten, aus den dringendsten Bedürfnissenzur Erhaltung des Daseins erwachsenen Kulturbeprebungen bestehen. Jedes für sich und beide zusammen bilden Hauptpfeiler zur Stütze unseres Gesettschaftsbestandes. Aerztliche Fürsorge ohne den wohlthätigen Sinn der Bürger hätte nichts zu schaffen vermocht, und dieser wieder ohne jene hätte verständnißlos gerungem Jedes für sich kann Großes leisten und hat bereits Großes geleistet, durch vereintes Wirken wird jedoch der beste Erfolg gewährleistet. Beide müssen danach streben- -' einander zu fördern und sich gegenseitig die Wege-zu ebnen. Dann wird das Bewußtsein der inneren Kraft der beiden Arten der Liebesbethätigung steigen, und in weiteren Kreisen wird die Mitarbeiterschaft wachgerufen werden, um das Höchste zu schaffen: die Glückselig- - keit unter den Mitmenschen zu verbreiten. Zum Schluß feines nach Form und Inhalt vorzüglichen Vortrages, v der übrigens im Druck erscheinen soll, empfahl der Redner den Vereinen, ärztliche Beihülfen zur Mitwirkung' heranzuziehen, sowie den Aerzten für die Zwecke ihrer therapeutischen Maßnahmen eine Liste aller Wohlthätigkeitsvereine zu überweisen, welche einen kurzen - Hinweis auf die Thätigkeit jedes Vereins und dessen Meldestelle enthält. •'.-••••••••• Der Verbandsvorsitzende, Justizrath Br e s - lauer, erstattete alsdann über die Thätigkeit des Verbandes Bericht. Seit dem 1. April d. I. ist die Organisation der Wöchnerinnenpflege durchgeführt. Die Thätigkeit ist auf drei Vereine vertheilt, als vierter Verein hat sich jetzt der Frauenverein der Berliner Logen angeschlossen, welcher diejenigen Fälle übernimmt, in denen das Kind noch nicht geboren ist. Alle Gesuche gehen zunächst an die Centralstelle des Verbandes, welche dieselben innerhalb 24 Stunden demjenigen Verein zuweist, dessen Bezirk der Fall unterstellt ist. Die Organisation hat'sich bereits sehr gut bewährt. So gingen vom 1. April bis 19. Mai von 54 Parteien 117 Gesuche ein, und zwar, waren 29 an einen Verein, sieben an zwei Vereine, acht an drei Vereine, fünf an vier Vereine,'zwei an fünf Vereineeines' an sechs Vereine, zwei sogar an sieben Vereine zu gleicher- Zeit gerichtet. Statt der 117 Gesuche brauchten somit nur 54 einer Prüfung unterzogen zu werden. In drei! Fällen brauchten nur 10 Mk. bewilligt zu werden,

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