Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 46-47 (9.6.1902)
- Date
- 1902-06-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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986 ' Es genügt, an zwei Momente zu erinnern/ um alle unsere Begriffe in die peinlichsten Verlegenheiten zu verwickeln. Auf der einen Seite die scheinbar unbegreifliche Rücksichtslosigkeit: v»ri tprun' nua i*in ■sca »jp V» wn’m d» „Das Schwert, wurde im Lehrhause aüfgepflanzt und zwar unter der Weisung: es darf ein Jeder hereinkommen — aber Niemand sich .entfernen? (Sabb. 17 a.) Wo ist es im Judenthum je erhört -worden, daß man bei religiösen Anordnungen die Bajonette zur Hilfe gerufen hätte?! »Andererseits wieder dieser einestheils verwegene und doch so vorsichtige Gebrauch derselben! Man wollte im Grunde nur verhütet sehen, daß man sich gemächlich aus dem Staube mache, den Auseinandersetzungen, den Einwnrfen — mochten sie kommen von welcher Seite immer — war man damit aus dem Wege zu gehen, keineswegs genreint. Wenn man nun glauben sollte, diese Art des Zustandekommens jener Verordnungen wäre nur dazu angethan, ihre Berechtigung und demzufolge ihre Geltung in ein höchst zweifelhaftes Licht zu rücken, so belehrt uns Rabba bar bar Ghana im Namen Nb. Jochanans genau das strikte Gegentheil: n"2 Vo' bsa vAkku* K'vrw *un ->VV nwa pin nun Ti ib pjw pK nui „Alle religiösen Anordnungen können unter gewissen Umständen von einer späteren Behörde wieder aufgehoben werdenmit Ausnahme der gedachten achtzehn Verordnungen. Selbst wenn der Prophet Elijahu mit seinem Rathe erschiene, um sie aufzuheben, darf ihnen keine Folge gegeben werden." (Aboda sara Fol. 37.) * Hier muß doch entschieden irgendwo ein Knoten stecken, der noch nicht gelöst wurde! Es zeigt sich doch alles sofort in einem neuen Lichte,, wenn erwogen wird, daß. wir hier mitten in die Strömungen uns versetzt sehen, welche die eben emporkommende neue Religion in dem jüdischen Volke hervorgedrängt hatte.*> Die Absicht, das Gefüge des mosaischen Gesetzes .aus dem Leben des Volkes auszuschalten, trat hierbei zwar nicht offenkundig zu Tage, aber die Tendenz, dasselbe einem allmähligen Auflösungsprozesse zuzuführen, lag ihnen unverkennbar zu Grunde. So berichtet Math. 12,1 ff., wie die Jünger am Sabbat Aehren ansrauften, Marc. 7, 1 ff., wie sich dieselben über die Verordnung der Weisen, vor dem Essen die Hände zu waschen — eine Anordnung, auf welche das Judenthum wirklich stolz zu sein, alle Ursache hat — hinwegsetztew und sowohl dies und Aehnliches einer höchst abfälligen Kritik unterzogen. Damit im Einklänge steht es, wenn im Gegensätze zu allem, was durch die Geschichte erhärtet ist, Luc. 10, 25-^37, die Samaritaner als die Vorbilder edler .Frömmigkeit hingestellt und sie als die ES ist mir nicht entgangen..daß meine Mssassung mit dar —.. - r _ _? jti. aflfITrti« fl A» TtATl ftrnfcflrt Chronologie niät“g!na"i^ den großen Schwankungen, welche Dieselbe in dreier Periode Huben und drüben zeigt, können nur sachliche Erwägungen für die Emcechung der Tdatsachcn maßgebend sein. wahren Gottesverehrer gefeiert werden. (Joh. 4,1 bis 25.) Ja noch mehr, selbst die Zöllner, . die doch das denkbar unappetitlichste Gewerbe trieben und durch ihre gewerbsmäßigen Erpressungen das Volk geradezu bis auf's Blut aussogen, werden (Luc. 18, 9—14) den Pharisäern gegenüber noch als ein leuchtendes Muster hingestellt. So etwas wäre heutigen Tages in keinem Volke der Welt nur möglich, geschweige, daß es die Selbstverleugnung besäße, es ruhig über sich ergehen zu lassen. Bei einem Volke, aus welchem ein Hillel hervorging und auf solche Weise glänzend Schule machte, kann man keinesfalls von einem moralischen Nothstande, geschweige gar von nner diessälligen Verkommenheit reden. Hillel und sein Anhang, tijn pnu» m pa (Erub. 13 b); die in ihrer Langmuth und durch nichts zu erschütternden Duldsamkeit entschieden zu weit gingen, sie wollten nichts als. Frieden — den Frieden um jeden Preis. Persönlich genommen, mögen dies ja die schönsten Tugenden sein. Unter friedlichen und gesicherten Zuständen, wird man im gewöhnlichen Haus-, halte des Lebens damit am weitesten kommen. — Wenn aber, wie dies damals im Judenthum der Fall war, das Volk unter die scharfe Klaue des Römers gerathen, der cs unbarmherzig zerfleischte, wenn dann noch innere Zerrüttungen hinzutreten, welche das letzte Band zu sprengen suchen, dann kann Ls leicht um dasselbe geschehen sein. Es muß daher an dieser Stelle zur Steuer der Wahrheit und behufs Beseitigung tiefwurzelnder Mißverständnisse gesagt werden: so sehr wir auch Hillel und seine Schüler verehren dadurch, daß sie im Judenthum die höchsten menschlichen Tugenden zur reinsten und reichsten Entfaltung gebracht und tief in das jüdische Volksbewußtsein eingepflanzt haben, — hätten sie damals in Schammai und seinem Anhang durch den ungestümen Eifer, von dem diese getragen waren, nickt eine wohlthuende Ergänzung gefunden — wer weiß, ob nicht das Judenthum noch bevor der furchtbare Stoß von Seiten der Römer erfolgt war, untergegangen wäre! Hillel war ja mit den erhabensten menschlichen Tugenden geziert, sein Fehler lag nur darin, daß er ihrer alle im Uebermaß besaß. In den achtzehn Verordnungen galt es eben nicht bloß, den allgemeinen Tendenzen der Zeit, die auf Auflösung und Verflüchtigung des Gesetzes gerichtet waren, wirksam entgegenzutreten, sondern es handelte sich des weiteren noch darum, gewissen brennenden Fragen gegenüber Stellung zu nehmen. Dies sollte in den Verordnungen bezüglich .runr kobo ™ mu pnyn d*t> JiKDiö und vor allem in denjenigen, welche bestimmen vD pab 'a vuy kcbi uro wrn am* Kn« kuu paiK» geschehen. Gegenüber dem Bestreben, das „Wasser" als das einzige und alleinige Heiligungsmittel des Judenthums hinzustellen,, war dies nothwendig. Was die ersten beiden Punkte betrifft, so ist ihre zeitgeschichtliche Beziehung nach dem.