Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 46-47 (9.6.1902)
- Date
- 1902-06-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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i! ii!! u i ■'. i;! }; | jj ü j I ^»ZJahrgang. i I lvissenschast oder — Gelehrsamkeit. , v/v-m -;m y:- .• Do» . Rabbiner Dx. Daniel Fink—SSien. '- V. /' Wenn Herr Dr. Jakob meint, ein Satz wie der im Synhedrin n”nn px "mn: aTntfj pbn nni?. pü? Hm Btw .p nun l'rn mwn |ö a>sm müßte schon deßwegen aus dem Lehrinhalte des Judenthums ausgeschieden werden, weil er im Munde eines Propheten ganz unmöglich wäre, so kann ich das durchaus nicht finden. Im Uebrigen stellt doch dieser Satz nur eine Folgerung des ersten: «vn p^n an!? vr> bsnttn bs dar. Warum hat er denn seine Entrüstung nicht recht eigentlich gegen diesen gekehrt? Allem Anscheine nach scheint der seinen Beifall wohl zu finden. Nun, wem der eine recht ist, dem muß der andere billig sein. Thatsächlich sind beide Sätze in jenem Geiste gehalten, von welchem die Grundüberzeugungen unserer Propheten getragen sind.^ Es fei hier nur an jenen Auftritt erinnert, den nach Kön. 13, 2 der Prophet aus Juda mit Je^obeam hatte, als er eben im Begriffe war, den Götzen seine Opfer darzubringen. Er verkündete damals, daß dereinst aus.dem Hause Davids ein Mann hervorgehen werde, der auf diesem Altäre „Menschengebeine" verbrennen werde. Thatsächlich hat auch Josias nach2 Kön. 23, 16 mit den Gebeinen der Vaalspriester nach dieser Anordnung verfahren. Bedenkt man, daß das Judenthum selbst dem Verbrecher, der sein Leben verwirkt hat, nachdem er die Strafe über sich hat ergehen lassen, im Geiste der Versöhnung begegnet. Es wird daher 3. B. M. 21, 23 befohlen, seinem Leichnam jede Schändung zu ersparen und ihm die Fürsorgeeiner menschenwürdigen Bestattung durch besondere Vorschrift gesichert, — so erscheint jene Androhung um so unbegreiflicher.*) Verständlich wird die Sache nur, wenn erwogen wird, daß der Verbrecher« nachdem der irdischen Gerechtigkeit Genüge geschehen, wieder in seine Menschenwürde eingesetzt erschein! und der ewigen Seligkeit theilhaft wird. Diese Verr'äiher jedoch, welche die Heiligthümer Gottes um schnöden Soldes willen preisgegeben, das jüdische Volk in Folge dessen zerrüttet und der inneren Zersetzung wie nicht minder der äußeren Auflösung zugeführt, stehen moralisch viel tiefer, als jene und haben auf ein ewiges Leben keinerlei Berechtigung. Das sollte durch die rück- *) Ausführlich habe ich mich über diese Punkte geautzert. in meiner Abhandlung: «Die- Leichelwerbrennmia vomistaildvunke des Judenthums gewürdigt", welche im Jahre 1900 m diesen , Pmttern erschienen ist. sichtslose und gewaltsame Vernichtung ihrer letzten irdi-- . scheu Reste zum Ausdrucke kommen., ~; M In gleichem Sinne lehrt Jef.' 66, 24 von derartigen Auswürflingen seiner Zeit nwn x*> anjfon dv ien bah px*n rn man xd wm „daß ihr Gewürm nichts ersterben, ihr Feuer nicht erlöschen und daß sie einEnt-' setzen für alle Kreatur sein werden." In demselben' Geiste Daniel: 12, 2 "nd ndx ttp> uw, äraanau;. cbv pxind ndxi adv. „Viele von denen, die im staubigen Erdreiche schlummern, werden erweckt: . werden, — die einen zum ewigen Leben, die anderen: zur Schmach und zu ewigem Grauen." Wen er in.. dem einen und wen in dem anderen Falle im Auge : - hatte,-das läßt sich nur aus. der Gegenüberstellung im. vorangehenden Kapitel V. 32 erschließen, wo er eines-2 theils von rvpdpdpa nm ’y’eno „den Bundesvcrräthern, die durch gleißnerische .Rede zum Abfall verführen," spricht, andererseits von vrbx; w aj>; „dem Volke, das der Gotteserkenntniß zugethan ist." . Aus den hier geäußerten Gedanken ergab sich unseren ' Weisen die allgemeine Regel: nx üto «an» « te; 7QVN rmh m pp'DDo px nw „Wer sündigt und andere zum Bösen verleitet, dem wird der Weg zur: \ Buße abgeschnitten," oder lvas damit gleichbedeutend ist, „er wird des ewigen Lebens nickt theilhaftig." ' (Sotah, 47.) ' . ' ' Besagt nun der Satz 3*.*^ pbn and px» H'w; cwn p nun-pw rnrnn p a'nan nvm px *mn etwas anderes? Enthält er da nichts denn eine Anwendung dieses Grundsatzes auf diejenigen, welche ihre geistigen. und ewigen Grundlagen zerstörend, der jüdischen Reli- .. gion den Boden unter den Füßen abgraben und unser Volk in Folge dessen dem Abfall und dem Verderben in die Arme treiben. - - : ... Wenn Herr Dr. Jakob sich nun gar zu der Behauptung erkühnt, der gesammte Talmud stelle eine auf. den Einfluß des Christenthums zurückführende Geistes- .' . richtung dar. so waren es keineswegs Beweise irgend-. welcher Art, die ihn dazu befähigt halten. Eher durfte. . für ihn die Erwägung maßgebend gewesen sein, daß er ■ sich damit auf ein historisch sehr dunkles Gebiet begeben,, wo man sich vor Anfechtungen ziemlich gesichert glauben darf. Solche Ungeheuerlichkeiten jedoch soll, man sich auch hier nicht erlauben. Glücklicherweise besitzen wir > . in den lai n'' jma von welchen (Sabbat 13 k fß und }■■ im Jeruschalmi z. St.) ausführlich berichtet wird, eine. Handhabe zum Verständniß der damaligen Zeitbewe- V gungen. Diese Verordnungen bilden in der That nicht > nur was ihren Inhalt, sondern mehr noch, was die Art ' ihres Zustandekommens betrifft, eine der räthselhaf-7 testen Erscheinungen in der gesammten Geschichte unserer Religion. „ .