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Der Israelit · 1902-06-09 · Heft 46-47 (9.6.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 46-47 (9.6.1902)
Date
1902-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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am 4. Nov. 1901 zusammengetretenen Kongreffes, worüber s. Zt. eingehend berichtet worden ist. Einige interessante Zahlen, die ich der Statistik des Berichts entnehme, mögen ebenfalls dazu beitragen, dem Vereine neue Mitglieder zuzuführen, denen auf Wunsch der Bericht, der an und für sich eine wohlthuende Lektüre bietet, franco zugesandt werden wird. Der Verkehr jüdischer Personen in den Auswandererhallen beziffert sich 1901 auf 11,988; Portionen aus der rituellen Küche wurden 32.382 verabfolgt. In der Stadt erhielten freies Nachtquartier 8273, dto. Mittagessen 3292, Kaffee 7193; Reiseunterstützung erhielten 2603, Kranke wurden unterstützt im Krankenhause 736. — — Gestern wurde unter überaus zahlreicher Betheiligung der im hohen Alter verstorbene Herr A. M. David, der Nestor der hiesigen sog. Aushauer, ein echter Hamburger Biedermann, auf dem nichtumstrittenen Ottensener D«rn ri'2. woselbst er sich rechtzeitig noch zwei Grabstellen gekauft, zu Grabe getragen. Obgleich am Vorabend des «ri, wurde doch von der Regel eine Ausnahme gemacht und. dem verdienten Manne, der sich auch als jJTrt »iwa für öffentliche Angelegenheiten intereffirt hatte, vom Herrn Oberrabbiner eine Leichenrede gehalten, die mit Reflexionen auf den Wochenabschnitt so packende Wirkung hervorrief, daß man mit voller Bewunderung davon erzählt. Der Redner wählte zum Texte. wna» mb rm»2 ftn by v>'rr und brachte die Erzählung des emo, daß dir Stämme in derselben Rang- und Reihenfolge das pB© umlagerten, wie sie den fn» ihres Vaters apy zu Grabe getragen; wie der Verstorbene als Patriarch in seiner Familie und in seiner Verwandtschaft gewirkt und angesehen war, und daß er mit Sorgfalt und strengster Gewissenhaftigkeit sein verantwortliches Ritualgeschäft wohl an sechzig Jahre segensreich geführt. Im Sterbehause sprach noch Herr Louis David Namens der Familie, und im ein Enkel des Verstorbenen, stud. mcd., sowie Namens der p'n deren Magid, Herr Klausrabbiner Weiß. n*aun H. 58. Bad-Kissingen. Zu dem Berichte aus hiesiger Stadt in Nr. 45 Ihres gesch. Blattes erlaube ich mir folgende ergänzende und berichtigende Bemerkungen: Herr Rabb. Dr. Stein hat in seiner Ablehnung auf innere Gründe vollständig korrekt und richtig gehandelt, indem er aus inneren Gründen die Einweihung einer Synagoge nicht vornehmen wollte, deren Entstehung hauptsächlich der segensreichen und energischen Wirksamkeit unseres verstorbenen Rabbi JW. L. Vamberger s. A. zu verdanken ist. Wie ich höre, hat jedoch die Kgl. Regierung Herrn Dr. Stein ersucht, die Verwesung unseres Rabbinats bis zu der in nicht allzu ferner Zeit zu erfolgenden definitven Besetzung beizubehalten, welchem Wunsche Herr.Dr..Stein sicherlich Nachkommen wird. Herr Dr. Eckstein ckuS Bamberg dürfte sich daher aus gesetzlichen und kollegialen 'Gründen wohl schwerlich entschließen, die Einweihung unserer Synagoge vorzunehmen. -1 v-:- Aber auch die Rabbinerfrage ist bereits einen Schritt weiter, als Herr Dr. Münz annimmt. DaS Bezirksamt, als erste Instanz des Verwaltungsgerichtshofs, hat bereits die Beschwerdeführer mit ihrer Beschwerde im Verwaltungswege wegen Unzuständigkeit und Unzulässigkeit dieses Weges abgewiesem' > Zum Schluffe gebe auch ich der festen Zuversicht Ausdruck, daß mit dem Einzuge unseres gewählten Rabbiners, der auch in seiner bisherigen Gemeinde den Frieden in schönster Weise zu erhalten versteht, aller Parteihader schwinden und derselbe, vom Geiste unseres unvergeßlichen Rabbiner Bamberger f. A. durchdrungen, recht lange in segensreicher Weise seinem verantwortlichen Posten vorstehen möge. . . — k. — Gailingen, 2. Juni. Ein Ereigniß aus unserem Gemeindeleben verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden: w Seit dem Jahre 1892 existirt dahier eine iSrael. Nnterrichtsanstalt unter dem Namen „Handelsschule mit Pensionat, Gailingen a. Rh/ Die Schule steht unter staatlicher Aufsicht und ihre Leistungen sind, besonders seitdem sie unter Leitung des jetzigen Direktors, Herrn A. Roßmann, steht, anerkannt äußerst gute. In Anbetracht dessen, beschloß nun der Bürgerausschuß auf Antrag des Gemeinderaths mit großer-Majorität, auf Gemeindekosten eine Anzahl von Söhnen ärmerer Bürger in die Anstalt zu schicken, ein Beschluß, der ein ehrendes Zeugniß für die von keinerlei kleinlichen konfessionellen Bedenken eingeengte Loyalität der Gemeindevertretung, gleichzeitig aber auch ein Beweis für die tüchtige und gewissenhafte Leitung der Anstalt ist. Rußland. Warschau. (Ein jüdisches Gymnasium.) Der Wechsel im russischen Ministerium für Volksaufklärung, wobei der Erzantisemit General Wannowski bekanntlich durch den gewesenen Kurator des Warschauer Lehrbezirkes, G. E. Sänger, ersetzt worden ist, scheint unseren Glaubensgenossen in Rußland neue Hoffnungen auf bessere Zeiten eingefloßt zu haben. Wie der „Kurjer Polki" nämlich zu melde» weiß, haben sich mehrere reiche Juden der Stadt Warschau, deren Söhne während des für die Juden Rußlands so schweren Regierungsjahres des Generäl-Kultusministers Wannowski in keiner Schule Unterkunst finden konnten, an den neuen Minister für Volksaufklärung mit der Bitte um Erlaubniß gewendet, auf ihre eigene Kosten eine siebenklässige Realschule gründe» zu dürfen. Die neue Schule soll 75 pCt. jüdische Schüler aufnehmen dürfen. Weßhalb die Juden auf ihre Kosten 25 pCt. christliche Schüler, die doch in jeder

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