Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-06-09 · Heft 46-47 (9.6.1902) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 46-47 (9.6.1902)
Date
1902-06-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449837--56055-2518821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wokhthätigttit, war er ein zärtlich liebender Gatte, ein Sohn, der in beneidenswerther Weise am 2» nanj erfüllte. Und was war er doch ein wirklich stommer Jehudi! Als er während seiner Dienstzeit als Ernjährig-Freiwilliger im Manöver war, da lonnte ihn nicht die schwere Anstrengung und nicht die große Hitze deS Tages, die Alle zur Erschöpfung brachte, davon abhalten, am 2rr 'o zu fasten, und am Abend vor seinem Heimgange betete er zum zweiten Male Maariv, weil er beim ersten Male keine rechte rvv gehabt habe! Mit einer nbvn und einem m’Jtpe neben sich ist er hinübergeschlummert, ein unvergeßlicher Mensch für die Seinen und seine Mitbrüder. In seinem und seines Vaters sel. JV3i möge der Allmächtige seiner schmerzerfüllten Familie wahren Trost spenden und in unserem Volke Männer erhalten, die ihm gleichen, und sein Andenken wird immerdar zum Segen sein, rrsxffl .. b.. Schweiz. Bern, 4. Juni. Auch in diesem Semester hat sich hier eine Schaar Studenten zusammengethan, täglich Thora zu lernen. Zum großen. Theile sind es Schüler der Jeschibah zu Frankfurt a. M. Vereinigungspunkt für diese ni2n wie für alles, was sich echtjüdisch nennt, ist'die Pension Schneider, die ihre bisherigen bescheidenen Raume mit allem neuzeitlichen Comfort entsprechenden Lokalitäten, die nahe dem Bahnhofe gelegen sind, vertauschte. Am vergangenen Pesach wurde auch daselbst unter Leitung des Herrn cand. phil. S. Frankfurter ein Seder nach echt jüdischer Weile veranstaltet, an dem sich viele Akademiker jüdisch-nationaler Richtung betheiligten. Frankreich. Paris, im Juni. (Das Automobil rm Dien st der Wohlthätigkeit.) Dr. Baron Henri de Rothschild, der wegen seiner philantropischen Bestrebungen bekannte Kinderarzt, hat neben dem »von ihm begründeten und unterhaltenen Kinderkrankenhaus eine Fabrik von Automobilwagen eingerichtet, in der er die gewöhnlich für 26,000 Francs verkauften Automobile für 12,600 Francs Herstellen läßt. Diese Fahrzeuge verkauft Baron Henris Fabrik für 14,500 Frcs. Bei dem außerordentlich billigen Preis rechnet er auf einen jährlichen Absatz von hundert Wagen, und der daraus erwartete Gewinn von jährlich 200,000 Francs soll dem Kinderkrankenhaus zufließen. Im Vertrauen auf diesen Geldzufluß sind in diesem Krankenhaus bereits Vorkehrungen getroffen zur Einrichtung von 20 neuen Betten, einer Poliklinik, einer. Avotheke, die den poliklinischen Patienten die Medikamente kostenlos liefert, und kompleter Laboratorien. Die von Dr. Henri de Rothschild fabrizierten Automobile haben den \ Namen „Paskals" erhalten, nach dem Scherznamen V - „Dr. Paskal," den die Freunde des jungen Kinders arztes für ihn gewählt Haben, wegen.feiner an den Helden des Zola'schen gleichnamigen Romans erinnernden selbstlosen, menschenfreundlichen; ärztlichen Thätigkeit. . (Ist. Wochenschr.) Ä s r i 1 a. Algier. Da der antisemitische Stadtrath von Algier wegen Feststellung Von Wahlschwindeleien aufgelöst worden ivar, fanden nunmehr Neuwahlen für 36 Mitglieder der Gemeindevertretung statt. Drei Listen waren aufgestellt worden, zwei antisemitische, die eine unter den Auspizien Max Regis und des bisherigen Maires Antonini, die andere unter der Schutzmarke des früheren Maires Voinot und des rabiaten Ex-Stadtrothes Lionne, und eine republikanische. Diese letztere drang mit großer Mehrheit durch. . Der Antisemitismus dürfte danach in Algerien bald Nur noch zu den traurigen Erinnerungen gehören. Regis hat ihm ja bekanntlich bereits das Todtenglöcklein geläutet.' T ü r.k e i. Konstantinopel. Noch vor einigen Jahren war es unter den orthodoxen Christen in der Türkei Sitte, Freitag vor Ostern eine als Rabbi verkleidete Puppe öffentlich zu verbrennen. Diese gräßliche Sitte ist Dank der Anstrengungen der Patriarchen in Konstantinopel fast verschwunden, aber in den'Provinzen bleiben die unwissenden Christen den Rathschlägen ihrer Führer taub, und tragen kein Bedenken, ihren unversöhnlichen Haß unfern Glaubensgenossen gegenüber zu zeigen. Dieses Jahr ereigneten sich solche Zwischenfälle in den Provinzen, aber in Tschorlau bei Rodosto (Provinz Adrianopel) hätten die Vorfälle einen ernsten Charakter angenommen, wenn die Polizei nicht cingegriffen hätte. Freitag vor Ostern durchquerte eine- Menschenmenge das Judenviertel, und bedrohten die Einwohner — als die Polizei erschien, zogen sie sich zurück. Später trafen sie sich vor der Kirche, und verbrannten eine Puppe, die den Oberrabbiner der Stadt vorstellte. Noch nicht befriedigt, gingen sie zum jüdischen Friedhof (die Polizei war abwesend, denn es war Mitternacht) wo sie den Sohn eines Gemeindemitgliedes, der am' Vormittag beerdigt worden war, ausgruben, ihn kreuzigten, mit Petroleum begossen und unter Jubelrusen verbrannten. Zwei Gemeindemitglieder, die die schreckliche Scene beobachtet hatten, gingen zum Gouverneur, welcher den Juden sofort eine Abteilung Soldaten zu Hilfe schickte, aber in der Zwischenzeit waren die Miffethäter verschwunden. Das Verbrechen rief einen gräßlichen Eindruck unter den Mohammedanern und Juden der Stadt und der Nachbarschaft hervor. Der Oberrabbiner von Tschoxlau telegraphirte sofort an den General-Gouverneur nach Adrianopel, welcher eine strenge Untersuchung anordnete. Die Schuldigen haben sich geflüchtet, werden ober hoffentlich bald sepgenom-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.