Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 46-47 (9.6.1902)
- Date
- 1902-06-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fiellung ist es, wenn durch das Citat aus D. H. III f. m p. 151: Mer will Größen wie R. Scherira und N. Hai mit unseren Maßen messen" von Halevy behauptet wird, daß er „für die alten Autoritäten überhaupt keinen MaßstaL mehr findet." Elbogen hält dann zur Zurückweisung dieser Unfehlbarkeitserklärung eine erbauliche Rede über den Unterschied zwischen Engeln und Menschen. - Er könnte sich und uns eine ganze Seite ersparen, wenn er den Nachsatz seines Citats nicht unterdrücken wollte. Halevy nimmt an der betreffenden Stelle R. Scherira und R. Hai, die Autoren des Jggeret, R. Scherira Gaon, gegen die Verleumdung von Grätz in Schuh, als wenn sie in egoistischer Weise die Hochschule von Sura dem eigenen Amtssitze Pumpedita gegenüber hätten in Schatten gestellt. Die zitirte Stelle lautet im.Ganzen: w6 mrxb «vb, j'yH 'bzb nbxr dw .to vrv« stk rcxn cmatn »an«) ’xn an xi'iN 212 bniV' .bsrsnnzx byrrt inna naipa ikso ne>x nuuwiflnön ’ß by p-fa »Wie niedrig sind solche Worte, ganz gedankenlos, die Häupter Israels, wie R. Scherira und R. Hai (die Autoren Des Sendschreibens) nach dem Maße Eines von uns zu bemessen, und tadelnswerthe Eigenschaften, denen wir zu unserer Zeit begegnen, den Vätern Israels zuzuschreiben." Halevy sagt nach dem Zusammenhänge Folgendes: »Wenn sich in unserer Zeit Männer (vick. Grätz) finden, welche die geschichtlichen Thatsachen tendenziös entstellen, so darf man es doch nicht wagen, dieses von einem R. Scherira und R. Hai'zu behaupten." Herr Elbogen, man ist noch lange kein Engel, wenn man sich von Geschichtsverdrehung fernhält! Doch hören wir jetzt auf mit der Betrachtung der kleinen Giftpfeile, die Herrn Halevy gewidmet werden und wenden wir'uns zu der großen Wurfmaschine, mit welcher versucht wird, ein hochwichtiges Resultat des Dorot Harischonim und damit die Wissenschaftlichkeit seines Verfassers zu erschüttern. Fettgedruckt leuchten aus Herrn Elbogens Kritik die Worte: „Falscher Text des Scherirabriefes" hervor. Sein herrliches, gründlich bewiesenes Resultat, die Festsetzung desTodesjahres Nabina II., soll demnach Herr Halevy einem falschen Text verdanken. Ein Blick auf D. H. III, S. 8 unten, letzter Absatz f., beginnend mit »'"121 'tb. oj Diöxi zeigt, . daß Halevy gerade erst nach Richtigstellung des Textes sein Resultat entwickelt. S. G. w. im nächsten Artikel behandeln wir Dieses ausführlich. Dieser zum mindesten unerklärlich leichtsinnige Angriff Elbogens wird uns dann die Werthlosigkeit und, wir dürfen es wohl sagen, das Böswillige seiner Kritik klar erkennen lassen. _,. . ZeiLrm§§rrschrichLerr rmd Corrssporwezerm. Deutschland. Berlin, 5. Juni. »Sie haben ihn wieder — den Dreschgrafen." Triumphirend verkündet die »Staatsb.- Zeitung." daß ihr Pückler, Schloßherr vonKlein- Tschirne, aus der Schweiz zuruckgekehrt sei. Der edle. Dreschgraf soll demnächst in einer Versammlung die Belustigungen derjenigen Berliner, die an solchen' Spässen Vergnügen finden, von neuem betreiben. Der gegen ihn erlassene Steckbrief ist, nach dem antisemitischen Blatt, außer Wirkung gesetzt worden,, nachdem Graf Pückler Kaution an Gerichtsstätte in Glogau niedergelegt hat. Heil!-- : J- Berlin, 5. Juni. (Reichstag.) Der Toleranz- Antrag des Zentrums wurde in dritter Lesung mit 163 gegen 60 Stimmen angenommen. Abgeordneter Dr. Bachem (Zentrum) bemerkte unter Änderem: Die ruhige und würdige Behandlung des Gegenstandes hat unserem Anträge mehr und mehr Freunde gewonnen in der Kommission wie im Plenum. Der Ausgangspunkt unseres Antrages waren Beschwerden von Katholiken; aber die Diskussion hat gezeigt,, daß wir gesonnen sind, unseren Gegnern ehrlich dasselbe zuzugestehen, was wir für uns selbst in Anspruch nehmen, daß also der Toleranzgedanke nicht nur den Katholiken, sondern auch den Protestanten und anderen Religionsgemeinschaften in Deutschland zu Gute kommen soll.' Diese Entwickelung hat das Mißtrauen gegen unseren Antrag beseitigt. > > Bengel, 1. Juni. Am vorigen Mittwoch fand die Beerdigung des früheren Kaufmannes Herrn Mendel. S ch ö m a n n Hierselbst statt. Derselbe hatte das höchst seltene Alter von beinahe 101 Jahren erreicht. Auf seinem letzten Gang begleiteten ihn eine große Menge von Glaubensgenossen aus Nah und Fern, sowie auch Andersgläubige von hier. Herr Lehrer Mannheimer aus Cochem a. Mosel sprach mit hinreißenden Worten von der großen Frömmigkeit und Bescheidenheit des theuren Verblichenen. Bis vor drei Wochen versäumte er nie den Gottesdienst in der Synagoge, obwohl die Füße ihm fast den Dienst versagten. Da plötzlich stellte sich leichtes. Unwohlsein ein und mußte et von da an stets das Bett hüten. Das Schlimmste war. ihm,, nicht mehr das Gotteshaus besuchen zu können und selbst die letzten Tage verbrachte er mit Beten. Er verstarb sanft und ruhig, wie er auch im Leben war. Nie hat er eines der heil. Gebote unserer Religion mit Wissen unbeachtet gelassen u.' die Heiligung des Sabbats ging ihm über alles. Vor ca. vier Monaten war ihm noch das Glück zu Theil geworden, in verhältnißmäßig geistiger, wie körperlicher Frische, an der'»goldenen Hochzeitsfeier" seiner ältesten Tochter (Frau Löb in Trier), welche im 76. Lebensjahre steht, im Kreise seiner Enkel und Urenkel beiwohnen zu können. Es mag ein solcher Fall wohl fast noch nie vorgekommen sein. . . ' Eydtkuhnen, 4. Juni. Gestern Abend 7 Uhr ist der langjährige erste Kultusbeamte der hiesigen Shna< gogengemeinde, Rabbiner Kasriel G0tilieb,im Rothschild'schen Krankenhause zu Frankfurt a, M., wo. er Heilung seiner schweren Leiden, suchte, an Herzklappenfehler und Herzerweiterung gestorben: .. Der Verblichene hinterläßt noch fünf unerzogene Kinder.