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Der Israelit · 1902-06-05 · Heft 45 (5.6.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 45 (5.6.1902)
Date
1902-06-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Schatten, wo anders, so gehe Feuer vom Dornenstrauche aus und verzehre die Zedern des Libanons." Es ist doch sonderbar, daß all die hohen Bäume vor der Krone zurückschrecken, indeß der Dornenstrauch sofort danach griff! Wie mag das nur zugeganyen sein? Der Sachverhalt erklärt sich jedoch einfach aus folgender Erwägung: Der Oelbaum, der Feigenbaum und Weinstock — sie leisten selbst etwas. Sie wissen es aus Erfahrung, wie schwer es fällt, welch' schwere Mühe und sauren Schweiß es kostet, die eigene Frucht zur Reife zu bringen. Wie könnten sie sich jemals dazu verstehen, auch eine Verantwortung über fremde Leistungen zu übernehmen! Der.Dornenstrauch jedoch hat davon keine Ahnung. Nur das Werk des Zerstörens ist ihm bekannt. Er glaubt in seiner maßlosen Verblendung, Aufbauen wäre ebenso leicht. Er war daher sofort bereit. Wohl lehren unsere Weisen, daß Israel für sein Doppelgelöbniß: yctwi mit zwei Kronen geschmückt wurde. Diese Kronen werden ihm jedoch nur dann zur Zierde gereichen, wenn es nicht nach Weise des Dornenstrauches danach greift,, sondern darin die Verpflichtung erkennt, durch edle Thaten und erleuchtete Erlenntniß allen voranzuschreiten. Zeitungsnachrichten und Eorrespondezenn. Deutschland. Mainz. jP r'e i s - A u s s ch r e i b e n fü r die. Komposition von zwei Gedichte naus D r. I. G o l d s ch m i d t's neuem G e b e t b u ch e.) Ein Verehrer der religiösen Muse des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmid! schreibt uns: „Goldschmidt's poetische Bearbeitung des ganzen altehrwürdigen Gebetbuches der Synagoge ist eine so epochemachende litterarische Erscheinung, daß sie schon die Aufmerksamkeit oller gebildeten Kreise des Judenthums auf sich gelenkt hat? Dies ist um so erfreulicher, als es das unveränderte und unverkürzte traditionelle Gebetbuch des Judenthums ist, das hier poetisch verklärt erscheint. Auch der Geist, der diese Poesie durchweht, ist der des echten alten Judenthums; es ist der edle, alte. Wein in kunstvollem Kruge. Die Kunst des. Dichters hat hier um die altehrwürdige Andacht der Synagoge einen frischen, duftigen Ruhmeskranz ge-, schlungen, der der religiös schöpferischen Kraft unserer als materialistisch und indifferent verschrieenen Zeit., ein viel tröstlicheres Zeugnrß ausstellt, als dies gewöhnlich geschieht. Poesie und Musik sind aber zwei Schwestern, die Hand in Hand gehen müssen, und um die Schaffenslust der musikalischen Kreise nach dieser Seite hin anzuregenstelle ich Ihnen hiermit 100 Mk. zur Verfügung,^ um damit die zlvei besten Kompositionen! für zwei Ge- " dichte aus Goldschmidt's Gebetbuch zu prämiieren.". Die Wahl der Gedichte bleibt den Komponisten- ' Vorbehalten, ich weise nur ganz unverbindlich auf fol« ' gende zwei Stücke hin: „Die Engel des Friedens" 'mb» ' vv'bv S. 115 und „Der Tag und die Nacht" - - vnp s'2 S^ 257.- " ' w'‘lM•:« Als Preisrichter wollen Sie die entsprechenden - Herren aus dem Kreise der Kantoren, Lehrer und Rab- ' b.iner zu gewinnen suchen.? :• Termin der Einlieferung an die Redaktion deL „Israelit" Ist Rausch Chaudesch Marcheschwon, und erfolgt dieselbe wie gewöhnlich unter Beilegung eines - verschlossenen Couverts, das den Namen des Kompd- ' nisten und ein Motto enthält, mit welchem "auch die- ' Preis-Arbeit zu versehen ist. Das Urtheil der Preisrichter wird in der Chanukkah-Nummer des „Israelit" verkündet. Die preisgekrönten Kompositionen bleiben' - Eigenthum der Komponisten. Ich hoffe,-daß' auf diese - Weise ein musikalisches Werk-zu Stande kommt, das das religiöse Interesse ebenso zu heben geeignet ist,' wie '' die poetische Arbeit des Herrn Rabbiner Dr. Gold-' schmidt. Hochachtungsvoll + ■ . A ■ ' •*. .fr ©M . D ä n e m a r L -; Kopenhagen, 3. Juni. Keine freudige Nachricht ' ist's, die ich Ihnen heute bringe, und fast' sträubt sich - die Feder, und - dem Schreiber selbstwill es schier un- -- glaublich erscheinen, dke.Kunde .als wirkliche Thatfacke mitzutheilen, die uns Alle mit solch'lähmender Wucht getroffen, daß wir sie kaum zu fassen vermögen. Unser verehrter und geliebter Raw, Herr Oberrabbiner D. S i m o n s o n hat sein Entlassungs'gefuch'' aus' dem"- Amte, das er nunmehr 23 Jahre (13 Jahre als-' Hilfsprediqer des sel. Dr. A. A. Wolfs und 10 Jahre als sein Nachfolger) bekleidet hat, eingereicht'.' - Am Erew Schabbos durchlief diese Trauer-", künde unsere Gemeinde, bildet noch heute den Ge--r sprächsstoff nicht allein der ganzen hiesigen ' Ju- - denheit. sowie der nichtjüdischen Gelehrtenwelt,' die diesen ungemein .begabten, kenntnißreichen -und' hochangesehenen Mann schätzen und: lieben! - lernte, sondern .auch weit über, die Schichten des Landes hin-- aus, wo sein Name mit Bewunderung genannt wird,, und zu den Größten der Wissenschaft und/Forschung gezählt, erweckt dieser Vorfall Teilnahme und Ueber-: rasckung! In der That, . uns und.unsere Gemeinde hat dieser Schlag wie ein Blitz , aus klarem/ Himmel / getroffen, unter dessen betäubender. Last wir noch.rath-/ los und zweifelnd kaum die ganze Schwere.--dieses. Verlustes, emvfinden können,. während die.eine angstvolle und trübe Frage.. was?wohl./nun?'fommen^Mpd,^ unserer Aller Lippen schmerzlich bewegt! / ,Aennqanz, und gar im Dunkeln tastend über die künftigen Ver-

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