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Der Israelit · 1902-06-05 · Heft 45 (5.6.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 45 (5.6.1902)
Date
1902-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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t; Ir S4S ' Hofrath Dr. Arnim Neumann, seine sechzigste Generalversammlung. ab. - In seiner großangelegten. gedankenvollen Eröffnungsrede konstatirte der Präsident mit Befriedigung die. schönen Resultate, welche der Verein bei der Ausbildung von Handwerkern erzielte, wies jedoch daraus hin, daß dem Verein, welcher nunmehr seinen sechzigjährigen Bestand erreichte, auf dem Gebiete des Ackerbaues noch unerfüllte Aufgaben harren, und indem er betonte, daß der Verein durch sein Wirken nicht nur konfessionelle, sondern auch nationale Interessen fördere, wandte er sich an die vermögenden Kreise des Judenthums mit der Aufforderung, die Errichtung einer zur Ausbildung von Ackerbauzöglingen notwendigen Oekonomieanlage durch Stiftungen und Beiträge ermöglichen zu wollen. Dem vom Sekretär David Kemeny verfaßten und beifällig aufgenommenen Jahresbericht entnehmen wir. daß der Verein, welcher 1699 Mitglieder und ein Gesammtvermögen von 447.769 Kr. besitzt, im abgelaufenen Jahre für seine philantropischen und kulturellen Zwecke 52.731 Kr. verausgabt hat. Die Gesammtzahl der Vereinszöglinge betrug 536. und zwar 4?3 Handwerkszöglinge, 29 Gewerbeschüler und 24 Ackerbauzöglinge. Von diesen haben im Vorjahre 86 ihre Lehrzeit beendet und als erwerbsfähige Jünglinge die Obhut des Vereins verlassen. Mit besonderer Anerkennung gedenkt der Jahresbericht der Thätigkeit des Damenkomitees, das sich insbesondere im Interesse der Propaganda erfolgreich erwies. Mit Bedauern wird jedoch daselbst konstatirt, daß der Niedergang des Kleingewerbes und der zwischen Meistern und Lehrlingen an Stelle des einstigen patriarchalischen Verhältnisses platzgreifende Interessengegensatz die Ausbildung von Handwerkern sehr erschwere. Demgegenüber urgirt der Bericht die Gründung von Lehrlingsasylen. Auf dem Gebiete des Ackerbaues bemüht sich der Verein, eine erhöhte Thätigkeit zu entfalten. Zum Zwecke der Ausbildung von Aüerbauzöglingen wird die Errichtung einer Oekonomie-Anlage angestrebt. Einstweilen . werden die Ackerbauzöglinge in Oekonomien untcrgebracht und falls sie physisch und moralisch geeignet befunden werden, zur Ausbildung in staatliche Ackerbauschulen gegeben. Im Vorjahre sind vier absolvierte Zöglinge aus den Ackerbauschulen hervorgegangen,, die in Oekonomien Verwendung fanden und sich vollkommen bewährten. -u R u ß l and.: ' •”•••••? [: Petersburg. Der von der russischen Regierung . vor einigen Jahren zum Direktor der jüdischen Koltonieen des Gouvernements Jekaterinoslaw ernannte Agronom Kowalski schreibt in seinem Berichte wörtlich Folgendes:- rr- : i. „Man muß in der That längere Zeit in diesen jüdischen Dörfern gelebt haben, um sich von. dem Verdienste, dem Eifer und der Wirtschaft der 10,000 jü- | f *. ü 3 O dischen Bauern dieses Bezirkes zu überzeugen. Jedes -- einzelne jüdische Dorf macht den Eindruck einer Musterwirthschaft. Kein einziges Dorf besitzt auch^Schnaps- - ' , Verkäufer. Alle Leute, sind.pon blühende^rGesundheit . und die jüdischen Rekrüttin dieser Dörfer ^werden im - - Allgemeinen zur Artillerie genommen... Die verbreitete Meinung, daß die Juden unfähig zum Ackerbau seien. , erfährt dadurch eine glänzende Widerlegung, und ich " selbst, der früher diese irrige Meinung hatte, bin nun vollständig davon zurückgekommen, da ich die Ueberzeugung gewonnen habe, daß aus jedem Juden ein vortrefflicher Landbauer gemacht werden kann. Ebenso ist es mit den in Südrußland ansässigen Juden, welche sich mit dem Tabakbau beschäftigen.- . Charkoiv. Großes Aufsehen erregt in Charkow , ein Prozeß, den ein alter jüdischer Veteran, Namens . Jüdel F., gegen die dortige Polizei heim Senat, angestrengt hat. Der jetzt in. seinem 62. Lebensjahre stehende Soldat wurde als 6jähriges Kind seinen Eltern entrissen und in eine militärische Erziehungsanstalt im Innern Rußlands untergebracht. Hier wurde das Kind ohne Umschweife getauft und zehn Jahre darauf unter die Soldaten gesteckt. Nach Absolvirung seiner Dienstzeit, die in den Sechziger-Jahren ' nicht mehr,' wie unter dem, Czaren Nikolaus I., 25 sondern nur noch sechs Jahre währte, ließ sich F. in ' einer Stadt Centralrußlands. nieder und fing da an. ganz öffentlich die jüdischen Gesetze zu beachten. Einer Klage, welche die Polizeibehörde gegen ihn erhoben hatte, konnte keine Folge gegeben werden, dasolche Klagen nicht von den weltlichen Behörden, sondern von der Synode erhoben werden müssen.. Es währte aber nicht lange und die Synode nahm die Anklage auf und stellte ihn. vor das Kreisgericht. Allein dieses sprach den Angeklagten frei, da die an einem sechsjährigen Kinde vorgenommene Taufe ohne Zustimmung, der Eltern ungiltig ist. Inzwischen hat sich F. eine jüdische . 'Frau genommen, mit der er vier Söhne erzeugte. Nun such: ihn jetzt die Polizei der Stadt Charkow, wo er sich 1897 niedergelassen hat. dadurch zu chikaniren,. daß sie . die von ihm geschlossene Ehe als nach dem jüdischen Gesetze ungiltig erklärte und seine Familie infolgedessen von Charkow auswies. F. hat dagegen protestirt und in einer Eingabe beim Senat diesen gebeten, feine Ehe für gesetzlich zu erklären.: •- ui; , :; r -. : •: - - - Budapest. Herr Moriz Leopold Herzog, de Csete hat. auf den Namen seiner verewigten Mutter Frau Peter Herzog de Csete geborene Julie ff chweiger zu Gunsten deS Knaben» Waisenhauses dcr Pester israelitischen Neligionsgemeinde eine Schulsoal Stiftung von 2V.YVÜ Kronen errichtet.

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