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Der Israelit · 1902-06-05 · Heft 45 (5.6.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 45 (5.6.1902)
Date
1902-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Quellen des Bades Kiffingen Heilung ihrer Leiden zu finden. Wie ist doch von Gott so reich gesegnet dieser Flecken Erde, der, umgeben von einem Kranze anmuthiger, belaubter Bergzuge des Rhön, das Bad Kiffingen umfaßt. Aus dem Erdinnern strömen heilkräftige, wunderthätige Quellen, die in ihrer Wirkung unerreicht dastehen. Vor allem erweisen sich die Heilquellen Kissingens bei Magen- und Darmkrankheiten, bei Stoffwechsel- und Lebererkrankungen, bei Affektionen des Herzens und der Lunge, bei Nervenleiden überaus segensreich und wunderthätig. Das Hauptkontingent aller nach Kiffingen kommenden Kranken — fast die Hälfte — leidet aber an Störungen des Verdauungskanals. Wie hat doch der Schöpfer alles in der Natur so weise und so gütig eingerichtet! Auf der einen Seite sendet er den Erdenkindern Leiden und Krankheiten, auf der anderen Seite gibt er ihnen kostbare Heilmittel; auf den Feldern läßt er heilkräftige Pflanzen sprossen, aus dem Schoße der Mutter Erde läßt er wunderthättge Quellen emporsprudeln! Wie Wenige freilich gibt es, welche auf diese Wunder Gottes, die sich täglich vor unseren Augen abspielen, achten und sie in ihrer ganzen Größe und Erhabenheit faffen. Wie Wenige wissen gar diese Wohlthaten, die in der Natur in so überströmendem Maße ihnen geboten werden» dem Allspender zu danken! Freilich mischt sich auch ein Gefühl der Unzufriedenheit und Wehmuth in diese Betrachtungen, welche den denkenden Geist beschäftigen. Wenn man sieht, daß hier an den Quellen nur die mit irdischen Glucksgütern gesegneten Menschenkinder den erquickenden Labetrunk schöpfen, daß nur sie es sich gestatten können, „den Becher des Heils" in Kiffingen zu schlürfen, so muß man sich doch fragen: Ließ Gott die Quellen für die Reichen allein sprudeln? Gerade jene doppelt Unglücklichen, die krank und arm sind, müssen es sich versagen, an den sprudelnden Quellen, diesem köstlichen Geschenke der Natur, ihren siechen, wunden Leib zu heilen; und doch wie sehnen sie sich zur Sommerszeit nach Erholung und Erquickung! In dieser Beziehung ist die neue israelitische Kinderheilstätte berufen, einem tiefempfundenen Bedürfnisse abzuhelfen; sie soll armen und kranken Kindern, die einer Kur in Kissignen benöthigen, ihre gastl. Pforten öffnen. Die Schmerzen dieser armen Menschen soll sie lindern, die Thronen der bekümmerten Eltern trocknen und so eine Quelle des Heils und Segens für die weitesten Kreise aus allen Landestheilen werden. Ist es nicht da die erste Menschenpflicht,- dieses hervorragende, ansgezeicb nete Liebeswerk zu fördern und zu unterstützen? Daß die Anstalt, um eben auch den strenggläubigen Juden den Besuch zu ermöglichen, den Pfleglingen eine ^strengrituelle Verpflegung bieten wird, ist selbstverständlich. Möge das edle, gemeinnützige Werk in kurzer Zeit seiner Vollendung entgegengehen. Schon jetzt hat die Anstalt viele edle Freunde und Gönner gefunden; möge die Zah derselben sich mehren. Auch die jüdischen Kurgäste in Kiffingen werden es sicherlich nicht fehlen lassen, dem Werke ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. ' ' ° ' Kiffingen wird, wie es die Statistik, lehrt, : im Laufe der Saison mit Vorliebe von jüdischen Kurgästen/ ausgesucht; freilich ist jetzt das Kontingent derselben noch ziemlich spärlich vertreten, und selbst von diesem - ist vorläufig nur ein verschwindend kleiner Theil in den beiden jüdischen streng-rituell geleiteten Hotels von Ehrenreich und Herzfeld zu finden, trotzdem sie neben vorzüglicher, kurgemäßer. Küche, . einen, angenehmen Aufenthalt dem Besucher bieten. r' : Der bei weitem größte Theil der jüdischen Kur-. gäste bevölkert eben die nichtjüdischen Speisehäuser, weil nicht rituell. Die Meisten thun es aus Bequemlichkeit; und Gleichgiltigkeit oder in der irrigen Ansicht, daß das rituell zubereitete Essen ihnen nicht,so bekömmlich sei,, daß dies „ihr schwacherMagen nicht vertrage."*) Andere setzen sich über das religiöse Speisegesetz aus „religiöser- Ueberzeugung" hinweg, weil sie glauben, daß es nicht zu / dem Inbegriff des Judenthums gehört; wieder Ändere , wollen ihren Drang einer mißverstandenen Assimilation dadurch bekunden, daß sie sich in Speise und Trank mit den Christen assimiliren. Freilich gibt es auch, zumal unter der jüngeren Generation, solche, die da meinen,. es verrathe moderne Bildung, es gehöre zum guten Tone, nicht rituell zu leben. Die so denken, die, so .die moderne Bildung auffassen, verdienen wahrhaftig unser Mitleid. Daß. augenblicklich die Zahl der jüdischen Kurgäste in Kiffingen noch so gering ist, liegt daran, daß Schowuoth vor der Thüre ist und man doch so gern dieses liebliche Fest im Kreise der Seinen feiert. Ist dieses Fest vorbei, dann werden unsere liebwerthen Glaubensgenossen in Schaaren nach Kiffingen strömen? und auch die Tische und Taschen der jüdischen Restaurants und Restaurateurs füllen.; .? In den Badeanlagen selbst wird den nenankom-. wenden Gästen eine Reihe von Aenderungen und Verbesserungen angenehm auffallen, die durch die opferwillige und rührige Hand und Fürsorge>.des rühmlichst bekannten Herrn Hessing, des Kurpächters von Kiffingen, geschaffen sind. Auch die jüdische Gemeinde hat. manche neue Institution getroffen; vor allem wird denjenigen, die es sich an einem Badeplatze nicht versagen wollen, das Gotteshaus aufzusuchen, eine neue Synagoge ihre Pforten öffnen. Mit der Errichtung dieses neuem Gotteshauses ist in der That einem längst gefühlten Bedürfnisse entsprochen worden. .. Seif vielen Jahren bereits ist der Fonds für einen Synagogenneubau gesam- *) Dergl. dagegen mein Werk, in allen BuLhandlünaen', auch bei Herrn Weinberg er—Siiffmgen erhältlich: »Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke".- Mit' besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze. Bon De. P. Münz— Nürnberg. Badearzt in'Bad Kissingen. Joh. Wipth'sche Hofbuchdruckerei 8U-G. Berlag. 1902,v *

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