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Der Israelit · 1902-06-05 · Heft 45 (5.6.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 45 (5.6.1902)
Date
1902-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gegen das Gebetbuch der Synagoge gerichtet waren, doch .eine Art — wir möchten das harte Wort nicht aussprechen, aber wir haben kein anderes — eine Art D e nunziation gegen unsere ganze Vergangenheit und gegen die treuen Anhänger der traditionellen Liturgie bedeutete, wir wollen von allem absehen, und nur den Schaden hervorheben, den die Reform dem hohen Gute der Einheit des Gebetbuches zugesügt hat. Die Reform hat aber die altehrwürdige Einheit nicht bloß in zwei T heile getheilt, sondern in eine unübersehbare Anzahl. Denn während alle orthodoxen Synagogen ein Gebetbuch haben, haben fast alle großen R e f o r m g e m e i n d e n ihr eigenes Gebetbuch! Das ist ja ganz natürlich. Wo ' das Belieben, die individuelle Schöpfer-Laune herrscht, da ist der Boden für die Vielheit; der individuellen Laune des Einen steht die individuelle Laune des Andern gegenüber. .. Das ist der unschätzbare Schaden, den die Reform ganz sicher und zweifellos angerichtet hat: die Zersplitterung der altehrwürdigen Einheit des Gebetbuches! Das ist ein Schaden, den nicht bloß die Orthodoxie beklagt, diesen Schaden beklagen sicherlich auch alle von der Solidarität des Judenthums durchdrungenen und für dieselbe begeisterten Männer der Reformkreise, deren es sicherlich nicht wenige gibt. Was ist denn die Ausbreitung der B. B.-Logen etwas anderes, als das siegreiche Vordringen dieses Solidaritäts- Gefühls? Man hat es satt, hervorzuheben, was uns . trennt; man bemüht sich, die ehrwürdigen Trümmer dessen zu sammeln, was uns einigt. Man mag über das Logenleben denken, wie man will, aber diese Tendenz zur Sammlung und Einigung wird Jeder gewiß mit Freude anerkennen. Wo aber diese Tendenz zur Einheit in so imposanter Weise sich Bahn bricht, sollte das nicht ein Zeichen der Zeit sein dafür, daß diese alle Zersplitterung der Einheit beklagt und verdammt? Zurück zur Einheit und vor allem: zurück zur — Einheit des Gebetbuches! . (Fortsetzung folgt.) Zsttue-gSnschrrchie« u«d Eorr«sporrde«zm. X' ' v Deutsch l a n d. J . Berlin. .Dem Bericht über die Thätigkeit des Kuratoriums der „Pensions-, .Wittwen- und Waisenasse, des,Verbandes .der jüdischen Lehrervereine im «»ts^en'Äeiche^.-vom 1. Oktober 1900.bisEndeDeember^ 1901^ entnehmen wir: . - . 'Das Küraiprium hatte in seiner. Sitzung, vom 30, Mtemher 'isEMf/Grund'., der Ausführungen., hes rllen Schriftführers über die Stellungnahme der Berine zur Eröffnung der Kaffe folgenden Beschluß gefaßt: „In Anbetracht, daß der Verbandsvorstand sowohl als auch die Mehrheit der Einzelvereine für die sofortige Eröffnung der Kaffe eintreten, beschließt das Kuratorium, die Kaffe nunmehr am 1. Oktober 1900 zu eröffnen und die weitere Behandlung der Anträge des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens dem Delegiertentage des. Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche anheimzugeben." Gemäß diesem Beschluß wurde die Kaffe am 1. Oktober 1900 eröffnet. Rach gewissenhafter Prüfung der jeweiligen Verhältniffe sind bisher drei Mitglieder in die Hilfskaffe aufgenommen worden (aus Posen, Anhalt und Prov. Sachsen). In die Pensionskaffe wurden in der abgelaufenen Berichtszeit sechs Herren ausgenommen (aus Berlin, Brandenburg, Prov. Sachsen, Hannover. Rheinprovinz, Sachsen-Meiningen). Sechs Anträge konnten noch nicht erledigt werden; zwei Anträge wurden abgelehnt. Für die Mitglieder der Rechtskaffe betrugen die zu zahlenden Prämien 1702.45 Mk., davon hatten nack, den Satzungen die Mitglieder einen Beitrag von 266.55 Mark zu zahlen, so daß die Kaffe einen Zuschuß von 1435.90 Mk., d. h. ca. 84,3% der Prämien leistete. Der Kaffe sind in der Berichtszeit folgende Legate zugefallen: ein Legat des Herrn Rentner Heim-Frankfurt a. M., in Höhe von 1000 Mk., ein Legat aus der Plaut'schen Nachlaßmasse in Höhe von 10,000 Mk. und eine Spende der Erben des Rentners Heim-Frankfurt a. M. von 150 Mk. Bei den Vorgesetzten hohen Behörden, mit denen wir in Kassenangelegenheiten zu korrespondiren hatten, haben wir stets freundliches Entgegenkommen gefunden; nur war es uns leider nicht möglich, seitens der hohen Steuerbehörde die Anerkennung unserer Kaffe als ein Wohlihätigkeitsinstitut durchzusetzen, weil die Kassenmitglieder beitragspflichtig sind. BadKissingen, 30.Mai. (Eine ernstePlaud e r e i.) Gebrochen ist des Winters Macht, niedergerungen sein Trotz. Fast schien es, als wollte er die Herrschaft an des Frühlings fröhlichen Boten, den lieblichen Monat Mai, nicht abtreten. Und doch mußte er dem höheren Willen, dem Naturgesetze, weichen. Jetzt scheinen die letzten Tage des Mai wieder gut zu machen, was er am Anfänge verabsäumt. Warme Strahlen fluthet die Sonne in die Herzen der Menschen und erweckt die ganze Natur zu neuem Leben, schmückt Bäume und Flur mit neuer Blüthenpracht. Froh eilet Jung und Alt hinaus in's Freie, um sich an dem belebenden Hauche des erwacbten Frühlings, dem sprossenden Grün, den duftenden Blumen zu erfrischen und zu erfreuen. Doppelt und dreifach empfinden diese wohlthätige Wirkung des keimenden Naturlebens die vielen Kurgäste, die aus der Ferne herbeige- ' eilt sind, um an dm frisch sprudelnden, kräftigen

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