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Der Israelit · 1902-06-05 · Heft 45 (5.6.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 45 (5.6.1902)
Date
1902-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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:i l{;!<! fl 49. Jahrgang. Zentral für das orthodore IudeWum. M 45 ü | [f '! J Begründet von * Dr. Dehrnsnrr in Mtsirrz. Donnerstag, den 5. Juni 5662 (1902). Die Einheit öes Gebetbuches II. - Die Einheit des Gebetbuches ist bei der Zerrissenheit und Zerstreutheit Israels in allen Theilen der Welt ein so hohes Gut, daß es um keinen Preis und keinen noch so berechtigt erscheinenden Grund hätte preisgegeben werden dürfen. Unsere alten Weisen hatten für den unschätzbaren Werth derEinheit das rechte Verständniß: schclau jeosse hattauro kischte tauraus, das.Loar für sse die höchste Vefürchtunb, „bic Thora soll nicht tvie'zwei Lehren erscheinen!" Und in der That, wie kann man eine tiefe Ehrfurcht und eine absolute Hochschätzung für etwas erwarten, was nur für einen Theil des zugehörigen Kreises als gültig erscheint? Ja noch mehr! Jede Verschiedenheit innerhalb eines zusammengehörige-.--Kreises muß in jedem Falle zu Kämpfen führen, selbst wenn die Mitglieder des Kreises noch so friedfertig gestimmt sind. Wo zwei Formen mit dem Anspruch auf Gleichwerthigkeit nebeneinander bestehen, da kann es nicht ausbleiben, daß man sie miteinander in Parallele stellt, dann gegen einander abschätzt, -und es ist naturgemäß, daß jeder Kreis die ibm zugehörige Form für besser und alleingültig und die rivalisirende Form für minderwerthig hält und erklärt. Der Wille zum Frieden, er mag noch so kräftig vorhanden sein, er wird dem Willen zur Macht und zur Selbstvcrherrlichung nicht standhalten, und aus dem Nebeneinander wird mit der Zeit unvermeidlich ein Gegeneinander, ein gegenseitiges Befehden und Herabsetzen. Das wäre schon der Fall, wenn zwei Formen gleichzeitig nebeneinander entstehen, das wird immer zur Einheit hindrängen, d. h. es wird eines das andere zu verdrängen bestrebt sein. Das liegt! in der menschlichen Natur. Bei dieser Tendenz zur ■ gegenseitigen Herabsetzung muß aber die Pietät vor dem Religiösen ungeheuren Schaden leiden. Die Pietät setzt immer Un v e rletzlichkeit des 'verehrten Objekts voraus, und wo diese Unverletzlichkeit mit Füßen getreten wird, da ist kein Boden für Pietät. . Können Kinder vor ihren Eltern Ehrfurcht haben. .: wenn Mann und Frau ihre Fehden vor den Augen der Kinder ausfechten? Unmöglich! -; k . Darum ist die Einheit im religiösen Lehen überall von größter Bedeutung, und in einer Zeit, wie die unfrige, wo das Unzulängliche-in der Religion weit und breit zum Ereigniß geworden, daß die Andacht im Gotteshause als der Haüpttheil der Religion figurirt, da sollte man es um keinen Preis wagen, die E i nheit.des.Ge b e t.b u.ch e s . anzutasten. Wenn, auch der Gewinn, den die Abänderung des altehrwürdigen Gebetbuches nach der Absicht und Ansicht der Reformer nicht so ungeheuer problematisch, sondern. zweifellos und sicher wäre, dieser Gewinn könnte sich. in keinem Falle messen mit dem, der aus der Einheit des Gebetbuches sich ergäbe. -h : Nun ist aber die Reform von vornherein nicht friedlich aufgetreten, sondern aggressiv; sie hat das altehrwürdige Gebetbuch der Synagoge für unzuläng- - . lich erklärt und der Veränderung unterworfen. - Sie hat damit eine Jahrtausende alte Pietät zerstört und verletzt .... ganz abgesehen von der -Qualität dessen, was sie an dessen Stelle gesetzt hat. Der Kampf, den die Orthodoxie gegen diese Verletzung eines ehrwürdigen Heiligthums führte, war ganz natürlich, es konnte den Reformern gar nicht zweifelhaft sein, daß dieser Kampf erfolgen und uner- - bittlich geführt werden würde. Auch dieser Kampf kommt auf Rechnung der Reform, die ihn mit vollem. Bewußtsein heraufbeschworen hat. Diese intensive Zer- \ störung der Einheit hätte von der sog. Reform in Rechnung gezogen werden müssen. Sie hätte sich fragen müssen: Ist hazar schowe benesek? Ist das, was wir geben wollen, den Schaden Werth, den wir an der Ei n« heit anrichten?? '. Abgesehen, wie gesagt, von allem andern, namentlich auch davon, daß alle Anklagen der Reform,. die

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