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Der Israelit · 1902-06-02 · Heft 44 (2.6.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 44 (2.6.1902)
Date
1902-06-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzerr. Deutschland. Hamburg, im Mai. Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerikanischen Packet-Gesellschaft hat nicht nur das ihm von Herrn Morgan für seinen Uebertritt in die geschäftliche Leitung des amerikanischenglischen Trusts angebotene Gehalt von einer Million Dollars ausgeschlagen, er hat es auch rundweg abgelehnt, überhaupt für irgend eine Summe diesen Schritt zu thun. Hierzu bemerkt die „Germania", ein Hauptorgan der Centrumspartei: „Diese Mittheilungen stammen offensichtlich von einer unterrichteten, vielleicht auch interessirten Seite. Aber wenn sie gewissermaßen in einem Lobe für den Generaldirektor Ballin gipfeln, so haben wir deßhalb doch keinen Anlaß, dieses Lob durch einen Tadel abzuschwächen. Herr Ballin ist in den letzten Jahren in einem gewissen Theil der deutschen Presse so oft und schwer angegriffen worden, weil man ihm einen großen Einfluß auf den Kaiser zuschreibt und weil er jüdischer Herkunft sein soll. Wenn das Letztere richtig sein füllte, so hat — das muß Jedermann, wenn er ehrlich sein will, anerkennen — Herr Ballin in dieser großen wirthschastlichen und politischen Frage des Schiffahrtstrustes einen selbstlosen deutsch-nationalen Standpunkt eingenommen, dem man die Anerkennung nicht verweigern kann. Wie viele seiner Gegner würden sich mit einer Million Dollars Jahresgehalt, und sogar sehr viel darunter, für den Morgantrust haben „kaufen" lassen!" Kuttenberg, 28. Mai. Am 15. Mai trat ein Dienstmädchen, Anna Nespor, in den Dienst der hiesigen Geschäftsfrau Elise Beck. Am folgenden Morgen theilte Anna Nespor ihrer Dienstgeberin mit, daß sie auf dem Posten nicht bleiben werde. Trotz dringender Fragen war das Mädchen nicht zu bewegen, den Grund ihres Entschlusses anzugeben. Ein zweites Dienstmädchen erzählte der Frau Beck, daß sich Anna Nespor geäußert, man hätte ihr Nachts Blut abzapsen wollen. Diese Beschuldigung verbreitete sich sehr rasch in der Stadt und versetzte die seit der Polnaer Affaire für derartige Gerüchte sehr empfängliche Bevölkerung Kuttenbergs in Aufregung, weßhalb die Polizei das Mädchen vom städtischen Arzte untersuchen ließ. Dieser konstatirte, daß das angebliche Opfer einer Ritualabzapfung am Arm Spuren — von Wanzenbissen aufwies. < . Fran k reich. Paris, 28. Mai. Bernhard Lazare richtete ein längeres Schreiben an Delcasse, worin er seine Erlebnisse in Rumänien schildert, und mit der Bemerkung schließt, daß die französischen Staatsbürger in Runiänien offenbar nicht in Sicherheit leben könnten, während die Rumänen in Frankreich jede Freiheit genießen. ' E n..g l a n d. London, im Mai. Der neubegründete Bund der jüdischen Gemeinden wird in weilen Kreisen mit großer Genugthuung begrüßt. Namentlich wird die ihm zu Grunde liegende soziale Idee der Sprengung des Londoner Ghettos sehr sympathisch ausgenommen. Aus zahlreichen jüdischen Kreisen laufen beim Präsidenten des Bundes nicht unbedeutende Beiträge ein und aus einigen Städten wurden an ihn Schreiben gerichtet, in denen er von Christen aufgefordert wird, Werkstätten für jüdische Schuhmacher und Schneider bei ihnen zu errichten. Daß der Gedanke vortrefflich sein muß, dafür spricht schon die Thatsache, daß Sir Samuel feinet- ' wegen von der judenfeindlichen Presse und den Antise-. miten Englands heftig angegriffen wird. Wie zeitgemaß der vom Bunde gefaßte Beschluß ist, beweist die Mittheilung, welche M. C. G. Troup vor wenigen Wochen dem von beiden Häusern des englischen Parlaments eingesetzten Wohnungsausschuffe gemacht hat.. Danach hat die Riesenstadt Londons bereits ihren Culminationspunkt überschritten und bewegt sich seit einiger Zeit auf einer abschüssigen Bahn. Die Arbeitslöhne und die Miethspreise haben eine solche Höhe erreicht, daß zahlreiche Gewerbe sich in London nicht mehr behaupten können und genöthigt sind, nach der Provinz auszuwandern. Zu diesen Gewerben gehören das Bäckergewerbe, die Möbelfabrikation, die Conservenfabriken, die Buchbinderei und die Buchdruckerei. In allen den erwähnten Gewerben sind gerade die fremden Juden in hohem Grade betheiligt und es entspricht nur einer klugen Voraussicht, wenn man bei Zeiten daran denkt, die Arbeiter dahin zu senden, wohin die Arbeit sich allmählich zurückzuziehen beginnt. - Amerik a. New-Vork, im Mai. Die Verwaltung des jüdischen Waisen- und Wohlthätigkeits-Asyls an der 188. Straße und Amsterdam Avenue, konnte in der kürzlich stattgefundenen Jahressitzung der Vereinigung erfreuliche Berichte vorlegen. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 4000 und die Beiträge flössen im porigen Jahre so reichlich, daß noch ein Ueberschuß erzielt worden ist. In feinem Bericht erwähnt Louis Stern, der Präsident der Vereinigung, daß die Voranschläge für das nächste Fiskaljahr ein Defizit von Doll. 58,000 ergeben würden, wenn nicht Freunde der Anstalt Schenkungen machen. Durch den Neubau des Hospitals seien die Mehrkosten entstanden. „Außer der Einrichtung des Hospitals," sagte Herr Stern, „entstanden auch Unkosten durch die Verschönerung der Anlagen. Wir haben Gärten anpflanzen lassen, um modernen Ansprüchen zu genügen. Diese Verbesserungen, zusammen mit der

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