Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 44 (2.6.1902)
- Date
- 1902-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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einem Deutschen christlicher Konfession, der kürzlich aus Rumänien zurückgekehrt ist, folgende Zuschrift: „Es ist durchaus unrichtig, daß sich die fremdenfeindliche Bewegung in Rumänien nur gegen die Juden richte. Sie richtet sich ebenso sehr gegen alle Ausländer, auch diejenigen, die der christlichen Konfession angehören. Mein Sohn, der Bauunternehmer und Zimmermeister ist, hatte beim Bau der Zentralwerkstätten der Eisenbahn in Bukarest die Zimmerarbeiten übernommen. An demselben Vau war auch ein rumänischer Jude beschäftigt, der den Anstrich der Eisenkonstruktion übernommen hatte. Seine Arbeiter, unter denen sich ebenfalls Juden befanden, wurden von der rumänischen Bevölkerung bei der Rückkehr von der Arbeit überfallen und schwer-mißhandelt. Als mein Sohn einige Tage später seine Arbeiten begann, kam ebenfalls ein Volkshaufe und bedrohte ihn und seine Leute mit Tbäilichkeilen, obwohl sie wußten, daß mein Sohn Deutscher und Christ war. Dasselbe Schauspiel wiederbolte sich im vorigen Jahre, als mein Sohn die Zimmerarbeiten für die italienische Schule in Bukarest übernehmen wollte. Auch hier bedrohte die rumänische Bevöllerung meinen Sohn mit Todtschlag, falls er die Arbeit übernähme, so daß derselbe von der Uebernahme Absiand nahm. Wir haben schließlich Rumänien verlassen müssen, weil wir angesichts der fortdauernden Feindseligkeit der rumänischen Bevölkerung gegen alle Fremden, besonders gegen Deutsche, auch christlicher Konsession, in Rumänien kein Fortkommen mehr sahen. Die Rumänen zahlten auch ihre Schulden nicht, und bei den rumänischen Gerichten war für uns Fremde kein Recht zu bekommen. Auch Beschwerden beim deutschen Konsulat hatten keinen Erfolg. Unser Schaden beläuft sich auf ca. 25,000 Franken. Diese Zustände sind erst so unerträglich geworden unter dem jetzigen „liberalen" Ministerium Sturdza." Dazu bemerkt das Berliner Blatt: „Diese durchaus glaubwürdigen Mittheilungen eines, deutschen Handwerkers zeigen deutlich, wohin der Fremdenhaß in Rumänien führt, und welchen Motiven er entspringt. Es wäre wirklich an der Zeit, daß die Regieruna die j Interessen deutscher Staatsangehöriger in Rumänien etwas energischer wahrnähme." Eng I a n b. London. Die Fremdeneinwanderungs-Kommission hat am. 24. April ihre Thätigkeit mit der Vernehmung des Herrn L. Smith begonnen. TPr,:.Gene-' ral-Kontroleur der Abtheilnng für Handel, Arbeit und Statistik im Board of Trade hat aber in der .Kommission nicht viel ausgesagt, was unseren Lesern, die wir über diese für die gesarnrnte Judenheil so überaus wichtige Fremdenfrage in England stets auf dem Laus senden erhalten haben, nicht bereits bekannt wäre^ Seine Aussage bildete eine zerschmetternde Niederlage.für die lichtscheuen allen statistischen Zahlen abholden Antialienisten. In den Jahren von . 1896-7-1901 sind int Ganzen 280,000 Fremde in England eingewändert,. davon 138,000 nach London. Von diesen sind noch ' zahlreiche Personen nach kurzem Aufenthalt weiter gewandert. Diese Zahlen sind absolut einwandsfrei,) da . von den 34 Häfen Englands in 29 die änkommenden Schiffe Passagirlisten einreichen müssen und auch in den Häfen von Dover, Harwich, Newhaven, Folkerstone und Southampton, wo die änkommenden. Schiffe keine. Listen einzureichen brauchen, sämmtliche Deckpassagiere,, sowie die von diesen Hafenplätzen mit einem Billet III. Klasse in's Innere des Landes reisenden ebenfalls ge-; zählt werden. Die Kontrole ist so streng, daß eine Verheimlichung von Einwanderern in größerer Anzahl völlig ausgeschlossen ist. Oeffentliche Arinenunterstühung haben in London 1899 im Ganzen 2895 Fremde,; davon 2505 Russen und Polen, erhalten. Im nächsten. Jahre ging. die Zahl der unterstützungsbedürftigen Fremden: auf 2016, davon 1100 Russen und Polen, zurück.^:?- In der Nachmittagssitzung gab der englische Beamte wichtige Zahlen über die Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die Zahl der Einwanderer betrug 1901 nicht weniger als 487,980. Davon wurde«! nur 3616 — 0,72 pCt., von den 58,000; eingewanderten Juden noch weniger, nämlich, nur 365. .gleich 0,63 pCt., zurückgewiesen. Unter den Zürückgewiesenen waren zwei Idioten, zwei Geistesgestörte, neun hatten Arbeitskontrakte mit, 49 waren krank, 243 waren „Paupcrs" und 69 Personen wurden innerhalb eines Jahres nach erfolgter Landung noch'nachträglich zurückgeschickt. Endlich wurde, ein Jude als Ver-. brecher entlarvt und am Landen gehindert. , Würde England gegen die Fremden die gleichen Gesetze anwenden, wie Amerika, es würde jährlich nur einen einzigen Juden weniger landen lassen, dagegen würde es. halb so viel Italiener besitzen, wie jetzt bei einer unbegrenzten Einwanderungsfreiheit. In der zweiten Sitzung vom 28. April, sowie in der vierten vom 7. Mai, wurde Mr.! Arnold White vernommen, auf dessen Aussagenchrir im. Nachfolgenden zurückkommen wollen. Wichtig waren die Aussagen des General-Registrators der Abtheilung für Volkszählung. Mr. Reginald Mc. Leod gab in seiner am 2. Mai erfolgten Vernehmung an, daß von den 4,536,541 Einwohnern des Londoner Bezirks 135,377 Fremde waren. Dazu kommen noch 57,537 Kinder, welche von nichtenglischen Eltern in -England geboren wurden, hinzu, sodaß die Gesämmtzahl der' Fremden in London etwa 193,000 betragen 7 dürfte. Diese Angaben sind nahezu absolut zuverlässig, da die Fremden kurz vor der stattgehabten Volkszählung durch, in den betreffenden Sprachen verfaßten und von: de» geistlichen Autoritäten Unterzeichneten Flugschriften . über das Wesen der Zählung aufgeklärt , und ermahnt