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Der Israelit · 1902-06-02 · Heft 44 (2.6.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 44 (2.6.1902)
Date
1902-06-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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schaffen, seinen schweren und wichtigen Aufgaben zu genügen, tonnen wir nur erreichen, wenn alle Gönner unseres Vereins uns auch ferneren ihr Interesse bewahren und uns durch Zuweisungen sowie Gewinnung neuer Mitglieder unterstützen. Wir geben dem Wunsche Ausdruck, daß lünftig unseres Vereins mehr als bisher Lei freudigen und traurigen Veranlassungen gedacht werde. Elltvangerr (Württemberg), 26. Mai. Heute wurde der im Alter von 78 Jahren verstorbene Buchhändler Moritz Heß, Sohn des um die sozialen Verhältnisse der württembergischen Israeliten hochverdienten Antiquars Jsak Heß. unter großem Geleite von Bürgern und Beamten auf dem neugegründeten iSrael. Friedhofe beerdigt. Dem allgemeinen Bedauern über den Verlust des sehr verdienstlichen Burgers gab Herr Lehrer H e ß beredten Ausdruck. Weimar, 28. Mai. (S! udenten - Kon - g r e ß.) 'Vom 23. bis 25. Mai fand Hierselbst in Verbindung mit dem dritten Verbandstag der „Deutschen Freien Studentenschaft" ein Studenten-Kongreß statt, zu dem die Organisationen der Nichtinkorporirten der Universitäten Leipzig. Berlin, Halle, Jena, Göttingen, Marburg, Greifswald, sowie der Technischen Hochschulen Charlottenburg. Braunschweig und Darmstadt ihre Vertreter entsandt hatten. Am ersten Diskussionsabend wurde über das Thema „Freie Studentenschaft und nationale Frage" debattirt, wobei besonders die „Judenfrage" eine sehr stürmische Erörterung hervorrief. Einig waren alle Redner über die nationale Grundlage der Freien Studentenschaft. In dem am zweiten Tag stattfindenden Diskussionsabend wurde über die „studentischen Korporationen und Parteien in Vergangenheit und Gegenwart" debattirt, wobei man zu dem Schluß kam, die Freie Studentenschaft habe das Prinzip der unbedingten Toleranz hochzuhalten, daher jeden Standpunkt als berechtigt anzuerkennen und ihren Anhängern Ächtung zu verschaffen, was besonders auf die Duellfrage zutreffe; Duell-Anhängern und Duell-Gegnern müsse gleicher Schütz gewährt werden. Am Sonntag beschloß den Kongreß nach studentischer Sitte ein allgemeiner Kommers. Oesterreich. Wie», im Mai. Der Bericht über die Thätigkei der Baron Hirsch-Schulen für 1906—1901. ist , erschienen. Die Zahl der Schulen betragt gegenwärtig 50. die Anzahl der Schüler 6634. Im Laufe des Schuljahres wurde das Oeffentlichkeitsrecht den Schulen in Obrrtyn und Zloczow verliehen, so daß gegenwärtig 16 Schulen mit dem Oeffentlichkeitsrechte aus gestattet sind. 24 Schulen sind höherer, 26 niederer Ordnung. 31 Schulgebäude sind Eigenthum der Stiftung; in 19 Orten sind die Schülraume gemiethet. Im Ganzen stehen 176 Klassenräume zur Verfügung, in welchen 247 Lehrkräfte wirken. Unter ihnen lehrten 10 Lehrer nicht blvs die gewöhnlichen Nnterrichtsgegentände, sondern ertheilten in der schulfreien Zeit an 154 Schüler in 17 Abtheilungen Unterricht in Handfertigkeit (Slöd). Don den Knaben wurden im Laufe des Jahres mit Hilfe der vom Kuratorium in ansehnlicher Zahl hergestellten Werkzeuge 608 größere Tischlerei-, 183 Drechslerei- und 289 Buchbindereierzeugniffe hergestellt. Zolynia (Galizien. Folgender Fall beweist wieder einmal, wie weit die Verdummung des Bauernvolkes durch seine Führer und Lehrer getrieben wird. Die Bewohner des genannten Dorfes leben seit undenklichen Zeiten im größten Frieden mit den daselbst wohnenden Juden. Vor einiger Zeit starb der Ortspfarrer und an seine Stelle kam ein neuer aus der „modernen Schule" hervorgegangener Priester. Diesem gelang es in ganz kurzer Zeit, das friedliebende, arbeitsame Volk mit den Lehren des alleinseligmachenden Antisemitismus zu vergiften. Diese Saat sollte nun auch bald die gewünschten Früchte zeitigen. Vor kurzer Zeit verschwand das achtjährige Mädchen des hiesigen Landwirthes Jan Kochmann, das schon einigemale.vor seiner es mißhandelnden Mutter in das Nachbardorf flüchtete, wieder einmal plötzlich aus dem Torfe. Die Juden waren eben mit dem Mazzothbacken beschäftigt und die gelehrigen Schüler des neuen Pfarrers, begannen nun erst leise, dann immer lauter darüber zu sprechen, daß die Juden die kleine Kochman gefangen halten, sie, da sie zu mager ist, erst gut ausfüttern und dann avschlachten werden, um ihr Blut zu den Mazzoth zu verwenden. Es kam natürlich auch zu Thätlichkeiten. Demolierungen jüdischer Häuser, wobei sich die Missethäter ganz unverhohlen damit rechtfertigen, daß „Se. Chrwürden. der Herr Geistliche, ausdrücklich erklärt habe, daß man wegen Mißhandlung eines Juden nicht . zur Verantwortung gezogen werden könne." Aber glücklicherweise hat der Teufelsapparat wieder einmal nicht verläßlich genug funktionirt, denn das Kind wurde Dank den Bemühungen des jüdischen Großtrafrkanten Josef Leistyna in Zolynia in der Nachbargemeinde ausgeforscht, wohin es sich vor der unmenschlichen Behandlung der Stiefmutter geflüchtet und verborgen gehalten hatte. Die Bluthunde hatten also wieder Pech, aber jetzt wird es doch bald nothwendig werden, daß die Juden die christlichen Kinder bewachen,, denn sie werden ja in allen Fallen für deren Verschwinden verantwortlich gemacht. Rumänien.. Bukarest, im Mai. (Fremdenhäß.) Gegenüber der Darstellung antisemitischer Blätter, daß die fremdenfeindliche Bewegung in Rumänien sich nur gegen die Juden richte, erhalt das „Verl. Tagbl." von

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