Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 44 (2.6.1902)
- Date
- 1902-06-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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fand und sie als selbstverständlich und zusammengehörig betrachtete.- Naiüriich kann eine große Gemeinde sich den Luxus mehrerer Kultusöeamter gestatten, aber kleinere und Mittelgemeinden sind auf ihren alleinigen Kultusbeamten angewiesen und dieser steht mindestens so hoch da, wie der „Prediger-, nicht obgleich jener schachtet, sondern gerade weil er schachtet, weil er noch ein „Jehudi" ist, der seine Ueberzengung nicht durch Phrasen, sondern durch die Praxis , dem Judenthume zur Verfügung! stellt. Es muß in berufenen Lehrerkreisen, welche es ernst nehmen, etwas gegen diese nmsichgreisende Gefahr geschehen, wir wollen nicht als Lehrer zweiten Grades dastehen, weil wir nur Religionslehrer sind, obgleich wir ja dieselbe Volkssckiulvrüfung machen mußten und nur durch den Mangel an jüdischen Volksschulen zufällig keine'Elementarstelle innchaben. Es muß energisch Front gemacht werden gegen die das Judenthum schädigende Auffassung. als sei das Schächten eine mit dem Lehrer nicht zu vereinbarende Handlung, wir haben das Schächten zu schützen und wir sind die berufensten Vertheidiger dieses Gebotes. Es ist kein blutiges Handwerk, sondern eine heilige Handlung. H. G. Jeitnngsnaihrithtcn und <5orrcsponvcn;cn. D t ai s ch l a r? d. Frankfurt a. M., 28. Mai. (Das Indenh a d i n S p e i e r u n d W o r m s.) Man schreibt der „Franks. Zeitg.": . Angeregt durch die interessanten Aufsätze über das Judenbad in Friedberg (Hessen) und. in Worms, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein ähnliches Kunstdenkmal aus uralter Zeit lenken, über das bis jetzt sehr wenig bekannt geworden ist. Es ist das Judenbad in Speier. Es gibt wenig Litteratur darüber, auch im pfälzischen Krcisarchiv ist nichts vorhanden. Unweit des Domes, in der Judengasse> neben der alten Synagoge, liegt das Judenbad, ein viereckiger Brunnen, in einem unterirdischen Gewölbebau aus der Zeit des romanischen Stils. Man steigt durch Gewölbe hinab. Die Entstehung dieses seltenen Bauwerkes wird in die Mitte des 12. Jahrhunderts gesetzt, dürste wo?)! aber, noch weiter zurückliegen, da bereits mit den Rögnern Juden'nach Speixr gekommen sind. Das Bad ist der einzige Ueberrest einer Synagoge, die wohl bei einer . ,der Judenverfolgungen des . Mittelalters zerstör? wurde. ..Der völlig unter der Erdoberfläche befindliche,! aus .kräftigem.Werkstein-Mauerwerk errichtete Bau, der den Brunnen umschließt, diente den Frauen zur Erfüllung von Kultusvorschriften. Eine Treppen-Änlage fuhrt hinab in den Änkleideraum. Dieser ist von einem Kreuzgewölbe umschlossen, das aus vier frei'in den Winkeln stehenden Säulen ruht. Die Säulen haben theils Capitelle mit Blättern, theils Wurfelkapitelle mit Flechtmustern. Die Kämpferansätze weisen vielgestaltige Profile und zierliche Schmuckformen auf. Die ganze reiche Ornamentik wird von Fachleuten als einzig in ihrer Art geschildert. Die Sohle ches Badeschachtes liegt zehn Meter unter der Oberfläche des Bodens, drei Meter unterhalb des Ankleideraumes. von wo aus eine Wendeltreppe hinab Zum Grundwasserspiegel führt. Auch der Badcschacht ist von einem Kreuzgewölbe überdeckt, und zwar ruht dieses auf Wand- . Pfeilern. —..... - Die Besichtigung dieses vollständig unterirdischen Bauwerkes, das der Stadt Speier gehört, ist jederzeit unentgeltlich gestattet. Der Schlüssel wird im Stadtbauamt, kleine Pfaffengasse 6, ausgefolgt. Auf Wunsch geht vom Stadthaus ein Begleiter mit zum Bad. Es befinden sich in kleinen Abständen Gasflammen bis hinunter zum Wasserspiegel. Beim Hinabsteigen in den Schacht zünde man die Gasflamme rechts in der Mitte der Treppenwand an. Der deutsche Kronprinz, der vor mehreren Wochen Speier besuchte, hat bei dieser Gelegenheit auch das Judenöad besichtigt. Amandus Korn- Ludwigshafen. — Von dem Verfasser des Artikels über das Judenbad in Friedberg, Herrn Bauinspektor. H. Wagner in Darmstadt, erhält die „Fr. Ztg." folgende Zuschrift: „Von Herrn I. Goldschmidt, Mitglied des Vorstandes der Jsr. Religionsgemeinde zu Worms, geht mir die Mittheilung zu, daß das in meinem Artikel „Das Judenbad in Friedberg (Hessen) erwähnte Frauenbad unter der Synagoge in Worms nicht mehr, wie die von mir benutzte Quelle (Wörner „Kunstdenkmäler im Großherzogthum Hessen/ Kreis Worms. S. 264) angibt, zugeschüttet ist. sondern im Jahre 189."» zufolge Vorstandsbefchlusses ausgegraben und nach den Plänen und unter der Leitung des damaligen Siadtbaumeisters, jetzigen Geh. Oberbaurathes Hofmann wiederhergestellt worden ist. Nach dem Portal im Innern zu schließen, würde die Anlage in die friihromanische Zeit fallen, demnach noch vor die Zeit des Friedberger Judenbades zu setzen sein, das der frühgoihischen Zeit angehort/ - . Hamburg, 29. Mai. Bezugnehmend auf'meinen Bericht in Nr. 89 u. 40 vom 15. d. Mts., betreffend cm m in Altona, legt der Vorstand der Portu» giestsch-Jüdischen Gemeinde hierfelbst Werth daraus, zu erklären, daß er den Verkauf an die Stadtgemeinde Altona erst vollzog, als die Expropriation in naher .Aussicht gestanden und daß die Exhumirung resp. die