Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 44 (2.6.1902)
- Date
- 1902-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I j! { | I!i . ii! I i i i i 43. Jahrgang. 44. r-.- p.-- Gentrcrt-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Aehmsnn in Mtstnß, Montag, den 2. Juni STT2 (1VV2). 'S' i; Eine srnste Gefahr im Innern. | - / Zs» Äes WW« 8rhm »ü SW». ES ist allgemein bekanntdaß die unaufhörliche Agitation der Thierschutzvereine gegen das Schächten nur unter dem Deckmantel des Thierschutzes, in Wirklichkeit aber unter der Aegide antisemitischer Bestrebungen seine Ziele verfolgt. Bei diesem Anstürme un- .. feiet äußeren Feinde gegen ein Grundgesetz der jüdischen Religion hat sich eine anerkennenswerthe Solida- 5. - rität der JudenhÄ^eZMt,'welche denn auch bis jetzt immer eine starke Phalanx den antisemitischen Ge-' schossen mit Erfolg entgegenstellte. Es haben selbst, diejenigen Israeliten, die selbst leider im praktischen .Leben das Gesetz der Schechita gering achten, sich an die Seite der Kämpfer gestellt, und durch materielle wie ideelle Hilfe, durch Gutachtensammlungen u. s. w. die ' Schechitah retten helfen, vielleicht nicht aus Liebe zu diesem Gesetze, sondern um dem antisemitischen Anstürme den Sieg unmöglich - zu machen. In letzter Zeit aber ist dem Schächten ein Feind entstanden, der viel gefährlicher ist, und der, ohne daß es nach außen hin besonders auffällt, allmählich diesem wichtigen Ge- .bote den Boden entziehen könnte, aus welchem seine - Wurzeln saugen, weil dieser Feind gerade dort zu ■ suchen ist, wo die Rettung eigentlich sein müßte. „Aus " unserem eigenen Innern gehen die Zerstörer hervor. And diese Feinde sind vielfach wir selber. Es gibt neuerdings viele Kollegen, welche die [ Schechita als eine ihre Stellung herabwiirdi-? > gende H a ndlung betrachten und alles aufbieten. ’ das Schächtamt von sich a b z u w 8 l z e n, während s doch das Schächten als eine heilige Handlung betrachtet ." werden müßte. Das ist< eine tiefbedauerliche Erscheinung. Biele Kollegen sind durch die Phrasen, die f ■ \ von gewissen Großstädten aus tönen und die nicht gerade. den besten Instinkten in uns schmeicheln, ük^r Standesbewußtsein u. s. w. geradezu verblendet worden. und sangen an, ihre Stellung zu überschätzen. Sie blicken auf den „schachtenden" Kollegen mit Stolz herab und suchen seine Zugehörigkeit zum Lehrerstande in Frage zu stellen, da er ja nur „Kultusbeamt e r" . sei. So kam es, daß beim Gemeindeläge in Berlin ein Kollege aus Bielefeld stolz ausrief: „Mit den Kultusbeamten haben wir nichts gemein," während die Herren Rabbiner Dr. Kopsstein-Beuthen und Kir- >, chenrath Dr. Kroner-Stuttgart darauf rrwiederten: „Wir Rabbiner rechnen uns mit Stolz zur Klaffe V_. der Kultusbeamte n.“ Also ein Lehrer will kein - . Kultusbeamter mehr sein, die ihm zustehenderr heiligsten..> Aufgaben scheinen nach seiner Ansicht seine Stellung als Prediger und Elementarlehrer zu entwürdiget , Was sollte aus dem Judenthum werden, wenn diese Phrasen in unserem Stande einen allgemeinen Anklang finden würden? Ausländer werden nicht angestellt, , und wenn sie angestellt werden, von der Regierung nicht bestätigt, vom Schächten kann kein Beamter seine Familie ernähren, und der Lehrer will Prediger und Elementarlehrer sein — wohin soll das führen? Wenn der Zusammenschluß der Lehrervereine sich auf die Vertretung der gemeinsamen Interessen bezieht, dann bat er eine Berechtigung, wenn er aber in unserem herrlichen jüd. Lehrerstand diese irreführenden Ideen großziehen will und solche Giftsaaten streut, welche unseren Glauben und seine heiligsten Grundsätze verderben, dann ist er für das Judenthum ein Unglück. * Glücklicherweise gibt es in jüdischen Gemeinden noch eine große Anzahl von Kollegen, die mit Freuden . ' sich dem Schächtfacheunterziehen, weil in ihrem Innern . noch eine wahre Ueberzeugung und Charakterfestigkeit - wurzelt, weil sie in dieser Handlung — in Frankreich , ' . heißt der Schochet Sacrificateur •— eint ihrer wichtig- " sten Kultusaufgaben erblicken, doch es hat leider die vorerwähnte falsche Auffassung auch schon manchen Kollegen „aufgeklärt", der seither zufrieden und ohne Bedenken seine Stellung mit dem Schächten sehr gut; * r