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Der Israelit · 1902-05-28 · Heft 43 (28.5.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 43 (28.5.1902)
Date
1902-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Schofar geblasen, die schreckliche Eidesformel sprechen. Herr Rabbiner Schor weigerte sich entschieden, den Schwur in dieser Form abzunehmen, indem er erklärte, daß das jüdische Religionsgesetz nirgends und niemals die Eidesleistung unter diesen entehrenden Formalitäten gekannt habe. Herr Statescu wandte sich hierauf mit einer Beschwerde an den Appellhof. in welcher er „im Interesse der Rechtssicherheitdie Nothwendigkeit. alle Ceremonien dieses Eides aufrechtzuerhalten betonte. Der Appellhof verwarf die Beschwerde und ermächtigte Herrn Rabbiner Schor. die Vereidigung in der ihm gut dünkenden Weise vorzunehmen und delegierte dazu einen anderen Richter. Mit dieser Entscheidung hat der Gerichtshof indirekt anerkannt, daß der Eid mors juckniev ungesetzlich ist, und es . darf deßhalb gehofft werden, daß die Bemühungen, dieses Ueberbleibsel einer barbarischen Vergangenheit völlig zu beseitigen, von Erfolg gekrönt sein werden. Amerika. Newyork. Die Gründung eines orthodoxen Rabbinerseminars ist jedenfalls das hervorragendste Ereigniß innerhalb des amerikanischen Judenthums in der letzten Zeit. Es wird-hierüber Folgendes berichtet: . . Als eine im November 1885 zu Pittsburg abgehaltene Rabbinerversammlung ein freisinniges Programm aufstellte, vereinigten sich einige konservative Rabbiner, um eine Pflanzstätte für orthodoxe Rabbiner zu. schaffen. Dieselbe führte bis jetzt ein kümmerliches Dasein, da die von Jsaac M. Wise 1875 geschaffene Schule in Cincinati reichlicher fundirt, viel besser unterstützt und im ganzen Lande populär war, und ihre Zöglinge zu den hervorragendsten Stellen des Landes berufen wurden. Nach Wise's Tode, 26. März 1900, machte sich eine Bewegung geltend, welche das Hebrew Union College nach einer größeren Stadt verlegen wollte. Diese Bewegung scheiterte; dafür wurde von anderer Seite der Gedanke angeregt, das Theological Seminary von Newyork besser auszugestalten. Der Grundstock wurde von dem um alles Edle hochverdienten Jakob H. Schiff in Newyork gelegt, der aus eigenen Mitteln ein großes Haus zu erbauen versprach und dem Stammfonds 100,000 Dollars widmete. Zwei andere Wohlthäter, Leonard Lewisohn s. A. und Meyer Guggenheimer, gaben je 50,000 Dollars, so daß das Stammkapital, sofort 200,000 Dollars betrug, daneben versprach Schiff für die ersten drei Jahre einen Beitrag von je 5000 Dollars und der Advokat Louis Marshall 1000 Dollars. Die generösen Spender wollten diese ' Fonds nicht einem schon bestehenden Institute ausliefern und gründeten daher ein neues unter dem Namen Theological Seminary of America, welches das bestehende Theological Seminary abforbiren sollte. Diese Absorbirung, in euphemistischer Weise Amalgamirung genannt, wurde am 30. Marz von dem Kuratorium der älteren Anstalt ratifizirt. Die neuen Statuten aner-: kennen ausdrücklich den Zweck der alten Anstalt,:'die jüdische Religion auf der Basis des traditionellen und historischen Judenthums zu lehren und zu üben als den . ihrigen an. An die Spitze dieser Anstalt wurde Dr. Salomon Schechter, Professor der rabvinischen Literatur in Cambridge, berufen, der sich besonders durch die Entdeckung wichtiger alter Manuskripte, in Cairo einen wohlverdienten Namen erworben hat.. Neben ihm tritt an die Spitze des Kuratoriums Dr. Cyrus Adler, der auf dem Gebiete semitischer Philologie und amerikanisch-jüdischer Geschichte Tüchtiges geleistet hat und Bibliothekar an dem Nationalmuseum Smithsonian in Washington ist. So ist denn die Anstalt in Bezug auf ihre Fundirung und in Bezug auf ihre Leitung , unter sehr günstigen Auspizien in's Leben getreten. / Eine andere Frage ist es freilich, meint die von G. Deutsch herausgegebene Monatsschrift „Deborah," wie es mit - der Orthodoxie derselben beschaffen sein wird? Die bisherigen Erfahrungen erlauben in dieser Hinsicht kein günstiges Prognostikon. Das Newyorker Seminar hat in seinem kurzen Bestände die meisten seiner Kandidaten an Reformgemeinden abgegeben, wie ein orthodoxer Rabbiner kürzlich im „Amerikan Jsraelite" hervorhob. Einer dieser Kandidaten, der in Jacksonville, Florida, fungirt, vollzog neulich eine Trauung mit unbedecktem Haupt, ohne Chuppa und unter Gestattung, eines musikalischen Programms, wobei Frauen mitwirkten. Man stelle sich einen solchen Fall bei Zöglingen des Hildesheimer'schcn Seminars in Berlin vor! Er wie andere seiner Kollegen fungiren in Gemeinden, die das Gebetbuch der Rabbinerkonferenz eingeführt haben, aUS welchem jede Beziehung auf einen persönlichen Messias, auf die leibliche Auferstehung der Tobten und so wichtige'Theile des Rituals wie das Mussaph verschwunden sind. Wird das nun anders werden? In dem sehr interessanten Briefe, mit welchem Jakob H. Schiff seine großherzige Schenkung begleitet hat, spricht sich der Plan der Gründer der neuen Anstalt aus. Man hofft, durch eine konservative Anstalt das Vertrauen der eingewanderten Polen und Russen zu gewinnen und sie dadurch schneller zu zivilisiren, oder wie man hier sagt, zu amerikanern. Ob das möglich ist, wird die Zukunft lehren. v . . / \ Rußland. Petersburg. Am 27. März fand in St. Petersburg im Börsenhospitale zur Erinnerung an den verstorbenen Kaiser Alexander II. die feierliche Einweihung der neuen Baracke statt, die den Namen des Barons Joseph v. Günzburg trägt, in Gegenwart, der Vertreter des Finanzministeriums, namentlich des Gehilfen, des Finanzministers, Geheimrath Kowalewskv und anderer Persönlichkeiten. Nach dem Gottesdienste trug der Oberarzt deS Hospitals, Dr. Fomin, die Entstehung dieser Baracke

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