Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1902)
- Date
- 1902-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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'•“V- U n g fl t n. T'- : Budapest, Im Mal. (P urze! bäume neof loger Seelsorger.) Am ersten PeßachtaK predigte Im hiesigen großen. Tempel.'der Tabakgasse Rabbiner Dr. Samuel Kohn über das Thema T* px . rmn Tabna pcw ’o xbx pnn p . wobei er darauf hinwies, daß seine Gemeinde viele „Vaalebatim" habe, die, wenn sie zur Thora gerufen werden, die morc rmnn nicht einmal von der am Almemor angebrachten Tafel herablesen können! Er beklagte es tief, daß heutzutage nur Diejenigen sich mit der Thora befassen, die in ihr einen Beruf finden: die Rabbiner und Religionslehrer. Letztere haben jedoch unter sich thatsächlich ganz respektable „Amhaarazim" aufzuweisen. Diesen ist doch entschieden der vom Budapester Rabbinerseminar diplomirte Religionsprofessor F. . .'sch anzureihen, der soeben ein Buch „Ueber die Ethik des Judenthums^ heraüsgibt, welches.an den hiesigen höheren Schulen gelehrt werden soll und das sich die Schüler um theures Geld anschaffen müssen, obwohl es von Ignoranz strotzt. Als Beispiel möge der darin als „Talmudspruch" zitirte Unsinn dienen: — "•nöB-ffas: nxan nana* — Die Herren Rabbiner Kohn und Kaiserling haben sich endlich auch im Interesse einer jüdischen Sache zu Wort gemeldet. In diesen Blättern wurde es wiederholt gerügt, daß der jüdische Religionsunterricht in allen Schulen der großen Budapester Gemeinde blosköpfig ertheilt wird. Rabbiner, Lehrer und Schüler sprechen barhäuptig den heiligen„Schem Hawajo." Dieser' himmelschreiende Chilul-Haschem wird seit dreißig Jahren verübt und es fand sich kein Rabbiner, kein Gemeindemitglied, kein Vorsteher, der gegen diesen Unfug ernstlich aufgetreten wäre. Nachdem der neugewählte konservative Rabbiner und der neue Schulpräses keine Freunde des' barhäuptigen jüdischen Bibelunterrichtes sind, haben auch die greisen Reformrakbiner für die Sanirung dieses Uebels ein Wörtchen eingelegt. Aber es geht sehr schwer. Die Geister, die man einmal gerufen, lassen sich nicht so leicht äbfertigen. Es läft : sich heute nicht einmal mehr ergründen, wer der Urheber dieser Reform gewesen. Kein maßgebender Faktor wil .sich zur Gevatterschaft bekennen, aber die geheime Gewalt dieses unjüdischen Gehabens wirkt noch ungeschmälert fort. Es ist eben der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend Böses thut gebären. In einer Gemeinde,wo die ersten Rabbiner über wmv nxois und nsiD mso sich persönlich hinwegsetzen und jüdische Institute durch geistliche Festreden ostentativ unbedeckten Hauptes einweihen, in einem jüdischen Gemeinwesen, wo ein - n&m kb>j2> jna Jahre hindurch in den Tborahallen des Rabbinerseminars als Talmud-Professor ' wirken konnte, eine Gemeinde, die in ihrer Synagoge das^ „Kol-Nidre" am Versöhnnngsabend von einer Dame zum Vorträge bringen läßt, und Rabbiner, die am Jomtow Trauerreden halten und ln der Seslrah jüdische Ehen vollziehen: sind nicht gar sonderlich geeignet, den heiligen Thorafatzungen öffentliche Geltung zu verschaffen. Indessen nävm 'wb naw "jS px. Budapest. (Ein Stich in's Gelbliche.) Folgende ergötzliche Geschichte wird hier verbreitet: Vor einigen Tagen gab eine Gentry-Gesellschaft eine Wohlthätigkeitsmatinee. Da man viel Geld hereinbringen wollte, mußte man, so unangenehm es auch war, auch die reichen Leopoldstädter Juden einladen. Es fiel Niemandem auf, daß die Farbe der Einladungen der Juden zufällig von der an die Christen ergangenen ein wenig abstach; die letzteren hatten nämlich einen „Stich in's Gelbliche." Ebensowenig konnte man die Vermerkung anstößig finden, daß die Eintrittskarten zur Matinee nur gegen Vorweisung der Einladungen verabfolgt werden. Die Leopoldstädter Großjuden fühlten sich durch diese Ehrung der Gentry sehr geschmeichelt, sollten doch die Ueberzahlungen öffentlich quittirt werden. Der große Tag kam, in langen Reihen brachten „Unnummerirte" die geladenen Gäste. Der Saal war voll. Als aber alles Platz genommen hatte und man Muße fand, sich im Saale zu orientiren, da schien es, als horte man auf der linken Seite einen durch fämmiliche Sesselreihen sich hinziehenden Aufschrei der Enttäuschung, manche behaupteten sogar, es war Entrüstung. Die Ursache des Schmerzes war bald klargestellt. Die Großjuden mußten nämlich die traurige Wahrnehmung machen, daß sie ganz unter sich geblieben, denn die Christen erhielten ausnahmslos die Sitze auf der rechten, während die Juden auf der linken Seite des Saales plaziert wurden. So hatte sich auch das Geheimniß vom „Stich in's Gelbliche" und der Bemerkung. daß die Karten nur nach Vorweisung der Einladungen erhältlich seien, aufgeklärt. Man könnte sich über den Ausgang der Geschichte freuen, wenn nicht — die armen, unbemittelten Juden diesen „Stich in's Gelbliche" zu verspüren bekämen. Rumänien. * Bukarest, im Mai. Betreffs des Eides more judaico hat der Appell-Gerichtshof eine wichtige Entscheidung getroffen. Anläßlich eines Prozesses zwischen Frau Netty Bailer mit einem gewissen Hermann Goldenberg wegen des Besitzrechtes auf gewisse sequestrirte Möbel wurde letzterem ein Eid auferlegt und der Rickter Statescu delegirt. denselben abzunehmen. Herr Statescu verlangte, daß Herr Rabbiner Ch. S. Schor der Prozedur beiwohne und daß die letztere mit Einhaltung aller der babarischen Formalitäten dieses Eides' stattfinde. Goldenberg sollte zunächst in die Mikwah geführt, unter gewissen Ceremonien dreimal untergetaucht. hierauf in die Synagoge gebracht, in den Sterbekleidern mit einer Sepher Thora in der Hand in einen offenen Sarg, zu dessen Häuptern Wachskerzen brennen, gelegt werden und nachdem der Tempeldiener dreimal