Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1902)
- Date
- 1902-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449834--55982-2518745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
t. Rolle eines Kräutchen „Rühr-mich-nicht-an" zu spielen ' hat. -, Wie da die Mitglieder'den ganzen gewaltigen . Inhalt des Judenthums kennen lernen sollen, wie'sie - sich bei einem solchen Programm in den Räumen des Vereins Montefiore ein kräftiges, religiöses (jüdisches?) Bewußtsein erwerben können, bleibt uns ein Räthsel, auf dessen Lösung wir wirklich sehr neugierig sind. Frankfurt a. M. (Israelitische Waise n a n st a l t.) Genannte Anstalt hat in ihrer Knabenabtheilung 32 Zöglinge, welche die Schule besuchen. Die zu Ostern als Lehrlinge in Geschäfte getretenen vier Knaben wurden auf Kosten der Moses und Clara Schiff-Stiftung im Hause behalten. Dieser Stiftung wurden durch Jacob H. Schiff in Newyork Mk. 25,000 zum Kapitalfonds überwiesen. Die Mädchenabtheilung zählt 14 Zöglinge, die schulpflichtig sind. Für die der Schule entwachsenen Mädchen sorgt die Marie Dreyfus-Stiftung. Diese Abtheilung erhielt zur Renovirung des Hauses von Frau Goldschmidt-von Rothschild Mk. 12,000. Die Grundsteinlegung des Neubaues der Knabenabtheilung, wozu die Mittel von . Frau Baron Edmund von Rothschild in Paris zur Verfügung gestellt worden sind, erfolgte am 13. Jan. Von Geschenken ist noch ein Legat des verstorbenen Jakob Plaut in Nizza von Mk. 10,000 zu erwähnen. Berlin, im Mai. Das Provinzialschulkollegium hat verfügt, daß in allen hiesigen Gemeinde-, Privat- und städtischen höheren Töchterschulen eine genaue Uebersicht der diese Anstalten besuchenden schulpflichtigen jüdischen Kinder aufgestellt werden sollte, getrennt nach Jahrgängen und Klassen. In der Verfügung ist zwar ein Grund nicht angegeben, jedoch steht, wie man von betheiligter Seite schreibt, zu vermuthen, daß diese Anordnung ergangen ist zum Zwecke der Feststellung der Anzahl der religionsunterrichtspflichtigen Kinder. Es ist dies daraus zu schließen, daß die Zählung getrennt nach Jahrgängen vorgenommen werden sollte, und zwar von 1896 ab rückwärts bis 1888, also nur bis zum 14. Lebensalter. Alle anderen Kombinationen, welche an diese Verfügung, namentlich von antisemitischer Seite, geknüpft wurden, erscheinen danach hinfällig. . Aus Württemberg. Am 20. Mai fand in der Restauration Westheimer in Stuttgart die Plenarversammlung des „Jsr. Lehrervereins" statt. Dieselbe . war recht gut besucht. In der der Hauptversammlung vorangehenden Vorstandssitzung wurden Beiträge an! / die Wittwen verstorbenen Lehrer und Vorsänger in der Höhe von je 150—250 Mark verwilligt. Vorstand .-Schmal- Ludwigsburg begrüßte die Kollegen und " Gäste (die Herren Kirchenrath Dr. Kroner, Rabb. Dr. Stößel, Straßburger, Kahn, Kirchenvorsteher Schwabacher). Vereinskaffirer Metzger- Cannstatt erstattete hierauf den Kassenbericht, worauf die Versamntlung der Verwaltung Entlastung ertheilte.-'^ Ein Antrag, betreffend Statutenänderung, wurde nach - lebhafter Debatte an den Ausschuß zuriickverwiesen, welcher der nächsten Generalversammlung' einen Entwurf vorzulegen hat. Der Ausschuß berief.in die Statutenänderungs-Kommission drei weitere Mitglieder durch Cooptation.; " ' :V'--7 Eine lebhafte Debatte entspann sich über brennende Standesfragen, wobei Herr Kirchenrath Dr. Kroner erfreuliche Aufklärungen und höchst interessante Andeutungen gab. , Die Versammelten nahmen die Zuversicht mit nach Haus: Es geht vorwärts; die Behörde -ist uns wohlgeneigt. Und wenn auch Manches zu wünschen übrig bleibt und Vieles unerklärlich ist, so ist doch/sicher, daß die Kgl. isr. Oberkirchenbeh'örde ein Herz, für unseren Stand hat und planmäßig auf eine Verbesserung seiner Lage hinarbeitet. Z. /Oe st11 x e i ch. Lemberg, im Mai. In der von dem unverdrossenen Vereinspräsidenten Dr. Meier Munk überaus gewissenhaft geleiteten hebräischen Sprachschule des Vereines „Chanoch Lenaar" hat letzthin die Semefiralprüfung stattgefunden, welcher nebst den Angehörigen der Schüler zahlreiche geladene Gäste, unter anderen die Mitglieder des Kultusvorstandes, Dr. Josef Czeszer und Oberingenieur Emil von Mises, Kultusrath David Maschler, Schuldirektor Rabbiner Dr. Guttmann, die Mitglieder des Kuratoriums, mehrere Religionslehrer, Vertreter der jüdischen Presse von hier und auswärts beiwohnten. Das Resultat her mehrere Stunden währenden Prüfung machte auf die ZuMer den günstigsten Eindruck und bewies neuerdings die Existenznothwendigkeit dieser wichtigen jüdischen Erziehungsanstalt. Zahlreiche Schüler wiesen ganz ansehnliche Kenntnisse in Sprache und Litteratur auf, und wenn vielleicht hie und da noch manches der Vervollkommnung bedarf, so ist zu berücksichtigen, daß die moralische und materielle Förderung seitens der Gemeinde leider noch nicht so weit gediehen ist, um diese junge Schöpfung lebenssicher zu machen. Gegenwärtig droht die Delogirung, da der Kultusvorstand, mit Hinweis auf eine Verfügung des Ortsschulrathes, die bisher in der Hauptschule zugcwiesenen Lokalitäten für das Ende laufenden. Schuljahres gekündigt hat. Wir zweifeln aber nicht, daß. unsere. Kultusrepräsentanz das Möglichste thun wird,: um den Verein durch Zuweisung entsprechender Räumlichkeiten schadlos zu halten, da sonst dessen Fottbestand .Unmöglich wäre. Mit dem jüdischen Jugendunterrichte'rn unserer Gemeinde würde es dann noch trauriger, bestellt sein, als es schon heute der Fall ist. -