Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1902)
- Date
- 1902-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449833--55972-2518734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
894 erfennung und bleibenden Werth. Es darf mit Recht als ein Familienbuch des jüdischen Hauses in vorzüglichster Weise bezeichnet und als solches aufs Wärmste empfohlen werden. Schwedt a. O. - Dr. Holzer. Zettrmgsrmchrtchterr rrnv Eorresponverrzcrr. Oesterreich. Wien, im Mai. Die „Qesterreichische Gesellschaft für Gesundheitspflege" hat dieser Tage den chirurgischen Pavillon des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde am Währinger Gürtel besichtigt. Baurath von Goldschmidt begrüßte die zahlreich erschienenen Aerzte und Hygieniker im Namen der israelitischen Kultusgemeinde und sodann übernahmen Spitalsdirektor Profeffor Qser, Dr. Anton Loew und die Prima-; Aerzte Dr. Fleischmann und Dr. O. Zuckerkand! die Führung. Der Pavillon, ein Erweiterungsbau zu dem von den Freiherren Albert, Ferdinand und Nathaniel von Rothschild gestifteten Spitale, besteht aus drei Stockwerken. Im Souterrain sind die Küche und Heizräume, im Parterre Warteräume für Kranke , und sekundarärztliche Wohnungen, im ersten und zweiten Stock Krankensäle, im dritten zwei Operationssäle sammt Nebenräumen untergebracht. Die Zufuhr frischer Luft zu den Krankensälen erfolgt durch zwei große Frischluftschachte im Garten. In der kühlen Jahreszeit strömt die frische Luft in Folge der Temperatur-Differenz von selbst in den Frischluft-Kanal und wird in Herzkammer vorgewärmt; in der warmen Jahreszeit erfolgt die Zuführung der frischen Luft durch Pulsion; die verbrauchte Luft entweicht durch Abzugskanäle über das Dach. Ventilation und Heizung sind vom Dozenten an der Technischen Hochschule, Herrn Meter, installirt. Für die innere Einrichtung wurde fast durchgehends Glas und Eisen verwendet. Alle Ecken und Winkel sind durch Abrundung des Mauerwerles und durch Hohlkehlenanschlutz der Böden vermieden. Für den ganzen Operationssaal (3. Stock) wurden Terrazoböden gewählt, für die Krankenzimmer und Corridore die warmen Asbestcementböden. sieben den Operationssälen befindet sich ein Sterilisirraum. in welchem zwei von Baumann (Wien) hergestellte Sterilisatoren und kleinere Apparate aufgestellt sind. Das ganze Haus ist elektrisch beleuchtet. Der Pavillon hat einen Belegraum von 50 Betten. Der Transport der Kranken in den Overationsraum erfolgt in der Weife, daß der Kranke sammt seinem Bette mittelst eines Bettenfahrapparates in einen List gebracht und gehoben wird. Es sei noch erwähnt, daß die Operationssäle Ober- und Seitenlicht haben und daß an Stelle der staubfangenden Deckenbeleuchtung transportable Lichtrager und Reflektoren gewählt wurden. Alle Einrichtungsgegensiände entsprechen den neuesten und strengsten Anforderungen an die Spitalshygiene ^und sind fast durchaus Wiener Fabrikate. Für Kranke und Rekonvaleszenten, welche das Bett Verlagen dürfen, sind Tagräume eingerichtet. Der neue Pavillon zeichnet sich durch die Centralisirung, die Gruppirung aller Räume um einen großen Mittelraum aus, ferner dadurch, daß hier die größten Garantieen für aseptisches Operiren schon in der Bau-Anlage gegeben sind. ' Rumanren. Bükarest, im Mai. (Judenaustreibung. — Offiziöse Entstellungen.) Zur Praxis der Judenaustreibungen aus den Dorfschaften Rumäniens wird von dem sonst durchaus nicht im Rufe philosemiiischer Gesinnung stehenden „Universal" nachstehender charakteristischer Fall gemeldet: Der Notar der Dorfgemeinde Poiana - Cornului im Distrikte Baslui hat ohne jede Veranlassung den im Dienste des Pächters des Gutes stehenden Schmied Schloim Strul, dessen Eltern bereits 25 Jahre unbeanstandet in - Poiana-Cornului gelebt hatten, auf Grund des Gesetzes, welches den Aufenthalt von Fremden in den Landgemeinden von der Zustimmung der Orisbehörde abhängig macht, unter Anwendung von Brachialgewalt aus der Gemindr vertrieben. Die ganze bewegliche Habe der armen Leute wurde an die Grenze des Dorfes gebracht und unter freiem Himmel auf die Straße geworfen, wo auch, die Familie des unglücklichen Schmiedes zwei Tage und zwei Nächte im Regen ohne Obdach und ohne Nahrung lagern mußte, bis sie Gelegenheit zum Weitertransport und zur Bergung ihres Eigenthums fand. In Folge des Schreckens und Elends ist die Frau Struls wahnsinnig geworden und sie irrt nun als Verrückte in den Straßen Jassys herum, wohin ihr unglücklicher Gatte mit ihr und fünf kleinen Kindern im Alter bis zu neun Jahren gekommen ist, um Gerechtigkeit zu suchen! — In oppositionellen Blättern wird der hochoffiziösen, unter spezieller Ueberwachung des Auswärtigen Amte stehenden „Agence rumaine" nicht ohne. Grund der Vorwurf gemacht, daß sie die Antwort des österreichisch-ungarischen Ministers des Aeußern auf die an ihn vom Deputirten Dr. Max Falk im ungarischen Delegationsausschuß für auswärtige Angelegenheiten gestellte Anfrage betreffs der Rückwirkungen des neuen rumänischen Gewerbcgesetzes auf die in Rumänien lebneden Fremden in einer den Sinn der Antwort des Ministers unterdrückenden Weise verstümmelt habe. So wird in der den hiesigen Blättern zugegangencn Mittheilungen der »Agence rumaine" nur die Erklärung Goluchowskis stehen gelassen, daß das neue rumänische Gewerbegesetz eigentlich eine Nachahmung der in i Oesierreich-Ungarn bestehenden analogen Gesetze sei.