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Der Israelit · 1902-05-26 · Heft 42 (26.5.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 42 (26.5.1902)
Date
1902-05-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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aber der für die Ausführung der betreffenden Gesetze sehr wichtige Satz gestrichen, daß dieselben sich selbstverständlich nicht auf die Angehörigen jener. Staaten beziehen, denen durch Handelsverträge freie Ausübung ihres Gewerbes garaniirt wird. Ferner wurden jene Sätze der Antwort des Grafen Goluchowski nicht wiedergegeben, in denen unter Hinweis auf die Entwickelung der rumänischen Judenfrage deren noch ungelöster Bestand allerdings mit der Bemerkung konstatirt wird, daß dies eine der Einwirkung des Auslandes entrückte Angelegenheit sei. Und schließlich wird von der „Agence roumaine" dem Grafen Goluchowski nur die Phrase in den Mund gelegt, daß er eine befriedigende Erledigung der Angelegenheit (bezüglich des Gewerbegesetzes) hoffe, während Graf Goluchowski auch gesagt hat, daß in letzter Zeit beruhigende Erklärungen der rumänischen Regierung eingelaufen seien, woraus also aus frühere Reklamationen Oesterreich-Ungarns geschlossen werden kann. Palästina. Jerusalem. Seit einigen Tagen beherbergt. unsere Stadt illustre Gäste, deren Anwesenheit, wie zuversichtlich gehofft werden darf, in mannigfacher Hinsicht von den segensreichsten Wirkungen sein wird: Herrn Konsul Alexander Simon-Hannover, den verdienstvollen Begründer der landwirthschaftlichen Schule zu Ahlem, und Herrn Rabbiner M. Zuckermann-Hannover, welche den Orient bereisen, um die verschiedenen jüdischen Unterrichtsanstalten zu inspiziren und die leitenden Persönlichkeiten in Europa auf etwaige Mängel aufmerksam zu machen. Herr Konsul Simon hat auch hier Beweise gegeben, daß er der schwierigen Aufgabe, welcher er sich mit hochsinniger Bereitwilligkeit unterzogen hat. vollauf gewachsen und ihr zu genügen ernsthaft bemüht ist. Um sich einerseits persönlich zu überzeugen, ob und in welcher Richtung die Elementar- und die Handwerkerschule der „Alliance" auf die Lage der hiesigen jüdischen Bevölkerung eingewirkt hat, und um andererseits von den Rächstbetheiligten selbst zu erfahren, durch welche Mittel dem chronischen Elend der breiten Massen abgeholfen werden könnte, hat Herr Simon eine große Versammlung berufen, zu welcher Vertreter aller Bevölkerungsschichten entboten wurden. Außer den Eingeladencn hatte sich auch eine große Zahl anderer Theilnehmer eingefunden, welche die seltene Gelegenheit ergriffen, um ihre Wünsche und Klagen vorzubringen. Die soziale Lage der — eine genaue Zählung existirt nicht — ca. 2000 jüdischen Handwerker Jerusalems ist die denkbar traurigste, denn die Mehrzahl ist den größeren Theil des Jahres beschäftigungslos. Bei den hier auf allen Gebieten herrschenden scharfen konfessionellen Gegegensätzen gehört es zu , den seltensten Äusnahmefällen, daß unsere Glaubensgenossen von Nichtjuden bei Bauten etc. beschäftigt werden, was nur dann geschieht wenn man sich nicht anders helfen kann; hingegen ist es durchaus keine Seltenheit, daß bei öffentlichen jüdischen Bauten nichtjüdische Handwerker bevorzugt werden. Dazu kommt noch die Konkurrenz der Werkstätten der erwähnten Handwerkerschule, welche, da die Lehrlinge beschäftigt werden müssen, natürlich billiger arbeiten kann und zudem nicht auf Verdienst angewiesen ist. Am schmerzlichsten empfanden es die hungernden Handwerker, daß die im Aufträge der ,,Alliance israelite" u. der „Jewish Colonization Association" aufgeführten, mehrere Hunderttausend Franks betreffenden Bauten . Seitens des Direktors der Handwerkerschule nichtjüdischen Unternehmern übergeben wurden. Die glaubensgenössischen Arbeiter sind überzeugt, daß diese ihre Benachthciligung sicherlich nicht im Sinne der Leiter der „Alliance" und der „I. C. A." geschah, und gaben dem Wunsche Ausdruck, daß ihnen in Zukunft die Arbeiten derselben gegönnt werden mögen. Leider platzten die Geister in der Versammlung so heftig an einander, daß dieselbe zu keinem praktischen Resultat führen konnte. Am Tage darauf hat eine Deputation der Handwerker Herrn Konsul Simon eine Denkschrift überreicht, in welcher sie ihre Wünsche ausführlich darlegten und namentlich die Bitte aussprachen, daß bei den verdienstvollen Unternehmungen der „A. I. U." und der „I. C. A.," wie der Darlehenskasse, Erbauung von Arbeiterwohnungen etc., auch Vertreter oder Vertrauensmänner der Handwerker zu Rathe gezogen werden mögen. (Jüd. Pr.) vermischtes. Berlin. Sein 50-jährigcs. Meistcrjubiläum gedenkt am 6. Juli der Hosbuchbindermeister Alexander Demuth zu begehen. Der bald Achtzigjährige leitet noch in gewohnter Rüstigkeit sein großes Geschäft. Alexander Demuth kam 1841 als armer Handwerksgeselle mit dem Ranzel auf dem Rücken nach Berlin und verstand es, durch eisernen Fleiß .und gewissenhafte Arbeit sich empör zu ringen. Seine Buchbinderei hat einen guten Ruf weit über Berlin hinaus erlangt. — „Der jüdische Student" nennt sich ein neues Blatt, das als „Organ der Berliner jüdischen Studentenschaft' erscheint und von dem Zionistcnsührer Dr. Heinrich Loewe herausgegcben wird. Es trägt das Motto „Für Freiheit und Judenthum!' und will der Hebung gesunden jüdischen Sclbstbcwusscins dienen. — Seine Majestät der König haben Allcrgnädigst geruth, dem General-Direktor der Hamburg-Nmerika-Linie Albert Ball in zu Hamburg den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit der Königlichen Krone zu verleihen. Jnowrazlaw, iS. Mai. Der Achusath-Mreiim-Bcrekn und jüdischer Litteratur-Vercin hielt am 10. ds. Mts. seine General-Vcrsanunlung im Wciß-Hotcl ab. Auf der Tagesorduung war zuerst das Vcrniögen des Vereins festgestellt und dem Rendanten Decharge ertheilt. Für die Ergänzung der Vcrernsbibliothek wurden 100 Mk. bewilligt. Voriges Jahr ist durch Veranlassung der Vorsteherin des israelit. Frauenvercins hiersclbst ein Siechenhaus für unbemittelte, altersschwache Frauen der hiesigen jüdischen Gemeinde gegründet worden. Die Vorflcherm Frau Kommerzienräthm

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