Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1902)
- Date
- 1902-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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trotz der gegenteiligen Versicherung seiner Aerzie und. Pfleger, daß es mit ihm zu Ende gehe. Er glaubte es zu fühlen und ein angenehmes Wohlbehagen durchrieselte seinen von Fieber abgeze^ten Körper bei dem Gedanken, daß es bald aus sein werde mit ihm, daß er bald aufhören werde, vor Sehnsucht nach Sophie sich aufzuzehren. Heute, wo er die Nachricht erwartete, ob sein letzter, sein einziger Wunsch in diesem Leben noch erfüllt werde, ob sich seine vielgeliebte Sophie zu der Reise zu ihm entschließen könne, hatte sich der Schwerkranke trotz des ernsten Abmahnens seiner Wärter gezwungen, sein Lager zu verlassen. Vor sich hin starrend, verfiel er nach und nach in einen traumhaften Zustand. Seine ganze Kindheit zog vor seinem geistigen Auge vorüber. Ein elternloses Kind, ein Findling, wie er war, hatte es ihm als höchstes Glück gedünkt, eine Mutter zu haben, den süßen Mutternamen aussprechen zu dürfen. Als er größer wurde und man ihn in das Eeheimniß seiner Geburt eingeweiht hatte, wußte er wohl, daß sein Wunsch nie und nimmer erfüllt werden könnte, und in der selbstlosen Seele des jungen Waisenknaben lag bittere Wehmuth vermischt mit Sehnsucht, sich wie andere Kinder im Glanze der Elternliebe sonnen zu können. Aus eigener Kraft hatte er den Nebelschleier^ welcher seinen Geist umgeben hatte, durchgeriffen, und sich durch Nachdenken, Lesen und Lernen eine große Intelligenz angeeignet, die ihm auch dazu behilflich war. daß er beim Militär zum Unteroffizier befördert wurde. Ein merkwürdiger Zufall, oder eigentlich die göttliche Fügung, führte ihn in das Haus einer würdigen Matrone, und es schien, daß er durch diese Begegnung, ohne es zu wiffen oder auch nur zu wollen, am Ziele angelangt sei, denn er fühlte sich mächtig zu der alten Frau hingezogen. Abermals die Fügung Gottes ließ diese Frau in ihm, dem fremden Soldaten, den heimathlofen Enkel erkennen, und die Hochachtung und Zuneigung, welche er bisher für die ihm so wohlgesinnte Frau empfunden, verschwand und ließ abermals eine Leere in seinem Herzen zurück. Er konnte sich nicht an den Gedanken gewöhnen, daß -eine reiche Frau, eine Großgrund-- besitzerin, ihr einzig Kind — seine Mutter — hinaustreiben konnte in das Elend, nachdem es zuvor ihn, das kleine Kind, einem ungewissen Schicksale überlassen mußte. Nein, keine Stunde hatte er bei ihr weilen mögen an der Stätte, wo seine Mutter einstens so glücklich gewesen, und die sie als Geächtete, Fluchtige verlassen hatte. Die Enthüllungen der Großmutter, von welchen diese eine raschere Genesung des Rekonvaleszenten erwartete, hatten im Gegentheil einen heftigen Rückfall, eine Wiederkehr des Fiebers bewerkstelligt. Die Aerzte wußten sich mit ihm keinen Rath zu geben. Das Fieber wucherte unter ihren Händen weiter. < Pinchas hatte im Geiste mit dem Leben'abgeschlossen. Nur einmal noch sehen wollte er diejenige, welche vom ersten Tage ihres Daseins an solch' einen Einfluß auf sein ganzes Denken und Fühlen ausübte, welche er, das fühlte er jetzt mehr denn je, mit der ganzen Kraft seiner Seele liebte. Nur einmal noch wollte er sie sehen, wollte ihr sagen, daß er sie liebe und ihr für ihre Freundlichkeit danke. (Fortsetzung folgt.) Freitag, 30. Mai. 23. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Samstag, 31. Mai. 24; Aar. n'nao »n?na Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main. 9 Uhr 20 Min. — Berlin 9 Ubr 14 Min. — München 8 Uhr 53 Min. — Hannover 9 Uhr 26 Mim — Stuttgart 9 Uhr 05 Min. — Vrag 8 Uhr 50 Min. — Stratzburg 9 Uhr 15 Min. — Posen 9 Uhr 02 Min. — Stettin 9 Uhr 18 Min. Der „3Statut* erscheint w8da©sfcSIck sveliael, Mostsss bhö Donnerstsss, jedeSnuck ift mindestens zwei Bosen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. WrLland entsprechend höh». Man abonnirt ganzjährlkch, halbjährlich od» vierteljährlich. Me Buchhandlungen und Postämt» nehmen Bestellungen an. — Des Tuchhandel verkehrt durch T. A StriuarLrr, Leimig, MchMtzlö.— Inserate 25 Pfennig die vieiAespallene Konpareillezelle od» Herr» Raum. Preis der ZrLr im Keclametheil 75 Pfennig. — Direetr Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark od« 16 Kronen österr., fur*S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3793. Telephon 10 lS. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jede» Dienstag und Freitag erscheinende „kleine Au-gu-r deS JSraettt" via Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang d« „Kleinen Ausgabe" läugae Zeit, fs kann man sich für LS Pfennige SaS Diertüjahr, indes ausschließlich bet da Post, ans dieselbe unta Kr. 3792« abonniren. Auf Wunsch firmdsa wir sie Zahlung dsS JrrserttonSSetrsgS aa außer Stelle Befindliche bis aach^ Erlangung einer solche«. ■ l Inhalt (HanpLSlatt): Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Gorresvondenzen: Deutschland: Aus Bayern. Hamm a. d. Sieg. Worms. Oesterreich: Wien. Schweiz: Basel. Genf. England: London. Argentinien: Äuenos-Aires. — Feuilleton': Der Findling. (Fortsetzung.) ™ ..... _ . „ §ühalt der erflso«: Literaryches. Oesterreich: Wien. Rumänien: Bukarest. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Kixüs&^StilGQin: .Sprüche der Väter." — Spenden-Verzeichnifse. Verantwortliche Nedaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^Sraclit", Schottstraße Nr. L Mainz. .v> Druck und Verlag der Job. Alrth'schrn tzofbuchdruckerei Aetien-Gesellschaft in Main». HisrzN drei BsUagerr.