Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1902)
- Date
- 1902-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«Jewish Congregational Union* war. mit Sir Samuel als Präsident und Lord Rothschild als Ehrenpräsident. Es wurde ein einflußreiches Jewish Dispersion Comitee gegründet, zu dem die hauptsächlichsten jüdischen Vereinigungen Vertreter bestellten. Das Programm derselben geht zunächst darauf hinaus, solchen Juden Darlehen zu gewähren, die gewillt sind, auswärts Fabriken einzurichten und in denselben jüdische Arbeiter zu den ortsüblichen Löhnen zu beschäftigen. Ferner sollen solchen jüdischen Familien zinslose Darlehen oder freie Unterstützungen bewilligt werden, die bereit sind, sich an ihnen angewiesenen Orten des Vereinigten Königsreichs niederzulassen, und sich dort den Anordnungen der lokalen jüdischen Vereinigung zu unterwerfen. Endlich soll verschiedenen jüdischen Vereinigungen Geld gegeben werden, um in ihren Distrikten Schulen, Syna- ' zogen und jüdische Begräbnißstellen einzurichten. Der erste Punkt dieses Programms ist gerade jetzt in London von größtem Werth und Interesse, weil man von verschiedenen Seiten die Entfernung der Fabriken aus den Vorstädten Londons nach den Provinzstädten als die einzige Möglichkeit betrachtet, der in London bestehenden Wohnungsnoth abzuhelfen. Das parlamentarische Komitee, das zur Untersuchung der Frage Wohnungsnoth eingesetzt ist, stellte gerade während der vergangenen Woche fest, das man bereits in einzelnen Jndustrieen begonnen habe, Fabriken so weit wie möglich nach den Provinzstädten zu verlegen, und das genannte Komitee ist der Ansicht, daß es sowohl im Interesse der Juden, als auch der Allgemeinheit liege, sich so weit wie irgend möglich sich dieser bedeutenden Bewegung anzupaffen. Die „Jewisb Congregational Union" will aber hier nicht stehen bleiben, sie will dann ferner sehen, den kleinen jüdischen Gemeinschaften, die überall im Lande verstreut sind, so weit wie möglich zu helfen. B. Argen Linien. Brrerros-Aires. Die Kolonie „Mosesville" hat in diesem Jahre eine namhafte Vergrößerung erfahren, indem zu den alten 130 Kolonistenfamilien weiter 31 Familien aus Rußland und 42. Familien aus Rumänien, vornehmlich aus der Moldau, hinzügetreten sind. Mosesville zählt demnach jetzt 204 Familien, welche zusammen über 10,000 Ha. Land urbar gemacht haben. Außer den Kolonisten wohnen in Mosesville noch zahlreiche andere Juden, die als Handwerker oder " Tagelöhner in der Kolonie ein gutes Auskommen fin- / den. Me Gesammtbevölkerung von Mosesville dürfte sich jetzt auf 3000 Seelen beziffern. Die' Hauptein- , nähme der Kolonisten bildet nicht mehr der Getreidebau, sondern .der Anbau der Luzerne,'deren erste Anpflanzung zwar ziemlich kostspielig ist, die aber, einmal * v angepflanzt, viele Jahre hindurch 5—7 Ernten jährlich " 'liefert. Das-Mähen, Sammeln, Pressen. Packen und Verfrachten der Luzerne beschäftigt die Kolonisten und die in Mosesville arbeitenden jüdischen Tagelöhner vollauf das ganze Jahr hindurch. Die Verfrachtung der Luzerne erfolgt auf einem der fünf Bahnhöfen von Mosesville, von denen der von Mosesville-Zentral der bedeutendste ist. Mosesville-Zentral ist daher schon längst kein Dorf mehr, sondern ein . emporblühender Handelsplatz, auf dem ein stetes Kommen und Gehen von Lastwagen stattfindet. Der Anbau der Luzerne, durch welchen die Kolonie von der Gunst der Witterung und dem Ausfall der Getreideernte unabhängig geworden ist, hat auch eine ausgedehnte Viehzucht ermöglicht, sodaß die Kolonie Mosesville jetzt schon 30,000 Liter Milch wöchentlich nach Buenos-Aires liefern kann. Die Kolonie zerfällt jetzt in sieben Gruppen, von denen Mosesville-Süd, Nord, Südost, Nordost und Zentral' für die 78 alten Kolonisten bestimmt sind, während die Gruppe Virginia von zwei und die Gruvpe Wawelberg von 28 jüngeren Kolonisten bewohnt wird. Die neue Gruppe Zadoc Kahn, 31 kürzlich angekommene russische Familien, sowie eine für 42 rumänische Familien bestimmte Gruppe müssen erst noch urbar gemacht werden. Die Gruppe Zadoc Kahn liegt rechts und links einer 30 Kilometer langen Fahrstraße, wobei je vier nebeneinander liegende Häuser von der nächsten Häusergruppe durch einen Zwischenraum von je 220 Acres Land getrennt sind. Die neuen Kolonisten sind gegenwärtig damit beschäftigt, unter Leitung älterer Kolonisten mit Hilfe von großen Dampfpflügen den jungfräulichen Boden umzugraben. Dassels ist in der für die rumänischen Juden bestimmten Gruppe der Fall, nur daß die Rumänen den Boden mit kleinen, mit einem einzigen Ochsen bespannten Pflügen, aufmachen. /-9 e u i 11 e t o «. Grrzählrrrrg t>on Babette Fried, 10] „Freilich waren diese Umstände höchst ungewöhnliche." entgegnete der Rabbi, „aber die Wege Gottes sind räthselhaft und dessen Schickungen uns Sterblichen unbegreiflich; doch alles wird sich aufklaren zu feiner Zeit. Ich muß Ihnen gestehen, lieber Temitz, daß der Pinchas. als ich ihn in der Schule kennen lernte, einen recht unvortheilhaften Eindruck auf mich gemacht hat. Er schien mir geistig nicht ganz normal zu. sein, ein reines Rachmones. Jahr für Jahr besuchte ich diese Gemeinde, inspizierte die Schule, indem ich die Kinder einer Prüfung unterzog, konnte aber bei. dem Pinchas keine Spur irgend welchen Verständnisses entdecken. Bei der Unzahl von Kindern, die mir wahrend