Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1902)
- Date
- 1902-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rabbiner geradezu Katze und Maus zu spielen. Alle Anstrengungen, von der politischen Behörde eine authentische Aufklärung über das wirkliche Bekenntniß des Mannes zu erlangen, blieben erfolglos. Das sind Zustande, die nachgerade unerträglich werden! Sie sind nur möglich, weik"Linestheils in maßgebenden jüdischeü- Kreisen noch immer ängstlich an dem unbegründeten Vorurtheil festgehalten wird, daß eine Namhaftung der Konversionen ein Chilull haschem oder ein Anreiz zur Nachahmung wäre. Die Namen der aus dem Judenthum ungetauft oder getauft Ausgetretenen sollen und muffen veröffentlicht werden. Schweiz. - Basel, im Mai. (Jüdisches Waisenhaus.) Gegenwärtig läßt die israelitische Gemeinde auf dem ihr von der Regierung verkauften Bauplatz an der Gotthelfstraße nahe bei der Allschwilerstraße ein Waisenhaus erbauen. Der Vau wird einstöckig aufgeführt; er zeigt eine Frontlänge von 40 Meter. Das Parterre enthält die Wohnüng des Verwalters, einen Speise- und einen Spielsaal. In dem über dem Parterre erbauten Stockwerke sind die Zimmer für die Waisen untergebracht. Die Gemeinde zählte im vergangenen Jahre 28 Waisen. Der Bezug des Gebäudes soll in nächster. Zeit erfolgen. Genf, 10. Mai. Der „Daily Mail" wird gemeldet,. daß hier eine große Schaar polnischer und deutscher Juden, zum großen Theil Landarbeiter, auf der Rückreise von Jerusalem eintraf. Der Führer der Leute erklärte, daß der Ansiedelungsversuch in Palästina mißglückt sei. Der Boden um Jerusalem sei sehr arm und habe eine klägliche Ernte geliefert. Außerdem befinde sich der ganze Handel in den Händen der Muhammedaner und die Bevölkerung kaufe lieber von ihren Religionsgenossen, als von den Juden. Auch die Eisenbahntarife seien sehr hoch und machten einen Profit unmöglich. (Die Wahrheit der hier wiedergegebenen Nachrichten wurde auf der jüngst hier stattgehabten Zionistenversammlung auf das Entschiedenste in Abrede gestellt. Es wäre wünschenswerth. wenn man sich von Palästina aus über diese Sache äußerte. Red. d. „Israelit.) England. London, 38. Mai. Eine ebenso bedeutungsvolle wie intereffante Konferenz jüdischer Damen, die sich besonders der Armenpflege in London und anderen großen Städten Englands angenommen haben, wurde dieser Tage hierselbst abgehalten. Die Sitzung wurde mit einer Eröffnungsrede der Präsidentin, Mrs. Nathaniel Louis Cohen eingeleitet, die zunächst die zahlreich besuchte Versammlung willkommen hieß, und auf die besonderen Zwecke der diesmaligen Konferenz hinwies. Dann übernahm Mrs. Bischoffsheim den Vorsitz und Mrs. H. Lazarus hielt zunächst einen Vortrag über die Krankenpflege in jüdischen Distrikten; dann folgte eine Abhandlung von Mrs. Motel über die Pflege kranker Armen. In einem weiteren Vortrag über die Wohlthätigkeit der Frauen von Manchester ließ sich Mrs. Salis Simon, darüber aus, daß die Damen in der genannten Stadt dadurch die Sanitätsbehörden sehr unterstützten, daß sie die armen Juden- -samilien in ihren Häusern aufsuchen. Miß Hannah Hyam hielt einen Vortrag über die Organisation der Ärmenunterstützung. . ' ui.-?;i-.i Die Nachmittagssitzung, die unter dem Vorsitz der Lady Rothschild stattfand, wurde mit einem Vortrag von Lady Battersea eröffnet, die die Hülfsleistung illustrirte, wie sie von der jüdischen Genossenschaft zum Schutze von Mädchen und Frauen ausgeübt wird. In einem anderen Saal, unter dem Vorsitz der Mrs. Ernest L. Franklin, hielt Mrs. Morris Josephs einen Vortrag über Mode und Philanthropie. Sie wies auf den Kontrast hin, der zwischen jenen Tagen, wo die Frauen glaubten, daß ein Zusammenschnüren der Taille bis auf 18 Zoll wichtiger sei, als das Studium der Hygiene, und den praktischen Ansichten des heutigen Tages besteht. Zum Schluß ermahnte die Rednerin die Anwesenden, daß sie nicht vergessen sollten, jedesmal, wenn sie arme Juden besuchten, diese zu erinnern, daß sie Alles versuchen sollten, um dem Judenthum Ehre zu machen, sie sollten sehen, gute Staatsbürger zu sein und ihre freie Zeit so verwenden, daß sie sich bessern und nicht verschlechtern könnten. Gerade die Damen der besser situirten Stände sollten ernstlich den Versuch macken, eine Brücke über den Schlund zu bauen, der die Reichen von den Armen trenne und der künstlich weiter gemacht worden sei, als er thatsächlich sein müsse. Mrs. B. A. Elkin sprach darüber, wie Mädchen den Armen helfen können, sic sprach über das Werk Miß Oktavia Hill's und stellte Miß Lily Montagu zum Vorbild. An jeden einzelnen Vortrag reihten sich eine Anzahl interessanten Besprechungen. - B. . .• London, 34. Mai. Eine interessante Bewegung macht sich neuerdings unter den Juden Englands bemerkbar, und dieselbe wird aller Wahrscheinlichkeit nach sich noch weit über das Judenthum hinaus bemerkbar machen. Die große Klage derer, die sich gegenwärtig gegen die Einwanderung fremder Juden nach. England wenden, läuft darauf hinaus, daß diese fremden Juden sich in einzelne Stadttheile zusammen drängen und so gewissermaßen den dort ansässigen Engländern die Lebensbedingungen erschweren. Bevor die königliche Kommission eingesetzt wurde, die jetzt die Frage der Fremdeneinwanderung untersucht, hatte schon Sir Samuel Montagu einen Plan ausgearbeitet, um diese Ansammlungen von Juden an einzelnen Punkten zu zerstreuen und die Bewohner derselben über das ganze Land zu verbreiten. Um die Einzelheiten dieses Planes zu Verathen, hatte die „Federation of Minor Synagogues" — deren Präsident Sir Samuel ist -—Delegirte von London und den jüdischen Bezirken anderer Städte zu I einer Konferenz berufen, deren Folge die Gründung der