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Der Israelit · 1902-05-26 · Heft 42 (26.5.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 42 (26.5.1902)
Date
1902-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Hamm a. d. Sieg, 18. Mai. Heute Vormittag war unsere Gemeinde Zeuge einer erhebenden Feier. Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Mols aus Köln, weilte auf Einladung des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde hier . und erfreute uns durch einen Vortrag in unserer schönen Synagoge. Derselbe hatte zum -Grundgedanken: Aufklärung über das Wesen des Judenthums, Hinweis auf die Nothwendigkeit des Festhaltens am altüberlieferten Glauben und des Zusammenschlusses aller glaubenstreuen Israeliten. Redner wies in meisterhaften Worten auf den in unseren Tagen leider ausgebreiieten Jndifferentismus im jüdischen Leben hin, der hauptsächlich. dadurch hervorgerufen würde, daß es de: „Jugend an der nöthigen Kenntniß des Judenthums und seiner Gesetze fehle." Ganz besonders macht sich dieser Mangel bei den auf dem Lande in kleineren Gemeinden wohnenden Israeliten fühlbar; diesem Uebel zu steuern, sowie zur Hebung und Förderung aller zu den Grundsäulen des traditionellen Judenthums gehörenden Gemeinde-Einrichtungen die helfende Hand zu bieten, ist dringendes Bedürfniß. Und um dieses Ziel zu erreichen, ist der „Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands" in's Leben gerufen worden, um den Gemeinden mit Rath und Thak zur Seite zu stehen. Der Verein bezweckt, wenn ihm im Laufe der Zeit genügend Mittel zur Verfügung stehen, insbesondere alle jene Gemeinden m a t e r i e 11 zu unterstützen, die nicht in. der Lage sind, alle diese notwendigen Institutionen aus eigenen Kräften zu bestreiten. Es verfolgt demnach der Verein große, erhabene Zwecke, er ist bestrebt, für das Gesammtwohl zu wirken und Gutes zu schaffen. Es ist Pflicht eines jeden Israeliten. durch Opferfreudigkeit diese gute Sache zu fördern. - Dieser Apell wurde unterstützt von den dem Vortrag sich anschließenden Worten des Herrn Max Hirsch- Hamm, der sich um das Zustandekommen der heutigen Feier, sowie überhaupt um die Sache des Vereins sehr verdient gemacht hat. ferner von Herrn Lehrer Stamm- Hanlm, der in warmen Worten seine Gemeinde zM Beitritt 'dufforderte, sowie von Herrn Tobias aus Betzdorf. Die Anwesenden traten fast vollzählich dem „Verein für die jüdischen Interessen" als Mitglieder bei. . ' Auch unsere Nachbargemeinde Altenkirchen hatte es sich nicht nehmen lassen, den Herrn Rabbiner ebenfalls zu einem Vorträge einzuladen. Derselbe veranlaßte auch dort eine imposante Kundgebung. Unterstützt von Herrn Lehrer S a l o m o n und dessen Sohn, Herrn Referendar Salomon, sowie den Vorstandsmitgliedern der Gemeinde. gelang es auch hier, die Zuhörer für die heilige Sache zu entflammen und auch hier schloß sich eine große Anzahl dem Vereine an. Möge es mit Gottes Hilfe recht bald gelingen, den „Verein für die jüdischen Interessen" so zu kräftigen und zu stärken, daß er in der Lage ist, seine Aufgabe in wünschenswerther Weise zu beginnen; möge vor Allem die Ueberzeugung sich Bahn brechen, daß es eine gute Sache ist, die des thatkräftigen Mitwirkens eines jeden Jehudi werth ist. rra® msa ns» das Bewußtsein, etwas Edles geleistet zu haben, wird der schönste Dank sein, und rrure rr-mc atb der Erfolg wird die Mühe krönen. ‘ Worms. Der Jahresbericht des „Jsr. Unterstutzungsvereins" (4L Vereinsjahr) ist erschienen. Er richtet einen warmen Appell an die hiesigen Israeliten, im Hinblick auf die segensreiche Wirksamkeit des Vereins die Verminderung der Einnahmen durch Tod und Wegzug von Vereinsmitgliedern durch neue Beitrittserklärungen auszugleichen. Mit Freuden konstatirt der Bericht, daß zur Vertheilung Mk. 1088.50 eingegangen seien, während der unangreifbare .Kavitalfiock sieben Gaben im Betrage von 1550 erhielt. Im abgelaufenen Vereinsjahr wurden 1800 Gaben verabreicht und dafür Mk. 3644.40 verausgabt. Die Gaben erhielten 1059 Arme vom Ausland, 177 Arme vom Inland, 185 verschämte Arme, 48 hiesige Arme, 331 Handwerker. Die Einnahmen u. Ausgaben balanciren mit Mk. 5980.18. Das Vermögen des eisernen Stockes beträgt 29,048 Mark. Hoffentlich wird der Aufruf des Vorstandes von Erfolg begleitet sein. . Oesterreich, y Wien, im Mai. Der Mahnruf, daß die jüdische Gesellschaft die Abtrünnigen nicht länger in ihrer Mitte dulde, hat tiefen Eindruck gemacht. Aber umihm praktische Wirksamkeit zu geben, müßte man die ehrenwerthen Herren kennen, die nach einem solchen Schwure, wie er ihnen bei der Konversion auferlegt wird, noch schamlos genug sind, unsere Gesellschaft zu suchen. Denn auch das ist ein bezeichnendes Moment ihrer Gesinnungslumperei. daß viele von ihnen den Glaubenswechsel im Geheimen vollziehen und „sich nicht zu erkennen geben." Es kommt nicht selten vor, daß die Familie erst nach dem Tode des Angehörigen, erst bei der Bestellung seines Leichenbegängnisses den erfolgten Abfall erfährt. Sie wandeln unter uns, sie heucheln uns Zuneigung und Liebe, mit dem furchtbaren Schwure auf den Lippen, daß sie verabscheuen und verdammen, was wir heilig halten, wofür unsere Altvordern Jahrtausende gelitten und gestritten haben, wofür wir selbst noch immer leiden und streiten. Sie sind unsere Feinde und wir kennen sie nicht. Eine ubelangebrachte Milde und Nachsicht bewahrt sie vor der Entlarvung. In keiner Confeffion als der jüdischen kommt es vor, daß Convertiten aus ihrem Uebertritte ein Gebeimniß machen können. In einer Kultusgemeinde im äußersten Nordwesten Oesterreichs vermochte ein Gemeindemitglied jahrelang das Matrikelamt über seine» und seiner Kinder Glauben zu täuschen und mit dem

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