Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1902)
- Date
- 1902-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Äusschußsitzung ab. Fast alle größeren Kulkusgemeinden — wir vermißten nur Würzburg und Regensburg — waren durch Delegirte vertreten. Am vorausgehenden Sonntag tagte die Konferenz bayerischer Rabbiner, und als greifbares Resultat dieser eingehenden Berathungen begrüßen wir die baldige Herausgabe eines Religionsbuches für die höheren Klassen des Gymnasiums, welches Herr Rabbiner Dr. Groß aus Augsburg auf Anregung der Konferenz verfaßt hatte und das die allseitige Zustimmung fand. Auf ein an Seine Kgl. Hoh. den Prinzregenten abgesandtes Huldigungstelegramm erfolgte huldvolle Antwort. Die Verhandlungen des Landesvereins begannen um V/2 Uhr und währten ohne Unterbrechung bis nahezu 7 Uhr. Den Vorsitz führte mit bewundernswerther Ausdauer der um das bayerische Judenthum hochverdiente erste Vorsitzende, Herr Justizrath Gunzenhäuser- Fürth, der stellvertretende Vorsitzende, Herr Geheimrath Josephthal, war leider durch Unwohlsein an der Theilnahme verhindert. Dem Jahresberichte entnehmen wir folgende Daten: An Unterstützungen wurden im Jahre 1901 für 66 Gemeinden 7340 Mk. bewilligt, sodaß die Summe der in den sieben Jahren des Bestandes dieses Vereins gewährten Unterstützungen 45,733 Mk. beträgt. 3390 Mk. der pro 1901 bewilligten Gelder dienten Unterrichtszweäen, 1116 Mk. verschiedenen Kultuszwecken, 900 Mk. zu Synagogenbauten, 1000 Mk. zu Lehrerpensionen. Ein unschätzbarer Dienst ist damit der Erhaltung und dem Fortbestehen jener kleinen und kleinsten Gemeinden geleistet, die ohne diese Hilfe ihre wichtigsten Institutionen eingehen lassen müßten. Nach kurzer Debatte genehmigte die Versammlung aus dem Reservefond, der aus den vor einigen Jahren für die vertriebenen Rumänen gesammelten Geldern geblieben war, 4000 Mk. für dringende Unterstützung, falls eine neue Hilfsaktion für unsere armen Glaubensbrüder in Rumänien eingeleitet werden sollte, oder Hilfe im Lande selbst nöthig würde. Nach weiteren geschäftlichen Mittheilungen, so über die persönliche Intervention des Vorsitzenden zu Gunsten der bayerischen Elementarlehrer, folgte das hochinteressante Referat des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Landesvereins, Herrn Rechtsanwalt Ofner-München über die Arbeiten, die Taktik und Erfolge der Abwehrkommission. Diese Kommission (Vorsitzender Herr Rabbiner Dr. Werner-München) steht zum Zwecke des Rechtsschutzes überall in Bayern, wo die jüdische Religion und wo Juden um ihrer Religion angegriffen werden, unentgeltlich mit Rath und 'That zur Verfügung. Lebhafter Beifall lohnte die von Liebe und Begeisterung für das I denthum getragenen Ausführungen, denen sich eine vankenreiche und fruchtbringende Debatte anschloß. .raus wurden 63 Unterstützungsgesuche (Res. Herr Justizrath Gunzen? Häuser) erledigt. Trübe Bilder über die Ärmuth uni» das Elend von kleinen Gemeinden, von Kultusbeamten und dienstunfähigen Religionslehrern wurden in diesen Zahlen vorgeführt. Ueberall wurden die verlangten Summen (im Ganzen 700 Mk.) genehmigt. Zum ersten. Male kamen auch die von Herrn Bankier Bloch-Nürnberg gestifteten 300 Mk. (Zinsen aus einer Stiftung) zur Vertheilung und wurden dieselben zwei alten, dienstunfähigen Religionslehrern zugesprochen. , . Eine andere Nachtseite, ein Gegenstück zu der von feindlicher Seite verbreiteten Sage vom jüdischen Reichthum, lernten wir kennen in den Referaten des Herrn Rabbiner Dr. Ziemlich und des Herrn M. L e b r e ch t - Nürnberg, die den Bericht der Kommission zur Regelung der Armenpflege erstatteten. Die lebhafte Debatte, an der sich die Mehrzahl der Delegierten betheiligte, hatte einen positiven Erfolg. Es wurde beschlossen: 1) das von Herrn Lebrecht, dem verdienten Vekämpfer des Wanderbettels, geschaffene „schwarze Buch" an den bestehenden Kassen einzuführen, und Erfahrungen zur Vervollständigung der Liste dem Verfasser zu übermitteln, 2) auf Antrag des Herrn Greif- . Nürnberg (unterstützt von Herrn Rabbiner Dr. Kohn- Ansbach), zu versuchen, die wenigen in Bayern beheimateten jüdischen Wanderer ansässig zu machen.' Nun fand der von Herrn Kommerzienrath Gallinger befürwortete Antrag, die Arbeiterkolonie Weißensee zu subventioniren, lebhaften An klang. Nachdem Herr Ofner die Kompetenz des Vereins aus den Statuten klargestellt, erfolgte die erstmalige Bewilligung von 200 Mk., an die nur die Bedingung sich knüpfte, daß auch Kolonisten aus Bayern Aufnahme finden. Auf Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Eckstein-Bamberg wurde die Kommission erneuert, welche die Aufgabe hat. für alte Friedhöfe in aufgelösten oder der Auflösung nahen Gemeinden ausreichende Fürsorge zu treffen.;■ Bei den nun folgenden Wahlen wurden Vorstandschaft und Kommissionen in der alten Zusammensetzung wieder gewählt, nur in der Kommission für Armenpflege trat eine kleine Aenderung ein. Als Ort für die nächste Tagung wurde Fürth bestimmt.. . \ Damit war die reiche Tagesordnung erledigt.' Ein Mitglied des Ausschusses votierte sowohl Herrn Justizrath.Gunzenhäuser den Dank der Versammlung für die umsichtige Leitung, als auch der Gemeinde . Gunzenhausen für die gastfreundliche Aufnahme. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß die.Einnahmen dieses so eminent wohlthätigen Vereins einen kleinen Rückgang zu verzeichnen haben. Vielleicht tragt dieser Bericht dazu bei, die.Kenntniß von der Wirksamkeit des Landesvereins in weitere Kreise zu tragen und dem edlen Zwecke neue Freunde zu erwerbend- . . & 2). in'fc