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Der Israelit · 1902-05-26 · Heft 42 (26.5.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 42 (26.5.1902)
Date
1902-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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-i- I- 886 vh ' Anders gestaltete sich die Sachlage, als Alexander der Große siegreich in das Morgenland vorgedrungen war. Die Schlagbaume, welche den Westen und Osten bis dahin von einander getrennt hatten, waren mit einem male niedergeriffen. Die Juden wurden auch mit den materialistischen Theorien der griechischen Weltweisen bekannt. Die Gegnerschaft gegen die offenbarte Lehre gewann nunmehr eine neue Gestalt. Aus dem weiten, unabsehbaren Gebiete dumpfer Instinkte wurde sie jetzt auf das scharf umgrenzte der Erkenntniß hinübergestellt. Die Sadduzäer waren die ersten, welche diesen Einflüssen nachgaben. Sie behaupteten zwar, ursprünglich jüdische Ueberzeugung zu vertreten.' In Wahrheit waren es jedoch heidnische Philosophen, denen sie blindlings folgten. Wenn sie zwar der schriftlich überkommenen Lehre auch fernerhin die Geltung zugestanden, so war das trügerische Spiel, in dem sie sich bewegten, für jeden, der etwas tiefer blickte, ohne weiteres klar. Schon Maimonides hat diesen Sachverhalt mit voller Deutlichkeit erfaßt. Er meint, daß auch das . schriftliche Gesetz den Sadduzäern ebensowenig etwas galt, wie die Überlieferung. Allein politische Rücksichten geboten ihnen, ihre Ansichten nicht ohne Vorbehalt verlautbar zu machen. Sie. hatten sich hierbei desselben Kniffes bedient, wie ihn etwa Jerobeam seinerzeit angewendet hatte, als er den Kälberdienst unter dem Währspruch o'-flfc pso "fkvn it?rr *pntot njn. „da hast du, Israel, deine Götter, die aus Egypten dich geführt, geißelte. (I. Kg. 13, 28.) Die dem Heidenthum Ergebenen hatten mit ersterem, was sie erstrebt, auch erreicht, die dem Alten Anhangenden waren durch letzteren wenigstens nicht vor den Kopf gestoßen. Hier gerade zeigten unsere Weisen, wie sie der neuen Gestaltung der Dinge sich als vollkommen gewachsen erwiesen. Den Erfordernissen der Zeit ent sprechend, trafen sie ihre Maßregeln. Wie anders hatten sich doch die Dinge seit dem letzten Zusammenstoß mit einer dem Judenthum feindlichen Richtung unter Serubabel gestaltet. Damals wollten die Samaritaner sich in die in der Gründung begriffenen Gemeinde ein - drangen. Das waren die eigentlich „verheideten Juden," von denen Herr Dr. Jakob so viel zu fabeln versteht. Diesen Sachverhalt weiß unsere biblische Urkunde durch eine einzige Wendung schlagend an's - Licht zu rücken. Sie be^mpteten dtqi W» fa« „Ihm gelten unsere Opfer'(Esr. 4, 2). indeß die Massora in höchst verblüffender Einfachheit an . dessen Stelle das K'tib setzt:.bra inur «k. „Nicht ihm gelten unsere Opfer/ Damals beschränkte man sich darauf, die unberufenen Eindringlinge kurzer Hand zurückzuweifen. Zu einer , grundsätzlichen StÄlungnahme dagegen lag keine Veranlassung vor. Anders jedoch lag die Sache, als die Sadduzäer den Streit auf das Gebiet der Erl'nntniß verlegten. Hier mußten Grundsätze gegen Grundsätze ausgespielt werden.. In diese neugefchaffene Lage der Dinge versetzt uns die letzte Mischna des Traktates Berachoth. --7 . bpbpvo ntzwn -iy£D*öi». vnjBHpMBr -W212 '2wn bz obm jo nmoix •rw w'pm ms rrtzre nVun px ran pmn nbwrt Tjn „Ursprünglich wurde im Heiligthum bei jedem Segen — Gott als Der von Ewigkeit her gepriesen. Als die Abtrünnigen (die Sadduzäer) ihr Unheil anstifteten, indem sie behaupteten, daß es nur ein Erdenleben gäbe, ward die Einrichtung beschlossen, daß man Gott als Den preise, der sowohl über diese als jene Welt regiert." Hier haben wir. das erste Beispiel dafür, daß eine Ueberzeugung, welche bisher nur durch das fromme Pflichtenleben zum Ausdrucke kam, ans seiner ursprünglichen Form losgelöst und als ein Grundsatz reli- * giöser Erkenntniß verkündet wurde. Von diesen Gesichtspunkten fällt auch auf den unmittelbar sich anschließenden Bericht der angezogenen Mischna ein helles Schlaglicht: tji obo n'vn nt? nx bsiv nh» x.ie» wpnm „Es wurde weiters die Anordnung getroffen, daß man seinem Nächsten unter Anrufung Gottes den Friedensgruß entbiete." Offenbar gehören beide Einrichtungen derselben Zeit an. Für die erste, ist die Veranlassung ersichtlich, für die andere dagegen fehlt jede Handhabe. Geben wir jedoch zu, daß es sich von- Anbeginn darum gebandelt hatte, die Irrlehren der Sadduzäer vom Standpunkte der Erkenntniß zu bekämpfen, so kucktet die Folgerichtigkeit des Verfahrens .sofort ein. Die Weisen wußten wohl, daß die Sadduzäer mit ihrer Leugnung eines jenseitigen Lebens nur die eine Hälfte ihrer Ueberzeugung zum Ausdrucke gebracht, die andere dagegen — aus sehr durchsichtigen Gründen — unterdrückt hatten. Denn die Annahme wäre denn doch gar zu ungereimt, daß die Seele nur, nachdem sie durch den Tod von dem Leibe sich losgelöst, von der Fürsorge Gottes aufgegeben werde, iydeß sie hier auf Erden derselben unterstehe. Die Folgerung ist unabweisbar, daß mit jener Leugnung gleichzeitig das Walten einer göttlichen Vorsehung in diesem Leben bestritten ward.. Indem jedoch jeder Friedensgruß im Namen Gottes entboten wurde, gelangte die Ueberzeugung von der über alles und jedes waltenden Göttlichen Vorsehung zu umso entschiedenerem Ausdrucke. .. (Fortsetzung folgt.) ZettrmßsnsHrichten tut* Correspond enze«. D e u t sch lag b. Aus Bayern. Am 19. Mai 1902 hielt der Landesverein für isr. Kultusgemeindrn in dem freundlichen Altmühlstädtchen Gunzenhausen eine zahlreich besuchte

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