Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1902)
- Date
- 1902-07-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1240 wagen, daß die Religion des jüdischen Götzendieners Judenthum sei? Wohl wahr, der abtrünnigste Jude ist und bleibt Jude, denn Jude ist und bleibt ein Jeder, der von jüdischen Eltern geboren ist und dessen Vorfahr am Berge Sinai gestanden u. die Thotapflicht übernommen hat; die Verpflichtung dauert aber fort, wenn auch der Abtrünnige der Pflichten höhnt, und somit ist und bleibt er Jude. — Jude ist also auch der götzendienerische Jude; Jude ist auch der Karait, der Sabbat'äer und Jude ist auch der Neologe, wenn auch seine Religion — wie wir es bewiesen haben — leider lein Judenthum ist. Warum sollte demnach die gedachte Mischehe verboten sein? Unter den Juden untereinander ist die Ehe nur dann verboten, wenn ste nicht in religionsgesetzlicher Weise geschlossen wurde, oder wenn aus ihr m Bastarde hervorgehen könnten. Und weil diese Möglichkeit durch die Ehe mit den Karaiten wirklich gegeben war, so wurde ste auch tatsächlich verboten. Sollten sich die Verhältnisse derart gestalten, daß auch bei den Ehen mit den Neologen Maiern qvitdd min zu befürchten wäre, wird auch da der pnm iD'ü nicht säumen. Auch muß noch bemerkt werden, wenn die jüdische Eheschließung unbedingt einen Rabbiner erfordern würde, kein Orthodoxer die durch einen neologen Rabbiner geschlossene Ehe als vollgültig anerkennen könnte; doch ist dies, wie bekannt, nicht der Fall. — Hoffen wir jedoch, daß der liebe Gott sich seines Volkes erbarmen und unfern verwirrten und verblendeten Brüdern Erleuchtung senden werde, auf daß sie den Abgrund wahrnehmen, in welchen sie, zumeist durch künstliche Mittel irregeführt, geriethen, und so je früher das Wort des Propheten zur Verwirklichung käme: Ich gebe ihnen, spricht Gott, ein Herz und nur auf eine Weise werden sie mich ehrfürchten alle Tage, damit es ihnen und ihren ändern nach ihnen gut gehe. (Jerem. 32, 29.) Vis dahin mögen unsere Neologen getrennt von uns ihrer Wege gehen und sich damit begnügen lassen: sie sind Juden, sie sind auch unsere Brüder und Genossen, wenn aber vorläufig auch nicht unsere Glaubensbrüder und Glaubensgenossen, so sind sie doch Schicksalsgenossen! Wilhelm — 2m pnm — Löwy s. A. wurde in Sarbogard (Ungarn) am zweiten Tage Rosch-Chodesch Jjar, 6636 a. m. geboren als Sohn des dortigen Bezirksrabbiner Ignaz Löwy ton pxn rnrr vb'r*r van und dessen Gattin, der leider im Jahre 6660, am 27. Ab Heimgegangenen und vielbetrauerten Frau Katharine geb. Abeliß s. A. Wurde er von seinem Vater n frühzeitig und zielbewußt in das große Gebiet der rabbinischen Litteratur eingeführt, so hat er besonders von seiner seligen Mutter, in der Geistes¬ und Herzensadel, echte Frömmigkeit und weltliche Bildung zur schönsten Harmonie sich vereimgie, dm klaren, durchdringenden Blick, die Gemüthstiefe und das unerschütterliche, felsenfeste Gottvertrauen geerbt. Durch die treffliche Lehre und Erziehung der Eltern entwickelte sich sehr rasch sein Geist und entfaltete alsbald seine Schwingen. Mit voller Hingebung und Liebe vertiefte er sich immer mehr in das „Meer des Talmud," in seinem 13. Lebensjahre erregten seine talmudischen Kenntnisse die Aufmerksamkeit der Fachgelehrten und mit 19—20 Jahren war er buchstäblich avn pn D'pmsi obgleich er mit den gebieterischen Anforderungen der Zeit Schritt zu halten wußte und über eine umfangreiche profane Bildung verfügte. Mehrere Aufsätze in ungarischer und deutscher Sprache zeugen nicht nur von seiner Begeisterung für die Ideale des Judenthums, sondern auch von seinem tiefen Verständnisse für die Zeitfragen, die in den letzteren Jahren im Judenthume auftauchten. Bei neu erschienenen jüdischen Werken wandte er sich nicht selten mit seinen Bemerkungen an die Verfasser derselben, die sich mit Vergnügen mit ihm in briefliche wissenschaftliche Diskussion einließen. Freilich konnten sie nicht ahnen, daß sie es mit einem Jüngling von 17—20 Jahren zu thun haben! Die Frucht seines Ameisenfleißes und Wissens sind seine mehr oder minder zum Abschluß gebrachten hebräischen Werke: (* pinn rwtia Erklärungen zu den Wochenabschnitten der Thora und den übrigen Theilen der Heiligen Schrift; pbnn pwa tm to ton» piar btwt mW bp bto. Aus seinen nachgelassenen Schriften sehen wir, daß er auch die „Sprüche der Väter" mit einem ausführlichen Kommentar zu versehen im Begriffe war, wie auch eine schön angelegte „Glaubens- und Sittenlehre" in ungarischer Sprache verfassen wollte. - Mit besonderer Vorliebe und Bereitwilligkeit stand er den Armen zu jeder Zeit behilflich zur Seite; er gründete auch den Verein miß Kinn in Sarbogard zur Unterstützung armer Talmudjünger und den Verein v"n fj> zum Ankauf von nian für das j» 6nmn daselbst. _ Seinen eifrigen Bemühungen verdanken ihr Gedeihen und Aufblühen diese Vereine, deren Präses er bis zu seinem Lebensende war. Ihm ist es auch gelungen, u. A. den verstorbenen Baron Wilhelm von Rothschild tot in Frankfurt a. M. zum Mitgliede dieses Vereins zu gewinnen. Seit seinem 16. Lebensjahre lernte er täglich mit dem Vachurim einen Schiur; an den Sabbaten hielt er öffentliche belehrende Vorträge, und aus Anregung seines Vaters bestieg er auch manchmal die Kanzel in der Synagoge. Geradezu wundererregend war seine Eloquenz und sein Organ, denn er war körperlich sehr l; Kess, nach dem Beinamen seines vom rmmo, dessen Biographie aelrt". Jahrg. 39, erschien. *) ---- Vjyp nrrr l'vun Jopn Urgroßvaters, des Verfassers vom Unterzeichneten im ^fsr