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Der Israelit · 1902-07-21 · Heft 58 (21.7.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 58 (21.7.1902)
Date
1902-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1237 sandte zwei in sehr energischen und scharfen Ausdrucken abgefaßte Depeschen an den Gouverneur, in denen die Geistlichkeit für jeden, noch so unbedeutenden Angriff gegen die Juden, verantwortlich gemacht wurden. Dank dieser Vorsichtsmaßregeln ist während des ganzen Monats Moharrem die Ruhe nicht gestört, der seit lange vorbereitete Aufstand gegen die Juden von Hamadan rechtzeitig verhütet worden'. F e u f 11 e t 0 rr. Aus item Tagtbuche eines Wnr's. Von P. Jacod-Kohn. lio „Siehste, das wird Dir ein Jeder sagen," fuhr Tannenbaum fort. „Besondes bist Du, wenn es sich um e Hetz' handelt, gut zu brauchen. Du könntest mir z. B. gleich zu einer helfen." „Was ist's?" fragte Bürger, bei dem das Wort: „Hetze" genügte, seine traurigen Gedanken fahren zu lassen. „Bei was soll ich Dir helfen, Tannenbaum?" „Gar nichts weiter hast Du zu thun, als es mir an.zuzeigen, wenn Dein Freund Krämer e Packl bekommen hat," sagte Tanncnbaum. „Was geht's Dich an?" fragte einer von den anderen Bachurim. . „Ich möcht' ihm gern' e Streich spielen, weil er gar asoi geizig ist," antwortete Tannenbaum. Dieser Kerl bekommt, ich weiß es ganz bestimmt', jede vier Wochen e Packl von zu Haus'. Hat er schoin Einen von Eich dazu eingeladen?" „Ich weiß nix davon," antwortete Licbermann. „Und wir auch nix," sagten die Andern. „Was wollt Ihr mehr," ließ sich Bürger vernehmen, „ich wohn' doch mit ihm' zusammen und seh' doch jedes Packl, welches er bekommt, und sitz' daneben wenn er's aufmacht und doch ist's ihm noch nicht eingefallen zu sagen: „Bürger ess' mit!" Er läßt die Sachen lieber verfaulen." „Nun, sein nächstes Packl wird nicht verfaulen, dafür steh' ich Dir aut!" sagte Tannenbaum mit einem verschmitzten Lächeln. „Bericht mir's nur pünktlich, wenn's angekommen ist, das Andere werden wir in Gesellschaft schon machen." „Du sollst Dich nicht zu beklagen haben," sagte Bürger. „Ich hoffe, es wird bald sein, denn Krämers Mutter hat ihm schon geschrieben, daß sie ihm bald e Packl schicken wird." „Nun gut, dann werden wir von Krämers Packl essen. Aber jetzt kommt heim!" sagte Tannenbaum und erhob sich, was wir alle nachmachten: 18. November 18.. * Heute habe ich die erste Zigarette geraucht. Ich bin zwar zum Rauchen noch zu jung, aber man ist eher kein . wirklicher Bachur, bis man nicht raucht. Ein Bachur ohne Zigarette ist kaum denkbar. Darum rauche ich. r Es schmeckt ganz gut. . : 23. November 18.. Das war heute wirklich eine großartige Hetzet Um zehn Uhr Vormittags kam Bürger zu uns mit der freudigen Botschaft: "Es ist doi! Es ist bot, . das Packl! Grad' vor e Stund war der Briefträger bei Krämer und hat ihm e großartiges Packl gebracht!";v „Gut," sagte Tannenbaum schmunzelnd. „Von diesem Packl werden wir mehr genießen als Krämer. Vor Allem geht heit Kerner, wer e Tag hat,dorthin essen. Nach dem Schiur werden wir uns hier bei mir versammeln. Dann geh'n wir, während Kramer beim Mittagessen ist hinüber in sein' Wohnung und machen uns e Freidetag. Weiß Liebermann und seine Genossen schon davon?" fragte er Bürger. x ". „Nein," sagte dieser. „Dann sei so gut und geh' nur gleich zu ihnen und theil' es ihnen mit, und daß sie nach dem' Schiur Herkommen sollen." befahl Tannenbaum. ' x Bürger ging. Aus dem verständnißvollen Lächeln welches uns Liebermann beim Schiur zuwarf, konnten wir ersehen, daß ihm Bürger alles gesagt und daß er gesonnen sei, sich pünktlich bei uns einznstellen. x Ich hatte heute meine Gedanken nicht beim Vortrag des Rabbi und derselbe schien mir ungemein lang. Meinen anderen Komplizen ging es vermüthlich nicht besser, was schon ihre ungeduldigen Mienen ^verriethen. / x Doch wie Alles ein Ende hat, nahm . auch der Schiur-Vortrag ein solches und wir eilten in unsere Wohnung. Nachdem wir alle beisammen waren und mit Sicherheit annehmcn konnten, Krämer nicht 'zu Hause anzutreffen, gingen wir zu ihm hin. Um keine Vorsicht außer Acht zu lassen, ließen wir Bürger zuerst in's Zimmer treten, und erst nachdem er sich überzeugt hatte, daß Krämer abwesend sei, traten wir ein. „Wer hat e Schlüssel, der zu diesen! Koffer paßt?" fragte Tannenbaum, das Schloß des Koffers besichtigend. „Also her damit!" sagte er dann, die. ihm von den Bachurim dargereichten Schlüssel probirend und mit einem derselben aussperrend. '"/"/TI - „Raus damit!" jubelten die Bachurim, als sie ein Holzkistchen im geöffneten Koffer erblickten. ..Aufgepaßt!" rief Tannenbaum, das Kistcheni auf den Tisch stellend. „Jeder muß thun, was ich jetzt sage: Wir werden uns jetzt über das Packl machen und solange essen, bis wir den Inhalt aufgegessen k«ben. Wenn Krämer, inzwischen heimkommt, muß weiterge- »essen werden, und Niemand darf e Wort reden, bevor Krämer selbst zu reden anfangt. Wenn er sich gift

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