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Der Israelit · 1902-07-21 · Heft 58 (21.7.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 58 (21.7.1902)
Date
1902-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1238 und diese sind doch nicht sämmtlich Juden! Die Gesammtzahl der ausländischen Studirenden an den technischen Hochschulen Preußens beträgt 644 gegenüber 6545 deutschen Hörern. Ebenso ist das Verhältniß an anderen technischen Hochschulen in Deutschland. Und darum Räuber und Mörder! Darum werden die härtesten Maßregeln vorgeschlagen gegen jene unglücklichen jungen Leute, die ein barbarisches Gesetz in ihrer Heimath von allen .Bildungsstätten ausschlieftt, und die nun hierher zu den Quellen deutschen Wissens sich fluchten, in der Ueberzeugung, daß der deutsche Geist solche Engherzigkeit, wie sie im Zarenreiche geübt wird, niemals billigen, noch viel tveniger selbst anwenden werde.,.— Berlin, 14. Juli. Soeben erschien das „Verzeichniß der Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen an den Berliner Gemeindeschulen für das Jahr 1902/03 nebst Mittheilungen aus dem Berliner Schulwesen, 69. Jahrgang." Das vom Berliner Lehrerverein herausgegebene Heft gibt eine erschöpfende Uebersicht des gesammten Schultvesens der Reichshauptstadi. Darnach bestehen gegenwärtig hier 262 Gemeindeschulen mit 4406 Klaffen: diese werden von 212,144 Kindern und zrvar 105,403 Knaben und 106,741 Mädchen, besucht. Die Anzahl der rein katholischen Gemeindeschulen beträgt 22. Bon den Lehrkräften sind 3917 evangelisch, 377 katholisch und 48 jüdisch! Und darum dieser Lärm! Und darum wird die Sache der jüdischen Lehrerinnen an den Gemeindeschulen in den antisemitischen Blättern noch immer mit einem Eifer besprochen, als handle es sich um eine große Gefahr für das Berliner Schulwesen. Und der Standpunkt der Aufsichtsbehörde, daß die Beschäftigung jüdischer Lehrpersonen von der Bedürfnißfrage abhängig sei. gewinnt durch die oben zusammengestellten Zahlen auch eine eigenthümliche Beleuchtung. Berlin, 16. Juli. Unter dem Namen „Jüdisches Kinder-Genesungsheim" hat sich hier ein Verein gebildet, der armen, kranken Kindern jüdischen Glaubens einen mehrwöchigen Aufenthalt in guter Luft bei kräftiger Verpflegung verschaffen will. Beitrittserklärungen, sowie event. Zuwendungen sind an die Schriftführerin, die Lehrerin Frl. Minna Cohn, Fehrbellinerstraße 7, zu richten. . Breslau. Dem Verwaltungsbericht des Verbands-Ausschusses des Bezirks-Gemeindeverbandes Breslau-Liegnitz für das fünfte Geschäftsjahr 1901 bis 1902 ist zu entnehmen: Trotz der vielfachen Inanspruchnahme der Breslauer Gemeinde-Mitglieder durch Vereine und Sammlungen traten 143 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von 1038 Mark unserem Verbände bei. Auch der liberale Verein der Synagogen-Gemeinde zu Breslau trat als Mitglied mit einem Jahresbeiträge von 30 Mk. bei. Die Gemeinden Bunzlau und Brieg erhöhten — da ihnen die Gewinnung von Einzelmitgliedern nicht gelang — ihre Jahresbeiträge auf 60 resp. 30 Mk.; auS Görlitz und Löwenberg trat je ein Mitglied bei; aus Namslau schloffen sich zwei Mitglieder, auS Guhrau vier Mitglieder und aus Winzig fünf Mitglieder unserem Verbände an. Dagegen können wir als rührend schönen Zug erwähnen, daß einige der kleinsten Verbandsgemeinden, um ihre Erkenntlichkeit für den Verband zum Ausdruck zu bringen, ihren Jahresbeitrag erhöhen wollten; wir haben sie selbstverständlich gebeten, hiervon mit Rücksicht auf ihre finanziellen Verhältnisse Abstand zu nehmen. : Während im vorangegangenen Geschäftsjahr die Subventionen an die Verbandsgemeinden den Betrag von MIO Mark erreichten, konnten wir im vergangenen Jahre für diese Zwecke den Betrag von 1760 Mk. verausgaben. Auch auf einem weiteren Gebiete unserer Thätigkeit, der Entsendung von Wander-Predigern und Gewährung von Beihilfen für Vorbeter, waren wir durch die reicheren Mittel im vergangenen Jahre im Stande, mehr zu leisten, als bisher. Im Berichtsjahre 4900/1901 'hatten wir für diese Zwecke 625 Mk. resp. 250 Mk. verausgabt. Die Inspektion des Religionsunterrichts erstreckte sich auf 17 Verbands-Gemeinden. Aus Westpreirßen, 14. Juli. Am 22. v. Mts. fand, im Tempel des Lachmann'schen Instituts in Graudenz eine erhebende Trauerfeier zu Ehren des verstorbenen Rabbiners Dr. Baer statt, der an demselben 28 Jahre lang gewirkt halt. Nachdem einige Traüergesänge vorgetragen waren, hielt Heerr Rabbiner Dr. Lö v y - Graudenz eine ergreifende Rede, worin er die Vorzüge des Verstorbenen, seine große Gelehrsamkeit, seinen Wohlthätigkeitssinn und sein treues Walten an der Stiftung betonte, besonders aber das Verdienst des Verklärten hervorhob, das er sich um die Judenheit der Provinz Westpreußen erworben, indem er auf den edlen Humanitätsgedanken gekommen sei, das Lachmannsche Institut zu einem Waisenhaus für die Provinz Westpreußen zu erweitern. Ja, viele Schwierigkeiten, die sich ihm in den Wege gestellt, hatte er weazuraumen verstanden. Der Name des Dr. Baer wird also als der des Gründers unseres Waisenhauses unvergeßlich bleiben, Möge sein Bestreben für alle Zeit Segen stiften. Chdtknhnen, 16. Juli. (G e s ch ä f t S - I n b i - kaum.) Die hiesige angesehene Speditionsfirma B e r n h e i m & C i e. feierte am Sonntg ihr zehnjähriges Geschästsjubiläum unter ihrem neuen Inhaber. Herrn B. Freidberg, unter dessen Aegide das Geschäft zu seiner jetzigen Blüthe und Ausdehnung gelangt ist. Das ganze Personal, junge Leute und Faktore, erhielt aus Anlaß dieser Feier von dem Jubilar das doppelte Monatsgehalt ausgezahlt. Den ältesten Faktor der Firma, welcher schon viele Jahre vorher unter dem

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