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Der Israelit · 1902-07-21 · Heft 58 (21.7.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 58 (21.7.1902)
Date
1902-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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die bis dahin nicht bezahlt worden ist, ist aufgehoben und eine Leue Vertheilung des Landes sichert dem Aermsten wieder seinen gerechten Äntheil an den Liebesgaben des Schöpfers aller. Der Schnitter soll etwas für den Nachleser stehen lassen, sogar dem Ochsen, der da. drischt, darf das Maul nicht verbunden werden. Ueberall, in allen Dingen, ist die herrschende Idee die unserer guten Hausregel — „Leben und leben lassen.* Und die Religion, mit der diese bürgerliche Staatskunst so eng verbunden ist, zeigt verwandte Züge: aus der Brüderschaft der Menschen entspringt die Vaterschaft Gottes. Wenn auch eine erbliche Priesterschaft Leibehalten ist, ist doch das Gesetz in seiner Fülle dem ganzen Volke verkündet. Und wenn wir unter Formen. Symbolen und Geboten den Gedanken suchen, dessen Ausdruck sie sind, so finden wir den großen unterscheidenden Grundzug der hebräischen Religion, der sie durch eine so weite Kluft von den Religionen, unter denen sie auswuchs, trennt, in ihrem Nützlichkeitsprinzip, Anwendung des göttlichen Gesetzes im menschlichen Leben. Das höchste Wesen ist nicht eine Gottheit der grauen Urzeit und der' fernen Zukunft, die weit außerhalb unseres Bereiches droben in den Wolken thront, — sein höchstes Wesen ist vielmehr Unser Gott, unser, die wir heute leben, ebensowohl als der Gott unserer Urväter und seine ewigen Gebote bringen Glück denen, die sie befolgen, und Unglück denen, die sie vergessen — in diesem Leben. Das Fehlen irgend eines Hinweises aus ein zukünftiges Leben in den mosaischen Büchern ist nur durch die Deutlichkeit verständlich, mit der diese Wahrheit aus ihnen heraustritt. Nicht kann den Hebräern des Exodus vertrauter sein, als die Lehre von der Unsterblichkeit. Das Fortleben der Seele, das Gericht nach dem Tode, die Belohnungen und Strafen des zukünftigen Lebens waren der Gegenstand selbst egvptischen Denkens und egyptischer Kunst. Aber die eine Wahrheit kann verborgen, oder durch die Stärke, mit der eine andere erfaßt wird, in den Hintergrund gedrängt werden. Und die Lehre von der Unsterblichkeit, so sehr sie auch in den tiefsten Tiefen der Menschenbrust begründet ist, kann so vermengt werden mit niederem . Aberglauben, und kann von Schlauheit und Selbstsucht zu einem so mächtigen Werkzeug der Unterdrückung gemacht und so mißbraucht werden, daß ste dem ernsten Geiste des sozialen Reformers als ein Mittel zur Un- . terdrückung, als eine Fessel des Geistes, als ein Linderniß für jeden wahren Fortschritt erscheinen muß — ein. Lügengewebe, mit dem die Schlauen die Leicht- - gläubigen umstricken. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele muß 'N großer Deutlichkeit unter dem hebräischen Volke beenden haben. Aber die Wahrbeit, die Moses so entschieden in den Vordergrund stellte, auf welche sein. Können konzentrirt war, ist eine Wahrheit, die oft von der Unsterblichkeitslehre beiseite geschoben worden ist und welche vielleicht manchmal auch auf sie zurückwirken mag. Er lehrt, daß die Handlungen der Menschen ihren Lohn finden in dieser Welt und daß eine Nemesis existirt, die mir nimmer müdem Fuß und erbarmungsloser Hand jedes nationale Verbrechen verfolgt und die Sünden der Väter heimfucht an den Kindern — wenn es auch dem Einzelnen in seiner beschränkten Einsicht oft scheinen mag. daß das Unrecht belohnt wird und die Bösen straflos ausgehen. Es lehrt den engen Zusammenhang zwischen den Individuen und der Gemeinschaft. von der er einen Theil bildet, er zeigt, wie in einem gewissen Grade alle leiden unter der Sunde des Einzelnen, und das Leben eines jeden beherrscht ist von Bedingungen, welche die Gesammtheit ihm auferlegt. - - .?. - ■- - ' - Die hohe Wertschätzung dieser Wahrheit giebt den mosaischen Einrichtungen einen so praktischen und lebenswahren ' Charakter. Ihr Genius, .wenn ich ko sagen darf, verläßt die abstrakten Spekulationen, in denen der Gedanke sich so leicht verliert und vergeudet, oder nur in Symbolen Ausdruck findet, die schließlich den Aberglauben begründen, er beschränkt sich vielmehr auf die Gesetze, die das Glück oder das Elend der Menschen auf dieser Erde bestimmen. Ihre Lehren haben nie dem Egoismus des Einsiedlerthums gedient, der einen so hervorragenden Grundzug des Brahmaismus und des Buddhismus bildet und von welchem das Christenthum und der Islam sich nicht freigehalten .haben. Sein Gebot war niemals: „Frage nichts nach der Welt, um deine eigene Seele zu retten", sondern vielmehr: „Erfülle deine Pflicht in der Welt, daß du glücklicher seiest und die Welt besser." Er verschmäht auch die gesundheitlichen Vorschriften nicht, die zum Wohle des Leibes dienen. Seine Verheißungen lauten auf Frieden und Ueberfluß und Länge der Tage, auf stattliche Söhne und anmuthige Töchter. (Schluß folgt.) ZMurrgsnaHrichten und Correspondenzen. Deutschland., Berlin, 16. Juli. Eine statistische Zusammenstellung über die größten technischen Hochschulen in Deutschland ist für uns von besonderem Werth, da die Klagen über die starke Vermehrung des russisch-jüdischen Elements an diesen Hochschulen nicht verstummen wollen. Wie wenig Berechtigung diese Klagen haben, geht aus folgenden Zahlenangaben hervor: die technische Hochschule zu Berlin wird von 3141 Studirenden in diesem Sommer besucht. Darunter sind 88 Russen —

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