Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1902)
- Date
- 1902-05-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kunstdenkmälern angehört, wie fie in ähnlicher monu-. mentaler Weise in Deutschland nur noch an zwei Plätzen, in Speyer und Andernach, vorhanden sind; auch in Worms befindet sich eine ähnliche Anlage unter der romanischen Synagoge; ste ist aber zugeschüttei. Außerhalb des deutschen Reichs ist als älteres Beispiel noch das Judenbad in Prag zu nennen. Das Friedberger Judenbad hat schon seit Jahrzehnten das Interesse der Architekten und Kunstverständigen*) auf stch gezogen, sowohl wegen seiner charakteristischen, technisch bedeutsamen Anlage, als auch wegen seiner Formensprache, die, obwohl das Bad urkundlich erst 1350 erwähnt wird, zweifellos der frühgotischen Zeit angehört und uns die kulturgeschichtlich bemerkenswerthe Thatsache bestätigt, daß das Judenthum des gothischen Zeitalters, ähnlich wie in der Zeit des romanischen Stils (vergl. Synagoge zu Worms) christlich-germanischer Formen sich auch für seine Kultusbauten bediente und hierin mehr als in neuerer Zeit auf dem Boden der jeweiligen'Kunst seiner Zeit stand. Seiner Bestimmung nach diente das Bauwerk als Frauenbad rituellen Zwecken. Es ist im Grundriß quadratförmig, 6,3 Met. im Lichten weit, annähernd 23,5 Met. tief. Der Waflerstand ist ungefähr 4 Met. An den Seiten führen Treppen durch mehrere Geschosse bis zum Wasserspiegel hinab. Die Unterwölbungen der Treppenläufe bestehen aus einschenkeligen Bogen, die von schlanken Säulen und Konsolen mit zum Theil reich mit Blattwerk versehenen Kapitälen gestützt werden. Das Judenbad in Friedberg ist wohl die jüngste der obengenannten Anlagen, aber auch die künstlerisch bedeutsamste. Als deßhalb im Jahre 1875 das Grundstück des Judenbads, das-damals in Privatbesttz sich befand, verkäuflich wurde, unterbreitete der Historische Verein für das Großherzogthum Hessen auf Veranlassung seines Mitgliedes, des bekannten Kunsthistorikers, jetzigen Geh. Hosraths Prof. Dr. Schäfer-Darmstadt, der Großh. Regierung eine Eingabe zum Schutz oder Ankauf des Judenbades. Die Regierung brachte der Angelegenheit lebhaftes Interesse entgegen und stellte mit Genehmigung des Großherzogs den damals geforderten Kaufpreis von 800 bis 900 Guld. zur Verfügung. Die Erwerbung scheiterte jedoch an den plötzlich gesteigerten Anforderungen der Besitzer und in Folge des Dazwischentretens eines Frankfurter Privaten. Aus dessen Hände scheint das Judenbad wieder in den Besitz der israelitischen Religionsgemeinde zu Friedberg Lbergegangen zu sein. Die bauliche Unterhaltung des Bauwerks war indessen in den letzten Jahrzehnten stark vernachlässigt worden, so daß eine allmähliche Zerstörung desselben in Folge des Lockerwerdens des Steinverbandes und anderer ernster Bauschäden zu befürchten war. Da hieraus gleichzeitig eine Gefahr für die das Bad besichtigenden Fremden — in der Mehrzahl Nauheimer Kurgäste — entstand, so nahm Ende 1898 auf Veranlassung ihres technischen Referenten, Geh. Oberbaurath - Hofmann, die Großh! Regierung von Neuem die Ge- . legenheit wahr, dem Bauwerk, insbesondere seiner Instandhaltung, ihr Interesse zuzuwenden. Ungefähr zu gleicher Zeit hatte die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt «. M. den Bauleiter der Friedberger Stadtkirche, Architekt Kratz, mit, der zeichnerischen Aufnahme des Judenbades zum Zweck einer Publikation betraut. Hiermit waren zugleich neben den schon bestehenden Aufnahmen aus früherer Zeit sehr brauchbare Unterlagen zur Erkenntniß de8 jetzigen baulichen Zustandes sowie für eine sachgemäße Wiederherstellung desselben gegeben. Ein von dem für die Leitung der Wiederherstellungsarbeiten in Aussicht genommenen Architekten - Kratz ausgearbeiteter Kostenanschlag ergab, daß für die vollständige Wiederherstellung des Bauwerkes mindestens 13,000 Mk. erforderlich sein würden. Da die alsbaldige Aufbringung einer solch bedeutenden Summe durch die zunächst Betheiligten aussichtlos erschien, trat der Gedanke auf, zunächst nur die unbedingt nothwendigen und dringlichsten Herstellungen auszuführungen, wofür nach Angabe, des Architektm ein Kostenbetrag von ca. 5600 Mk. ausreichen müßte. Zur Deckung der. Kosten wurde folgender Ausweg gefunden: Die hessische Regierung, in Würdigung der hohen Bedeutung des Baudenkmals in künstlerischer und kunsthistorischer Beziehung hat einen einmaligen Staatszuschuß von 2600 Mk. zugesagt. Die Eigenthümerin, die israelitische Gemeinde zu Friedberg, hat sich bereit erklärt, einen Beitrag von 1500 Mk. zu den Wiederherstellungskosten zu leisten und die künftige ordnungsgemäße Unterhaltung zu übernehmen. Die Gesellschaft: zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt endlich stellte ebenfalls einen Beitrag von 1600 Mk. zur Verfügung. So wird durch ein gemeinsames Züsam- , mengehen der betheiligten Faktoren eines der interessantesten Baudenkmäler des Großherzogthums Hessen nicht nur vor dem augenblicklichen Verfall bewahrt bleiben, sondern einer dauernden Erhaltung zugeführt werden. Immerhin erscheint es dringend erwünscht, daß die gesammten, von dem Architekten ursprünglich auf 13,000 Mk. veranschlagten Herstellungsarbeiten zur Ausführung kämen, damit nicht nur die unmittelbar gefährdeten Theile ausgebessert werden könnten, sondern damit für das ganze Bauwerk von vornherein eine auf alle Theile sich erstreckende Fürsorge ermöglicht würde,. deren es in Folge der jahrzehntelangen Verwahrlosung so sehr bedarf. - > ' Vielleicht vermögen es diese Zeilen, daß sich noch' mehr Freunde jüdischer Kultur, jüdischer Bauweise finden, die da» zunächst von den Betheiligten in so erfolgreicher Weise eingeleitete Werk durch Bereitstellung