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Der Israelit · 1902-05-12 · Heft 38 (12.5.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 38 (12.5.1902)
Date
1902-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gehen werden, die ökonomische Lage zu verbessern. Vor dem Kriege lebten daselbst 25,000 Juden; von diesen waren in Transvaal selbst 15—16,000, 7500 in der Kapkolonie und der Rest in Natal, Rhedesia und den anderen Gebieten. Die Lage derselben hat sich während der Kriegszeit natürlich sehr verschlechtert. Aber es ist zu hoffen, daß sie unter der britischen Herrschaft, wo sie die volle bürgerliche Freiheit genießen, die sie unter den Buren nie hatten, wieder zur Ruhe gelangen werden. Die Zahl von 25,000 Juden unter mehr als 850,000 Andersgläubigen ist gewiß keine allzu große. Es ist deßhalb begreiflich, wenn man unter den veränderten Verhältnissen Südafrika als ein für weitere Kolonisation besonders geeignetes Gebiet in's Auge zu fassen geneigt ch. enilletott« er Windling. Kvzäprung von Gsbette Fried, U r cr g. 7) ■ ' „Ja, alle, aber schauen Sie, den Herrn Führ' haben sie hergebracht — ganz krank. Er ist bis auf die Haut naß geworden und hat unterwegs Fieber gekriegt. Der Herr Regimentsarzt ist gleich darauf gekommen und hat gesagt, daß er eine Lungenentzündung bekommen kann. Jetzt legt ihm ein Soldat kalte Umschläge auf.- — . Die alte Frau war mit einem Sprunge aus dem Bette. Mit fast jugendlicher Behendigkeit kleidete sie sich rasch an, und eilte in das Giebelzimmer hinauf, welches man dem jungen Manne als Wohnung eingeräumt hatte, und wohin man jetzt den Kranken gebracht hatte. Die Gedanken stürmten in. dem Kopfe der Greisin in fast unheimlicher Eile. So sollte ihr gar kein Glück mehr hienieden beschieden sein! Im Verkehre, mit diesem jungen Manne sah sie für sich ein neues, schönes Dasein beginnen. Sie hatte sich mit dem Gedanken getragen, den ihr auf so unerklärliche, wunderbare Weise lieb gewordenen fremden Jüngling zu sich zu nehmen, ihm nach Beendigung seiner Militärzeit den Hof zu übergeben und sich dann zur Ruhe zu setzen. Die Erkrankung desselben drohte alle ihre Pläne zu Nichte zu machen. Sie schien sich verurtheilt zu sein, über alle Diejenigen, die sie liebte. Unheil und Verderben - zu bringen. Der junge Mann, der so rasch ihre vollste ^SyckpaiPe. erworben hatte, und. der ihr selbst eine fast ^kindliche Verehrung . und Ergebenheit entgegenbrachte, '^mußrhr eigenes Verschulden mttbüßen, mutz, zu Grunde ^hen — mcht als Opfer feines Berufes, wie es allgemein heißen würde, sondern um ihretwillen, der von ihr begangenen Sünden wegen. / * Wie unlogisch eigentlich diese ihre Ansicht war. das überdachte sie nicht, als sie, von diesen traurigen Gedanken erfüllt, die steile Truppe hinaufschritt,-welche zum Zimmer des tranken Sooaten führte. * Oben angelangt, klopfte Frau Eva an die Thüre. Auf das „Herein," welches mit seiner sonoren Stimme der Soldat, der zur Bedienung seines Vorgesetzten beordert war, ausrief, öffnete sie mit bebender Hand tue Thüre des Gemaches, an ioelches sich so viele schmerzlich-süße Erinnerungen für sie knüpften. - Auf seinem weißüberzogenen Bette, mit einer leichten Decke zugedeckt, lag mit geschlossenen Augen, schwer und unregelmäßig athmend, der kranke junge Mann. Fieberröthe bedeute seine Wangen und eia heiserer Husten schüttelte in kurzen Pausen den kräftigen Körper, wahrend d..-r kurze Athem nur mühsam und pfeifend aus der schwer arbeitenden Brust hervordrang. Der Kranke harte keine Ahnung davon, daß seine Gönnerin an seinen! Lager weilte, denn sein Denkvermögen war ein gestörtes. Frau Goldbeig schien dem wachhabenden Soldaten in diesem Momente um Jahre gealtert zu sein. Mitleidig schob er der alten Frau einen Stuhl bis zu dem Bette hin. Dcch diese beachtete dies nicht; hatte sie ja nur Augen uno Sinne für den bewußtlos Daliegenden. Voll mütterlicher Zärtlichkeit und Sorge beugte sie sich über den Kranken, um seinen Athemzügen, feinem Herzschlage zu lauschen. Da mit einmmale stieß sie einen Schreckensruf aus und wankte zurück, wäre vielleicht kraftlos umgefunken, wenn sie der anwesende Soldat nicht hätte aufgefangen und sorgsam auf den bereitstehenden Stuhl hätte niedergleiten lassen. Die alte Frau hatte auf der entblößten Brust ihres Lieblings etwas glänzen gesehen, was sie qls einen Schekel erkannte. Diese alte heilige Münze erweckte in dem Herzen der alten Frau eine Fluth der verschiedenarttgsten Erinnerungen. In erster Reihe die Erinnerung an den schönen, aber leider letzten Sederabend, an dem ihr so hochverehrter, geliebter Gatte bei ihr weilte. Der kleinen Selma war es damals gelungen, durch List und Unterstützung der Mutter den Asikomon an sich zu bringen, welchen der Vater in eine Serviette gehüllt, zwischen den weißen Polstern seines Sitzes, Königsthrones. wie er ihn scherzend nannte, versteckt hatte. Nach langem, scherzhaftem Parlamentiren erbat sich das Prinzeßchen die vom Vater als ein Erbstück aufbewahrte altjüdische Münze aus, wofür sie den gestohlenen Asikomon Herausgeber! werde, ohne dessen Verwendung an eine regelrechte Beendigung des Seder nicht zu denken war. Nach Peßach ließ-Goldberg an dem aus seiner Chatulle hervorgeholten Schekel einen silber-

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