Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1902)
- Date
- 1902-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Folgendes zu untersuchen haben wird: 1. Natur und Maß der Nachtheile der unbeschränkten Einwanderung, namentlich in London; 2. Berichterstattung über Einschränkung und Controle der Einwanderung in fremden Ländern und über eventuelle Maßregeln de lege ferenda für England. Der „Standard" erklärt, da die Juden besonders betroffen würden, so sei die Ernennung von Lord Rothschild und Mr. Nathaniel Mayer zu Mitgliedern äußerst angemessen. Die Commission habe unbestimmt gefaßte Klagen auf die bescheidenen Dimensionen wirklicher Thatsachen zürückzuführen. Ohne Zweifel bestehe eine Einwanderung unerfreulichen Charakters, der gegenüber das Gesetz ohnmächtig sei wegen Mangel an jedet Art Befugnissen zur Ausweisung von Fremden. Eine Folge dieser Sachlage fei, daß London nahezu zur Cloake aller mit Anarchisten und Nihilisten gesegneten Nationen geworden. Dagegen sei die Einwanderung fremden jüdischen Proletariats nicht so bedenklich. Zwar lebten diese Elemente zunächst in Ghettos und unterbieten die englischen Arbeiter, aber Viele arbeiten sich empor. Jedenfalls thun dies ihre Kinder, und Niemand wolle nach dem Vorbilde Amerikas die fremden Arbeiter ausschließen, die, wie die vlämischen Protestanten und die Hugenotten, mit neuen Fertigkeiten kamen und damit neue Industrien in's Leben rufen könnten. Nicht das Asylrecht solle beschränkt, sondern bloß der. verbrecherische Emigrant, ausgeschlossen werden, der nicht einwandert, um zu arbeiten, sondern um die Gesellschaft zu bekämpfen. Rumänien. Bukarest, im Mai. Wie die rumänische „Gazeta Conservatore" aus sicherster Quelle erfahren haben will, wird Herr V. Braescu, Redakteur des Regierungsblattes „Liberalul" gleich nach den Festtagen in Begleitung einiger Studenten eine Rundreise durch die Städte der Moldau machen, um Volksversammlungen zu veranstalten, in denen gegen die Juden agitirt werden soll, weil sie angeblich ausländischen Zeitungen über die rumänifchen Zustände Mittheilung gemacht hätten. Dieses Vorgehen sei in 'Uebereinstimmung mit dem Jassyer Distriktspräfekten und nach Meldung an den Minister Sturdza beschlossen worden. Braescu soll bei feiner Rundreise der Unterstützung der Stadtbehörden theilhaftig werden. Ob sich diese Nachricht der „Gazeta Conservatore" bestätigen wird, bleibt abzuwarten. Rußland. Kiew. (Ermordung einer jüdische/r Familie.). Wie berichtet wird, sollen einige Bauetaus Tsiboolew aus Rache eine ganze jüdische Familie ermordet haben. Dem Qberhaupte der Familie war ein Stück Land erblich zu lebenslänglichem Gebrauch zugefallen. Dieses Stück Land verkaufte er an einen Bauern (in der Meinung, es sei erlaubt). Die Behördeverweigerte aber die GültigkeitsbestLtigung, weil der Verkauf rechtsungiltig sei. Der Bauer glaubte sich nun betrogen und vereinigte sich mit mehreren seiner Nachbarn und diese schlachteten die ganze jüdische Famile ab, nachdem sie dieselbe vorher auf die fürchterlichste Weise gefoltert hatten, um zu erfahren, wo das Geld verborgen wäre. Einer der Töchter waren die Augen ausge-, drückt und die Hände abgehackt worden. Die Mörder' sind verhaftet. y > a; > - -r Odessa, Ende April. Das lebhafte Verlangen der - russischen Juden nach landwirthschaftlicher Beschäftigung hat in den letzten Jahren zur Errichtung von. vier Ackerbauschulen, und zwar in Odessa, Orgjejew (bei Kischinew), Mohilew am Dnjeper und Minsk, geführt. Alle diese Anstalten, deren Errichtung mit großen Opfern verbunden war, wurden in der Hoffnung in's Leben gerufen, daß die Regierung den Zöglingen derselben nach Absolvirung ihrer Lehrzeit gestatten werde, auf dem platten Lande zu wohnen und da ihrem erlernten Beruf, dem Ackerbau, obzuliegen. Leider scheint diese Hoffnung sich nicht zu erfüllen. Wenigstens ist eine diesbezügliche Eingabe von der Regierung gar keiner Antwort gewürdigt worden. Ist dieses Schweigen als Ablehnung zu deuten, so haben die Ackerbauschulen als solche ihren Zweck vollständig verfehlt und werden sich darauf beschränken müssen, statt Ackerbauer Gärtner zu erziehen. Wenn also die Juden, denen man zum Vorwurf macht, daß sie wenig die Scholle bearbeiten, Bauern werden wollen, so können sie nicht. \ A f'r i! a. Aus Südafrika, Ende April. Die Aussichten für. die hiesigen Juden erweisen sich unter dem neuen Regime günstiger, als man dies bisher geglaubt hatte. Der „Chronicle" bringt einen sehr interessanten Berichtüber ein Interview mit dem Rabbiner Dr. Hertz in Johannesburg, der von Lord Milner zum Mitglied des beratenden Komitees gewählt worden ist. Nach-der Ansicht dieses kompetenten Beurtheilers bilden gerade die russischen Juden in Transvaal ein Bevölkerungselement, welches sich am besten den. Verhältnissen assimilirt und dem Lande nur zum Nutzen gereichen kann. Von den Vorwürfen, die man den dortigen Juden macht, sind nach den Ausführungen des Dr. Hertz die meisten unberechtigt. Weder bilden die Juden den reichsten Theil der. Johannesburger Stock Exchange, noch haben diese das verbotene, Branntweingeschäft besonders gepflegt. Von 320 Uebertretungen auf diesem Gebiete im letzten Jahre kommen noch nicht 20 auf Juden. Genau so geht es auch mit den anderen Anklagen,, die man gegen sie erhebt. Der Antisemitismus ist in Südafrika nur eine impvrtirte Pflanze, die auf dem Boden des Landes nicht wird gedeihen können, wenn alle betheiligten Faktoren mit Entschiedenheit daran