Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1902)
- Date
- 1902-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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den zu dieser Einsicht gelangt und jeder unbefangene Glaubensgenosse konnte die Wahrnehmung machen, daß in diesen Gemeinden gerade in der Cursaison ein herrliches, jüdisches Leben blüht. Zum Zeichen der Dank-, barkeit befleißigen ssch auch die gesetzestreuen Curgäste, die von jüdischem Geiste getragenen Cultusanstalten nach bestem Können zu unterstützen.) Aus Württemberg. Vor ungefähr einem Jahre verschied in Unterdeufstetten bei Crailsheim der einzige Sofer in Württemberg, Lehrer Eppstein, dessen Heimgang allgemein betrauert wurde. Es dürfte deßhalb an dieser Stelle berichtet werden, daß z. Z. in Württemberg kein Sofer ist. Es wäre darum einem strebsamen Manne Gelegenheit geboten, sich hierzulande (am geeignetsten im Jagstkreise) ansässig zu machen. Der Unterstützung des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner, der gesetzestreuen Rabbiner und der gleichgesinnten Lehrer dürfte derselbe sicher sein. Anknüpfend an Obiges dürfte auf einen allgemeinen Mißstand aufmerksam gemacht werden, der besonders sich da fühlbar macht, wo man in lveiter Entfernung keinen Sofer hat. Das Gebot pa rwvvd vct 1'Z'p wird besonders von pinn cs' auf dem Lande in ungenügender Weise ausgeführt und viele nws rntzva^ gesprochen. Der Eine legt die twn b'v ptz'vn beinahe auf die Nase, ein anderer wirklich ysy pn zwischen die Augen und wieder ein anderer auf die Mitte der glatten Sirne. Der Lehrer, der manchmal belehrend auftritt und sich bemüht, die Leute über die richtige Erfüllung dieser Mizwa aufzuklären, ist leider außer Stande, den pb'vrr bv weiter oder enger zu machen. Es wäre deßhalb eine dankenswerthe und anerkennenswerthe Aufgabe, wenn die Leiter der orthodoxen Lehrerseminarien dafür Sorge tragen würden, ' daß die Seminaristen während ihrer Seminarzeit von einem kundigen Sofer den ptz'vn bv erlernen würden, damit die Lehrer auf dem Lande auch nach dieser Seite manches Gute wirken könnten, denn lat? mxD mxo. Künzelsau (Württemberg). Am cmp na» np örun rae») wurde die hiesige Gemeinde in tiefe Wehmuth versetzt, indem Frau Meta Neumann. eine durch Frömmigkeit, Lebensklugheit und sonstige guten Eigenschaften ausgezeichnete Frau, nach schwerer Leidenszeit in ein besseres Jenseits abberufen wurde. War sie ihrem Gatten eine treubesorgte Lebensgefährtin, ihren Kindern eine liebe- und hingebungsvolle Erzieherin, so verstand sie es auch, durch ihre Menschenfreundlichkeit und stetes Entgegenkommen,-sich in weiten Kreisen beliebt zu machen, wovon auch die rniap die am Sonntag fo'J stattfand, und an welcher sich auch viele Nichtjuden betheiligten, beredtes Zeugniß ablegte. Frau Neumann n-x war viele Jahre hindurch Vorsteherin des hiesigen Frauenvercins und bekundete auch eine besondere Liebe für nr «s dadurch, indem sie selbst gerne hierfür spendete und auch andere durch regelmäßiges Sammeln des Challogeldes für diesen edlen Zweck zu gewinnen wußte. Ihr Andenken wird stets in unserer Mitte ein gesegnetes sein, rravau. Kitzingen, im Mai. Am 17. April beendete der Verein für jüdische Lebensanschauung" das Wintersemester, in welchem wöchentlich zwei Vortrage religiösen Inhalts stattfanden. Die damit verbundene Feier war eine erhebende und wird solche den Mitgliedern des Vereins in steter, freudiger Erinnerung bleiben. Nachdem Herr Kahn-Mainstockheim seinen Vortrag über die Sederordnung in trefflicher Ausführung beendet hatte, bestieg Herr Jacobsohn das Podium, um eine Uebersicht über die Thätigkeit des Vereins während des Winterhalbjahres zu geben. Mit beredten Worten schilderte er die Hindernisse, die sich in mannigfaltiger Art der Gründung des Vereins entgegenstellten; wie solche aber mit Gottes Hilfe beseitigt wurden. Hierauf dankte er allen denjenigen, die sich um den Verein verdient gemacht, insbesondere den beiden Hauptrednern, welche abwechselnd jede Woche in uneigennützigster Weise ihre Kräfte und ihre Kenntnisse dem Verein zur Verfügung stellten, und zwar den Herren Kahn-Mainstockheim und Lehrer Mannheimer- Dettelbach. Am Schlüsse seines von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Vortrages überreichte Herr Jacobsohn im Namen des Vereins als kleine, bescheidene Anerkennung den beiden Herren ein sehr sinnreiches Geschenk und zwar je ein Ehrmann „Durchs Jahr" und „Hirsch's Thephillo"^ Mit bewegten Worten dankten beide Herren für die ihnen erwiesene Aufmerksamkeit, die sie weder gewollt noch erwartet hatten. Hierauf sprachen noch einige Herren, auf den Schlußakt bezugnehmend, womit sodann der offizielle Theil des Abends erledigt war. Noch lange Zeit blieb man dann bei zemüthlicher Unterhaltung beisammen, und trennte sich dann schließlich mit dem Wunsche, daß die Saat, die im Winter gestreut wurde, im Sommer reifen möge und daß bei Beginn des Herbstes sich wieder alle Mitglieder, an deren Spitze unsere beiden Herren Lehrer, zur erneuten Thätigkeit zusammenfinden mögen; welchem Wunsche auch wir uns von Herzen anschließen. Karlsruhe. Anläßlich der Jubiläumsfeier war seitens der Vertreter der hiesigen isr. Religionsgesellschaft eine Adresse überreicht worden, worauf nun ehr äußerst huldvolles Handschreiben Sr. Kgl. Hoheit der Graßherzogs an Vorstand und Rabbinat gelangt ist. :? ' Engl a n d.; London, im April. Die Agitation gegen tue ' schrankenlose Einwanderungs-Freiheit hat zur Ernennung einer königlichen Kommission geführt, die