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Der Israelit · 1902-05-12 · Heft 38 (12.5.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 38 (12.5.1902)
Date
1902-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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- -3 - *' 818 gar leinen Zweifel bestehen. Es sollte damit dem allgemeinen Bewußtsein die Wahrheit stets vor Augen gehalten werden, '"ws orm vrrsnm ww '2. pwi H 's „daß das Land Mein ist, daß Ihr nur Fremdlinge und Schutzbefohlene bei Mir seid." Für den Gedanken, daß wir nicht irdischer Natur, sondern dem Himmel angehören, somit unsterblich find, gibt es keinen entschiedeneren Ausdruck. Hieraus spricht die Ueberzeugung unserer Unsterblichkeit so überwältigend zu uns, daß ein bloßes Lippenbekenntniß, mit dem stch andere Religionen in diesem Belang abfinden, demgegenüber stch kaum wie ein schwacher Schatten ausnimmt. Es ist sehr bezeichnend, daß der Pflichtenkreis der itry überall voransteht und dann erst wvsVv und n’prr folgen (so 5. B. M.. 4. 45 und 6,20). Dieselben werden dadurch als die grundlegenden Überzeugungen hingestellt. Erst indem der Israelit diese Wahrheiten als die treibenden Kräfte seines Lebens bekennt, davon stch in seinem Denken und Handeln bestimmen läßt, gewinnt das in den beiden anderen Pflichtenkreisen, den v'Levs und trprt dargethane religiöse Thun — erst Sinn und Werth. Durch diese schlichte Formulirung erhält das jüdische Zeugniß des Glaubens selbst etwas von dem Geiste der Ewigkeit eingehaucht. Indem es an den Vorgängen der. Natur stch darsiellt, wird es der Unverwüstlichkeit theilhaft, von der diese selbst getragen ist. Indem es in die Vorgänge der Zeit sein Gewebeeinschlägt. wird ihm etwas von deren Schrankenlosigkeit zu Theil. Hier liegt auch die Bürgschaft seiner ewigen Dauer und Giltigkeit. So gewiß, als die menschliche Forschung niemals über die- Schranke der Natur und der Zeit hinausdringen wird, so gewiß ist es, daß die Grundüberzeugungen des Judenthums, welche dieselben weit überragen, aller menschlichen Weisheit gegenüber nicht als widersprechend, sondern als überlegen stch erweisen werden. - Auf Grund des Dargethanen scheint die Vermuthung statthast, daß diese Art, das Gesetz zu betrachten, deren Grundzug darin ^steht, daß seine Gedanken unter den Gesichtspunkt der Ewigkeit gerückt werden, es war, welche den wesentlichen Lehrgegenstand in den Schulen unserer Propheten bildete. Wenn Gott den Propheten beauftragt: nt&i nim crnn rnum ive „Bewahre wohl die Bezeugung, lege die Thora unter Siegelverschluß bei meinen Jüngern" (Jes. 8, 16), so soll damit gesagt sein, daß er angesichts der Gefahren, die der Zukunft drohen, darauf Bedacht nehmen muffe, nicht bloß den Inhalt der Thora, sondern auch den Geist, von dem er getragen ist, wenigstens in dem engen Kreise. seiner" Jüngerstcher zu stellen. Im Uebrigen äußert auch Maimonides Möre.nebuchim L B., Kap. 38, eine ähnliche Ansicht. ' Lasten wir diese Annahme gelten, so erscheint damit eine andere Stelle Unseres Propheten, an welcher stch.die Ausleger vergeblich abmühen, in ihrem wahren Lichte. Im Kap. 28, B. 10 und 13 macht der Prophet den geistlichen Führern den Vorwurf, daß ihnen das Wort Gottes so? *rjn w ytt tjä ip w ne 'o als ein Gemengsel erscheint „von Satzung um Satzung, Vorschrift um Vorschrift, bald ein wenig hierhin, bald ein wenig dorthin." Was will denn dieser Borwurf eigentlich besagen? Wer soll denn damit getroffen werden? Erst wenn wir zugeben, daß der Prophet selbst von einer höheren Auffassung getragen, begreifen wir, wenn er über die Rückständigkeit der berufenen Führer des Volkes seinen Groll ausgoß. Aus der Erkenntniß wie aus der Bethätigung der Thora war selbst in bessergesinnten Kreisen der Geist geschwunden. Solcher Art konnte die Lehre der Thora den Lockungen und Verführungen des Heidenrhums gegenüber kein entscheidendes Gegengewicht bieten.' Daher kamen selbst die auf den Wegen Gottes Einherschreitenden nicht aus den fortwährendenSchwankungen heraus. Sie ermangelten derjenigen Festigkeit und Geschlossenheit, die nur eine sicher gefügte Ueberzeugüng zu verleihen vermag. (Fortsetzung folgt.) Zerkmgsnachrrchte» rrrrd Correspoirdenzerr. Deutschland. Berlin, im Mai. Das „Berliner Tageblatt" bringt in der Abendausgabe vom 7. Mai folgendes Telegramm auS Washingtons „Auf eine Interpellation des Deputierten Goldfogle, ob die amerikanischen Bürger jüdischen Glaubens in Rußland unterschiedlich von anderen behandelt würden, erwiederte Staatssekretär Hay: eine Unterscheidung würde einen sofortigen Protest zur Folge haben; der Regierung sei es nicht bekannt, daß die amerikanischen Juden vor der russischen Gefetzverwaltung anders standen, als die Juden anderer Nationalitäten." Die Antwort ist ein Kunststück diplomatischer Verdrehungskunst. Die Anfrage hatte offenbar den Zweck, feststellen zu lassen, ob in Rußland amerikanische Juden gleiche Rechte haben, wie Amerikaner anderen Glaubens. Die Antwort sagt: in Rußland werden amerikanische Juden wie Juden anderer Nationalität behandelt; d. h. also: beinahe vogelfrei. Dem Deputirien Gokdfogle ist somit vom Staatssekretär Sand in die Augen gestreut worden. Goldfogle hat das nicht gemerkt, wahrscheinlich, weil er die Verhältnisse in rRußland nicht kennt. Sonst hätte er sich wohl bei der 'Art der Beantwortung seiner Interpellation nicht beruhigt. •-•••- - G. G. Berlin, 9. Mai. Für das Schlachthaus der Stadt Angermünde war unter dem 14. April 1894 eine Betriebsordnung erlassen worden, in der Bestimmungen f -i

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