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Der Israelit · 1902-05-07 · Heft 37 (7.5.1902) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 37 (7.5.1902)
Date
1902-05-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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jypL glauben. Doch es kam anders. Ein orthodoxes Bethdin erhielt vom Kultusminister den Auftrag: Dr. Spira einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen und ihn zu autorifiren. Der arme Prediger, der unglücklich: Märtyrer der ungarischen Sprache sollte ex offo rehabilitier werden. Dr. Spira war in seinem eigenen Netze gefangen; er mußte der ministeriellen Weisung gehorchen. Das Manöver hat nun eine andere Wendung genommen. Der sonst streitbare, mit echt magyarischer Energie ausgestattete Geistliche wurde klein, bescheiden, man kann sagen: demüthig. Er betheuerte seinen spiegelblanken Charakter, seine tiefe Frömmigkeit und versicherte, stets nur in orthodoxem Sinne wirken zu wollen. Man möge ihn betrachten svps. Der Bedauernswerthe stand auch vor dem pn’a mit der unschuldigen Miene eines ntosp svp, da ereilte ihn aber das Verhängniß, das, nach einem sinnigen Worte der Weisen, jeden itnjr pap trifft. Von dem neugeborenen Kinde wird nämlich im Talmud erzählt: xrp p’3 ntirn bs rc&ai vb bv mvn *]»6d nbu>n trab' sobald es in die Luft der Welt tritt, wird es von einem Mal'och so empfindlich berührt, daß es die ganze Thora vergißt. Das Veth-din war in bester Laune und dachte garnicht daran, bei Dr. Spira den Maßstab eines echten min p anzulegen. Die primitivsten Fragen, die ein pop *vna jeder ungarischen Jeschiba vielleicht beantworten könnte, wurden an ihn gerichtet. Dr. Spira hat keine einzige Frage korrekt beantwortet. Er verwechselte ivamit NB">v, rein und unrein und bekundete eine seltene Virtuosität aus dem Gebiete des marun cj?. Der bekannte Mal'och hat ihm einen Schabernak gespielt. Für den Minister sowohl, wie für jeden einsichtsvollen Menschen war Dr. Spira als „Rabbiner" eine abgethane Sache. Inzwischen stellte es sich heraus, daß der gute Mann, der sich in ruhigen Zeiten als Schüler des Hildesheimer'schen Seminars ausgegeben, überhaupt niemals regelrecht zum Rabbiner autorisirt ist. Dr. Spira sympatisirt aber mit den Orthodoxen, ganz besonders, wenn diese ihm eine so reich dotirte Stelle wie in Miskolcz bieten. Auch ist er nicht der Mann, der sich von einigen Blamagen und erlittenen Schlappen einschüchtern ließe. Der seiner Rabbiner- Würde entkleidete ungarische Prediger spekulirt noch weiter, mit dem Einfluß seines Protektors, des Advokaten und Vorstehers der großen Miskolczer orthodoxen Gemeinde. Gegen die fanatischen Juden wird ein lächerlicher Prozeß mit dem Tempelsitz angestrengt. Der Vorsteher, selbst wird die Rolle des Geklagten spielen, ^und scheint, wünscht der Herr Advokat und zu werden. .Eines ist aber gewiß: Wie immer der Prozeß ausfallen wird, verlieren wird kein anderer, als Dr. Spira. Die dem orthodoxen Prinzipe treugebliebenen Juden in Miskolcz wollen nicht die Predigten des „patriotischen Märtyrers" anhören. Und mit Recht.! Die Anstellung dieses Herrn — man mag über die Sache j denken, wie man will — war eine Vergewaltigung der; Orthodoxie. Jeder Sportverein ist auch verpflichtet, im Rahmen des Vereinslebens, die Satzungen des Vereins zu respektiren. Der Miskolczer Kultusvorstand bat die Verfaffung der Gemeinde mit Füßen getreten und will dem ungesetzlichen Zustand durch weitere Vergewaltigungen Popularität verschaffen, rßsn 16 «tu.. Das kann kein Gutes geben. Der ungarische Prediger möge sich vorläufig damit begnügen, daß ihm der Oberrabbiner in seiner Schwäche und Sanftmuth die Kanzel in der großen Synagoge abgetreten hat. Wozu auch die paar gesetzestreuen Juden in der alten, nunmehr renovirten Synagoge terrorisiren wollen?: Was in Miskolcz vorgeht, das geschieht übrigens — wenn auch mit einigen Abweichungen — auch in anderen Gemeinden, wo orthodoxe und neologe Juden von den Friedensstürmern unter einen Hut gebracht wurden. Ueberall beginnt der Druck unter dem Vorwände des Patriotismus mit der „ungarischen" Predigt. Die im Rabbinate ergrauten Rabbiner müssen sich von diesen reformsüchtigen Vorständen die größten Kränkungen gefallen lasten. So war es in Debrezin, wo rin Seminarzögling aus Budapest dem greisen Rabbiner das Leben verbitterte, so ist es in Nyiregyhaza. wo ein verkrachter Neologenrabbiner unter dem Titel eines Volksschuldirektors als Prediger, hineingeschmuggelt wurde; so ist es auch in Neutra, wo ein Gemeindenotar unter verschiedenen Nechtstiteln die Kanzel des Oberrabbiners usurpirt. Und auf diese Weise werden auch in anderen Gemeinden die. Prediger-Skandale inszenirt. Die patriotischen Skandalmacher alle haben nur ein Ziel vor Augen: Die jüdische Orthodoxie rrr zu untergraben! loy nrr env' mb *3 Gott will aber sein Volk nicht verlassen. Zetturrgsnachrtchtett urrd Csrrespondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Mai. Die Petitionskommistion des Reichstages erklärte die mit'mehr als hundert Unterschriften versehene Petition, die. den Reichskanzler auffordert, Klärung über den Konitzer Mord zu schassen, für ungeeignet zur Erörterung im Plenum. Man war Handlung im Plenum verspreche keinerlei Erfolg, sondern würde nur die Gemüther auf's neue erregen. Auch . der Hinweis auf die große Zahl der Unterschriften vermochte nicht, die Mehrheit zu einem anderen Urtheil zu , bringen. . , •: . V

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