Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1902)
- Date
- 1902-05-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449829--55875-2518610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LttllWMtKeSigtt «Mckj. 1 Ein „Prozeß um einen Tempelsitz"'ist jetzt beim Gerichtshöfe zu Miskolcz in Schwebe. Ein Mitglied der dortigen, orthodoxen-Gemeinde, das in der alten Synagoge zu beten pflegte, hat: im neuen Tempel dieser Gemeinde einen Sitz gekauft und klagt jetzt gegen den Ge- 'meindevorstand auf Rückzahlung des Kaufpreises. Der betr. „Baalbos" macht nämlich geltend, -daß er den'Sitz nur detzhalb gekauft habe, um die Predigten des Rabbiners Dr.. Salomon Spira hören zu können. Diesem hat jedoch der. Präses Dr. Gencsi das Predigen im neuen Tempel angeblich deßhalb untersagt, damit einem von verschiedenen Gegnern des Dr, Spira angedrohten 'öffentlichen Skandale im Gotteshaufe vorgebeugt werde. Auf diese Gegner walzt nun der Gemeindevorständ die Schuld,. und man sieht dem Ausgange des Prozesses; mit nicht geringem , Interesse entgegen. ' Man sollte, es gar nicht, glauben, wie man in gewissen „jüdischen" Kreisen vor den verwerflichsten Mitteln nicht zuruckschreät, wenn es sich darum handelt, den „Orthodoxen" resp. der Orthodoxie eiüs am Zeuge zu flicken. Der Fall,S.Pira". ist bekannt und wurde, seinerzeit in diesen Blättern ventilirt. Er ist. eine, natürliche. 'Konsequenz der „Miskolczer" Orthodoxie. Die. maß-: gebenden Faktoren der Miskolczer jüdischen Gemeinde sind leidenschaftliche Neologen. Am aber die dortigen, gesetzestreuen Juden zu täuschen, ließen sich die.Gewalt- >'' Haber herbei, seinerzeit' das orthodoxe Organisation--^ siatut als Basis der Gemeindeverfassung anzuerkennen/ ' Diese Nachgiebigkeit war aber nur ein Mittel, um Leigegebener Gelegenheit das orthodoxe Prinzip mit siche-', -rer Hand äuszuspielem In den meisten Fällen besorgen-, - unsere Neologen dieses/unsaubere‘ Geschäft in der Meise,: - d'aß die gesetzestreuen Juden als Feinde der ungarischen; ' Sprachestitzmatistrt werden. Unter dem'Börwande' des' Patriotismus würde vor einigen Jahren auch der da-' mals in Losonz wirkende neoldge Rabbiner Dr. Spira als „ungarischer" Prediger bestellt. Die orthodoxe Lan- .deskanzlei hat mehrere ungarische Prediger für diese. Stelle empfohlen, selbstverständlich nur solche, die im- . Sinnedes orthodoxen O.rganisationsstatut: hierzu-auch ' -ypalisizirt-sind, d./h, -Kandidaten.- 5.- die -?von.drei, anebr jkan.ntxn.7orthtzdoxen RaMnen-die pöthige Mtorisatiön! ^baben.sH a siNNMen-gher. M'chj/dmHandlangerOer! Mngrssßpa'rtei. -^V.Ämchr -wolltensie -durch dic^Wahl! P^dMLH^^M?EZ»2ßrdisrihoj -rtzoxe- '.KersilssMx^ffiziellerseits rdjvierrtim .armseliger .WÄ'i behandelt--wird. .^i-Die.CMusregieLuügnließ M .Wirklich tWM^ -und-rhrck dierWahbides^ungürischen" Predigers bestätigt. Der Protest der orthodoxen Landeskanzlei hatte keinerlei Erfolg. Nun blieb noch: eines übrig. Der ob seiner Milde und Sanftmuth.bekannte Oberrabbiner von Miskolcz hat in einer schwachen Stunde seine Zustimmung zur Wahl/deS Predigers ertheilt, jedoch „ohne Eintritt in das Räbbinat". Dr. Spira soll predigen — dachte sich der Oberrabbiner — aber Mitglied des „Beth-din" darf er dicht werden. Der Vorsteher Dr. Genest hat es. aber dem neuen Prediger versprochen, ihm die Zugehörigkeit zum Rabbinate innerhalb' eines kurzen Zeitraumes zu verschaffen. Dr. Spira wurde aber schon nach kurzer Zeit ungeduldig und forderte vom Vorsteher die Einlösung ' seines Versprechens. Der Vorsteher gab sich auch alle Mühe, den Oberrabbiner zu terrorisiren, doch mußte es mit der Theologie und Gottesfurcht des Dr. Spira sehr arg bestellt sein, wenn es seinem gewaltigen Protektor nicht gelingen wollte, den sanften -Oberrabbiner für das Predigerlein zu erweichen. Dr. Spira ging: nun auf die Jagd nach „Hatorauth". Es sollen sich auch zwei arme orthodoxe Rabbiner gefunden haben, die dem schlauen Prediger und dem einflußreichen Vorsteher aufgesessen sind. Nachdem aber diese zumindest, unvorsichtigen Rabbiner zur Ueberzeugung gelangten, daß sie mystifizirt wurden, haben sie die ertheilte Autorisatton feierlich und öffentlich widerrufen./ Nun begann neuerdings die Denüncirung der . Orthodoxie. Man „überzeugte" den Minister, daß die Orthodoxen nur deßwegen Gegner des Dr. Spira sind, weil dieser Märtyrer des Patriotismus in „ungarischer" Sprache predigt. Die zwei orthodoxen Rabbiner, hätten selbstredend auch nur d e ß h a l b die von ihnen, bereits ertheilte..Autorisation zurückgezogen. Der Cultus- . minister war über diesen Staatsverrath der Orthodoxen sehr empört und zog-die orthodoxe Landeskanzlei ernstlich zur Verantwortung. Diesmal-hat aber das Pra- : sidium mit größerem Erfolge protestirt/ Die Feindseligkeit gegen die ungarische Sprache seitens derOrthodoxen wurde mit der größten Entschiedenst zurügewiesen. Nicht einmal die religiöse Unverläßlichkeit des Dr. Spira wurde in's Treffen geführt. „Dr. Spira besitzt nicht das nöthige Wissen! Dr. Spira ist nicht äutorisirt!" lautete die neueste Parole, - und die ganze Angelegenheit ist in ein neues Stadium getretew- '' . Der königk. ungarische Kultusminister MassicS M.7..ganz: bestimmt^einer-der. liberalsten'-Staäts'männer Europas-,, jüdischen AngeleMheite^-btzkuysiei ' er' manchesmal eine rührende Mivesäs.’ Die Coterie des nnaarischsn- Predigers M seMtverstandlrch' die' große Gelehrsamkeit Di. 'Shira's auf Ehre, und Gewissen -bezeugte Die patentirten Kultusmachei'' ^nd ge--, aichten Pairioien 'waren' offenbar der Meinung: Der Minister werde nicht aufhören,' ihnen auf's Wort zu