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Der Israelit · 1902-05-07 · Heft 37 (7.5.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 37 (7.5.1902)
Date
1902-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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üeben und das Wirken des Dahingeschiedenen zu schildern, dessen Sarg kurz darauf unter allgemeinem Schluchzen und Weinen in's offene Grab sank. Er ist nicht mehr! v..-' . . ' Vor ungefähr vier Wochen war ich bei ihm zu Tische geladen. Ich sprach voll Begeisterung über eine neue medizinisch-naturwissenschaftliche Entdeckung. Er hörte ruhig zu und endlich sagte er mir mit einem freundlichen Lächeln: „Die Natur gebietet, was der Schöpfer will!" An dieses so schlichte und große Wort, das an sich allein ein ganzes philosophisches System darstellt, dachte ich, als ich traurig und schweigsam dem Leichenzuge Dr. Klein's folgte. Er ist nicht mehr! Aus Deutschland und England waren viele Freunde und Verwandte als Trauergäste erschienen. Unter anderen bemerkten wir Herrn Michel Levy, Schwiegersohn des seligen Rabbiner Hirsch und Herrn Michel I. Levy, Sohn des Herrn Joseph Levy aus London. Wer wird jetzt die Stütze der Pariser Orthodoxie werden? Schlafe wohl. Du großer, guter Mensch! Pi. Ru manien. Bukarest, 3. Mai. In den ersten drei Tagen der nächsten Woche werden dreitausend Israeliten aus allen Theilen Rumäniens über Budapest-Wien nach Rotterdam abreisen, von wo sie auf Kosten der „Jewish Colonisation Association" nach Amerika gebracht und daselbst angesiedelt werden. Amerika. Newliork, im Nissan. Dahier hat sich ein Talmud Thora-Komitee unter Führung der Herren Rabbiner Dr. Ph. Klein, Louis Friedmann und Moritz Philip gebildet, welches die Errichtung von Schulen anstrebt, in welchen ausgedehnter Unterricht in Thora, Mischnah und Talmud gegeben werden soll. . © « « tll« t «. Mer Mindling. - Grzähtung vorr Bavette Fried, 'Frag. ej iVt;. y:' .?v,' Dieser Kontrast! schüchterne Talmudgelehrte und der selbstbewußt austretende Soldat! Und doch verschmolzen ihr diese-beiden Gestalten in eine einzige zufammen. : Der Soldat hatte ^seinen Namen nickt ^genMsIM'mWe'NhMnk7MZKMM«Md. seine Herkunft befragen," vielleicht ist^rein entfernter. Verwandter von ihrem Gottseligen-^ 'nähebesaß er keine mehr, . das wußte sie genau — daß dadurch diese sonderbare Aehnlichkeit in dem Klange der Stimme erklärt würde. Das that sie auch, als sie andern Tages beisammen zu Tische waren. Doch wurde sie nicht kluger daraus. Den Namen, den er ihr nannte, hatte sie nie zuvor gehört, die Familie war ihr gänzlich unbekannt, ebenso der Ort, woher er stammte, und doch hätte sie darauf schwören mögen, ihm schon irgendwo begegnet zu sem. Wo und bei welcher Gelegenheit, das konnte sie freilich aus ihrem alten Kopfe nicht herausbringen. ' . - - V. Das Leben auf dem Goldberg'schen Hofe ging seinen gewohnten Gang, nur daß die Anwesenheit der Soldaten , einigermaßen eine Abwechslung in die Eintönigkeit des Landlebens brachte. Die Einquartirung war den ganzen Tag draußen beim Manöver, Abends kamen die Soldaten schweißtriefend, staub- und schmutzbedeckt, müde, hungrig und durstig zurück. Der „Herr Führ'." wie der Zugssührer benannt wurde, begab sich, kaum daß er seinen äußeren Menschen etwas in Stand gesetzt hatte, in das Wohnzimmer zur Madame, wo für ihn ein gutes Nachtmahl und allerlei Erstischungen vorbereitet waren, und er den Abend im traulichen Gespräche mit der würdigen alten Frau verbrachte. * Die anderen Soldaten, kaum daß sie sich mit Speise und Trank etwas gestärkt hatten, begannen ihre Waffen- und Monturstücke zu reinigen und zu putzen, damit sie am anderen Tag wieder stisch und reinlich ihren Dienst antreten können. Denn der Herr Hauptmann war in Punkto Reinlichkeit und Ordnung ein gar strenger Herr und war mit ihm durchaus nicht zu spaffen. Bei ihren Hantirungen hatten die jungen Marssöhne einen ganzen Kreis neugieriger Zuschauer um sich herum stehen. Denn nicht nur die. ganze Jugend des Hofes von 14 Jahren abwärts fand Wohlgefallen an den in dem einsamen Meierhofe so seltenen, interessanten Gästen, sondern auch diejenigen von den männlichen Dienstboten, welche entweder beim Militär gedient oder noch zu dienen hatten, sahen mit größtem Interesse den Hantirungen ihrer gewesenen oder zukünftigen Kameraden zu. Als das Vieh versorgt und das Geflügel eingesperrt war, gesellten sich auch die Mägde des Hofes . diesem Kreise zu. Natürlich bewegte sich alsdann das Gespräch auf einem anderen Boden. Die fremden jungen Leute begonnen mit den Dirnen zu liebäugeln^ und es hätte nicht viel gefehlt, daß ein ernster Streit mit einem der Heimischen ausgebrochen wäre, welcher ältere Rechte auf dü .Zuneigungder betreffenden Schö--^ .neu. geltend' ma<^^f. ~ ä * Die an Jahren ziemlich vorgerückte.Großmagd machte nicht nur die Vermittlerin in dem ausbrechenden- - - Streif, sondery. wußte, auch aus geschickte . Weise das" Gespräch auf ein anderes ^biet hinüberzuspielen, ein

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