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Der Israelit · 1902-05-07 · Heft 37 (7.5.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 37 (7.5.1902)
Date
1902-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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cv_ r. art, daß dem Kranken mit einer Lanzette einige Tropfen Blut zur chemischen Untersuchung entzogen werden. Der Arzt hatte bereits alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen, als er das „Blutmärchen von der Pramergasse" las.' Ein wohlmeinender chrisilirber Kollege, mit dem er die Sache besprach, rieth ihm von der Vornahme der Blutprobe ab. „Wenn Aberglaube und Dummheit," sagte er, „wirklich so tief in den unteren Volksschichten wurzeln, dann halte ich es für gefährlich, knapp vor den jüdischen Ostern eine solche Operation vorzunehmen, deren Zweck den Laien nicht sofort erkennbar ist und die zu den vollsten Mißdeutungen Anlaß geben kann." Mit schwerem Herzen fügte sich der jüdische Arzt dem Rathe des Freundes, obwohl dadurch die Diagnose erschwert und das Leben des Kindes in Gefahr gebracht wurde. So übt die Bluthetze auch schon ihre bedenklichen Rückwirkungen auf die ärztliche Wissenschaft. Ung a r n. ' Ürmeny (Ungarn). Das orthodoxe Judenthmn Ungarns hat einen großen Verlust zu beklagen. Die. frohe Festesfeier störte die erschütternde Nachricht, daß in N. Surany Herr Oberrabbiner I. Ehrenfeld s.A., Ürenkel.des Chacham Sofer, nach langer, schwerer Krankheit im besten Mannesalter dahingeschieden ist. D.ie ungemein imposante Vetheiligung von Nah und-Fern beim Begräbnisse zeigte einerseits von der großen Bedeutung des Mannes, der uns entrissen worden, und ändererseits auch davon, daß sich hierzulande .noch Thora und Zidkus jener Würdigung erfreuen, welche sie verdienen. Zahlreiche Rabbiner, darunter die ehrwürdigen orthodoxen Oberrabbiner von Budapest. Neutra, Neuheisel, Urmeny, Batorkeß, Nagy Tapolzsany, Sokßelöcze, Vag-Vecse, N. Sallo, Scuz, Galantha u. a., der Rektor der Preßburger Jeschiwa, die Rabbinatsassessoren von Preßburg, Neutra. N. Tapolcsany, Pöstyen u. v. a. Viele talmudische Celebritäten und Vertretungen namhafter Gemeinden und ein mehrtaufendköpfiges Publikum hatten sich eingefunden,, um ihrem großen Schmerze über den herben Verlust des ungarischen Israels Ausdruck zu geben. Im Sinne der halachischen Vorschrift wurden wegen des Cholhamoedtages keine Hespedim gehalten, bloß der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Jsak Leblovits,, schilderte in kurzen aber beredten Worten die großen Vorzüge und Verdienste des Hingeschiedenen, und entlockte seinen Zuhörern eine Fluth von Thränen. An dieser Stelle sei auch dankend und rühmend jener —aufopferungsvollen ^TMtigkeit Erwähnung, gethan. welche die N. Suranyer- GcwLÄbc während der mehr als zwei Monate dauernden Krankheit ihres theuren Seelenhirten entwickelte. Bei dem Gesinnungsadel, welcher diese echte Khilo-Kdoscho von jeher kennzeichnete, läßt sich erhoffen, daß sie die Hingebung für ihren so frühzeitig entrissenen Oberrabbiner noch 'dadurch.' krönen werde, daß sie dessen Schwiegersohn, welcher vermöge seiner großen talmudischen Kenntnisse,, seiner/. ° hervorragenden Fähigkeiten, seiner tiefinnigen Jirah, hierzu so würdig ist, auf den.verwaisten Rabbinerstuhl setzen werden. Die gesammte Meinung der Orthodoxen Ungarns würde diesen Schritt mit Genugthüung be- / grüßen. I. L. T h e o l o g. / > /'- V.. ■. F r a n r r e t. ch.. ■ :'ii PäriS, 4. Mai. Wie in voriger Nummer bereits berichtet, ist Dr. Klein, „der fromme Dr. Klein," wie man ihn gewöhnlich in den hiesigen jüdischen Kreisen zu nennen pflegte, gestorben. Es ist unmöglich, im Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels die Bedeutung und die Wirksamkeit dieses Mannes zu schildern und seiner ganzen Persönlichkeit gerecht zu werden. Man kann auch von ihm mit vollem Rechte das berühmte Wort/ sagen:„ „Voilä. un liornme.“ Ja, er war ein Mann. ,ein Mann in des Wortes vollster und edelster Bedeutung. Auf allen Gebieten, wo ein großer Geist und ein hohes Herz zu wirken vermögen, hat er seine fruchtbare und segensreiche Thätigkeit entfaltet. Von seinem ärztlichen Berus hatte er eine sehr hohe Auffassung. Alle fanden bei ihm liebevolle Aufnahme und freundliche Behandlung.. Sein Ruf als Arzt war so groß, daß selbst Männer und auch ganze Körperschaften, deren .antisemitische Gesinnung wohlbekannt ist, sich stets nur von diesem jüdischen Arzte behandeln ließen. Groß .war er als Jude. Den Lehren seines Vaters, der selbst .eine Leuchte der Judenthums war, ist er bis zum letzten Mhemzuge treu geblieben und sein ganzes Leben, sein ganzes Wirken und Wollen hat er ganz seinen Ideen gewidmet, für deren Sieg zu arbeiten für ihn das größte und höchste Glück war/ Es gibt in Frankreich keine einzige jüdische Anstalt, zu deren Wohlthätern und eifrigen Mitarbeitern er nicht zählte. Für arme Glaubensgenossen war seine Thür stets offen, er freute sich stets, junge Männer, die im Geiste des Judenthums zu leben sich vorgenommen haben, um sich zu sehen, um auf sie veredelnd und erzieherisch einzuwirken. Dieser so gute und große Mann ist am letzten Freitag gestorben. Heute ist er zur letzten Ruhe gebracht worden.- Und die Juden von Paris haben wohl verstanden, welch' großen Verlust sie in der Person dieses Mannes erlitten haben und sie veranstalteten Dr. Klein eine, ganz grandiose Beerdigung, damit der Leichenzug eine Sprache, werde ihrer Liebe, ihrem Schmerze! Nach Tausenden zählte die Menge derer, die von allen Ecken der großen Seinestgdt - Jpotfdem theuren Entschlafenen die letzte Ehre zu erweif^^Allc" jüdischen Gemeinden von Paris waren zahlreich der-, treten. Traurig und ernst war die Stimmung. Auf dem Friedhofe ergriffen einige berufene MäNner das Wort, um in kurzen, kernigen Worten das

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