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Der Israelit · 1902-05-05 · Heft 36 (5.5.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 36 (5.5.1902)
Date
1902-05-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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787 werde. Dann solle man doch von den jüdischen Zöglingen, die in die staatlichen Seminare grundsätzlich nicht ausgenommen werden, eine ähnliche Erklärung verlangen. Sie würden diese gewiß abgeben. Jedenfalls müsse entweder den jüdischen Privat seminaren die Berechtigung ertheilt, oder auf die Errichtung staatlicher jüdischer Seminare Bedacht genommen werden. ' Ein Regierungskommissar erwiedert, daß diese Sache in erster Linie den Reichskanzler angehe, der seinerzeit den staatlichen Seminaren die Berechtigung ertheilt habe. Der Kultusminister könne nichts weiter thun, als die Petition an den Reichskanzler weitergeben, und er empfehle daher die Ueberweisung als Material, zumal darin ja auch eine Befürwortung durch das Haus ausgesprochen werde. Abg. Oeser (D. Vp.) unterstützt den Antrag Nölle auf das Lebhafteste. Die Ungerechtigkeit komme besonders dadurch zum Ausdruck, daß die Zöglinge der privaten christlichen Lehrerseminare jederzeit als vollberechtigte Mitglieder in die staatlichen Seminare eintreten und auf diese Weise die Berechtigung erwerben könnten, wahrend die jüdischen Seminaristen nur hofpitiren dürsten. - Dieser Verstoß gegen die verfassungsmäßige Gleichberechtigung müsse beseitigt werden. Abg. Dittrich (Zentr.) erklärt sich aus den vom Negierungskommissar geltend gemachten Gründen für den Kommissionsantrag, der gegen die Stimmen der Freisinnigen und Nationalliberalen und eines konservativen Abgeordneten^ angenommen wird. Berlin, im Mai. (Iudenthum und Stu - dentenschaft.) Die „Akademischen Blätter," das Organ des „Vereins deutscher Studenten," brachten kürzlich einen Artikel, in dem über den in der Studentenschaft herrschenden Antisemitismus bemerkt wird: „Da können wir denn mit freudiger Genugthuung feststellen, daß die Gedanken, die die Gründer unserer Vereine zuerst vertraten, auf der ganzen Linie in der Studentenschaft gesiegt haben. Die gesellschaftliche Isolierung der jüdischen Studenten ist heute in der' Hauptsache vollzogen. Die gesammten angesehenen Couleurverbände, Korps, Burschenschaften. Landsmannschaften und farbentragende Turnerschaften, sowie die Hauptmasse der schwarzen Verbände, die akademischen Turnvereine, Gesangvereine und wissenschaftlichen Vereine schließen heute die Juden von ihrer Mitgliedschaft aus. Soll unsere Arbeit auf akademischem -Boden zugleich eine That für das Volk sein, so dürfen wir uns nicht damit begnügen. die für unser gesellschaftliches Leben so angenehme Thatsache der Erklusion des Judentbums festzustellen, wir müssen, mit Entschiedenheit auch darauf hinwirken, daß die Ströme jüdischer Denkart, die unausgesetzt vom akademischen Boden zur deutschen Volksseele hinabströmen, mehr wie bisher unterbunden werden!" .; Hierzu bemerkt die „Allgemeine deutsche Universitäts-Zeitung": „Es scheint kauin glaubbar, daß zu Beginn des neuen Jahrhunderts noch Tausende und Abertausende akademisch gebildeter Leute an einer solchen Judenhetze ihr Gefallen finden und nicht nur einzelne, sondern ganze Korporationen und Verbände die Pflege des Antisemitismus sich zur erhabensten Aufgabe stellen."- . - ... . }■-■;:*-? •_ Hamburg, 1. Mai. Der hiesige Metern zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten" hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Gobert ab. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ergibt sich» daß der Verein auch im verflossenen Jahre seine Aufgabe, die Erwerbsthätigkeit der jüdischen Bevölkerung im Hamburgischen Staate auf dem Gebiete der Gewerbe zu fördern, einschließlich solcher Gewerbe, für deren Erlernung besondere Studien nöthig sind, in reichem Maße erfüllt hat. Durch Vermittelung des Vereins wurden 13 Lehrlinge bei geeigneten Lehrherren untergebracht, und zwar vertheilen sich dieselben auf die einzelnen Gewerbe folgendermaßen: Buchbinder 3, Buchdrucker 4, Varbier i, Tapezierer 1, Mützenmacher 1, Schneider 1, Tischler 1, Steindrucker 1, Posamentier 1. Außerdem besucht ein Schützling des Vereins das Polytechnikum und widmen sich noch mehrere der Landwirthschaft. Der Verein, der die von ibm untergebrachten jungen Leute während der Lehrzeit beaufsichtigt und erforderlichen Falles für ihren Lebensunterhalt bis zur geschehenen Ausbildung Sorge trägt, verausgabte im Jahre 1901 für seine Zwecke Mk. 2674.76, während an Zinsen und Beiträgen Mk. 3449.76 vereinnahmt wurden. Karlsruhe. 30. April. Die Herren des Oberraths, welche am Montag vom Großherzog in Audienz empfangen wurden, bei der auch die Großherzoqin und der Erbgroßherzog sich mit denselben liebenswürdig unterhielt. wurden am Nachmittag mit einer Einladung zur. Großherzogl. Tafel und zur Galavorstellung im Theater beehrt. , " - — Für den Oberrath der Israeliten sprach Herr .Hofrath Prof. Dr. Rosin, Freiburg und verlas eine Adresse, welche die Verse 2 bis 8 des 21, Psalms enthalten. Hierauf erwiederte der Großherzog: „Es freut mich, daß der Oberrath gerade den Psalm 21 gewählt hat. Freilich steht in demselben viel mehr, als ich aus mich beziehen kann: aber ich erkenne in der Wahl des Vsalmes den Wunsch, mir eine Freude zu bereiten, und in diesem Sinne danke ich dem Oberrathe herzlich. Auch das hat mich' mit lebhafter Genugthuuna erfüllt, daß Sie meines Großvaters, des Grvß^- berzogs Karl Friedrich gedenken, der ' zuerst die entscheidenden Schritte in den beiden Richtungen aethan bat, die Sie in Ihrer Ansprache bereichnet haben: (Emanzivation und Organisation der Israeliten ' in Baden. Red.) Wenn ich selbst auf diesem Wege weiter-

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