Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1902)
- Date
- 1902-05-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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!;! Ill k' n; fili i '! i!?! i . 43. Jahrgangs etfcigep Jß 36 Wissenschaft oder - Gelehrsamkeit.; - Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. In der letzten Zeit haben einige Gelehrte sich darin gefallen, die Ergebnisse der assyrisch-babylonischen Keilschristforschung auf den Markt der öffentlichen Meinung zu tragen. Me sich denken läßt, konnten Hierbei nur die fertigen Ansichten in Betracht kommen. Das Für und Wider mußte jedoch nach wie vor dem Gedankenaustausche der berufenen Fachleute überlassen bleiben. Ja, es wurde meist der gewichtige Umstand, daß dieselben einem solchen überhaupt noch unterstehen, vollständig verschwiegen. Es hat sich in Folge dessen weiteren Kreisen, die von der obwaltenden Sachlage keine/Ahnung haben, eine erklärliche Erregung bemächtigt. Gesteigert-wurde dieselbe noch durch die mehr als kühnen Herausforderungen, die auf Grund dessen von jener Seite erfolgt sind, die jeden religiösen Standpunkt ganz ohne Ausnahme anfeinden. Bei diesem Stande der öffentlichen Meinung glaubte auch Herr Dr. Jakob in Göttingen eingreifen zu sollen. Am allerwenigsten sollte ihm von unserer Seite aus eine Gegnerschaft daraus erwachsen, vorausgesetzt, daß es ihm darum zu thun gewesen wäre, dem Judenthum in seiner schwer bedrängten Stellung seinerseits Beistand zu leisten. Er jedoch glaubte — man weiß nicht recht, ob in allzugroßer Unter- oder Ueberschätzung seiner Fähigkeiten — einen wissenschaftlichen. Befähigungsnachweis hierzu vorerst erbringen zu sollen. Er hat denselben in zweifacher Hinsicht geliefert. Zunächst zeigte er alles das. was man vom Standpunkte des Reformjudenthums, den er vertritt, preisgeben könne. Eine Offenherzigkeit ward hierbei an den Tag gelegt, die in jenen Kreisen, wenigstens bisher, ohne Gegenstück dasteht. Um derentwillen allein hätte er auf volle Anerkennung den geringsten Anspruch. Denn damit hätte dann das bisher immer noch undefinirbare Reformjudenthum eine greifbare Gestalt gewonnen, die es ermöglicht, daß man dasselbe in das Kreuzverhör des wissenschaftlichen Gedankenaustausches stelle. Ob nun gerade von meiner Seite aus dies unternommen worden wäre, lasse ich dahingestellt.?. '' r . Wenn jedoch .Herr Dr; Jakob bei -diesem 'Anlasse die?/Gelegenheit sozusagen vom Zäune brichk, um die heftigsten und maßlosesten Angriffes Legen das' überlieferungsmyßige, von ihm als orthodox bezeichneie JürN^zü'-Hleudern^.^sp.:7hat -rr.sich dadurch allein In dem Zusammenhänge seiner Aeußerung nimmt es sich fast noch wie eine Höflichkeit aus,-wenn er für j sich und die. Vertreter seines Standpunktes —^ die:; Wissenschaft in Anspruch nimmt, unser Einem jedoch. großmüthig genug — die Gelehrsamkeit zugesteht. Welcher Art die für sich in Beschlag genommene Wissen-?: schaftlichkeit ist, das wird sich bald zeigen. So leistet er--/ sich die ganz unerhörte Behauptung, daß der Talmud-' im wesentlichen eine heidnische, beziehungsweise christ^. /: liche Geistesart darstelle. Diese Behauptung, die alles, was bisher vom Talmud bekannt ist, geradezu auf den - Kops stellt, wird mit einer durch nichts zu, beirrenden?; Sicherheit vorgetragen, ohne daß er auch nur die Verpflichtung verspürt hätte, hierfür den Schatten eines - Beweises beizubringen. Man sollte glauben; 'ein solches. Vorgehen richte sich selbst, zumal wenn es mit. einer nicht < zu verkennenden Gespreiztheit unter dem Namender Wissenschaft Deckung sucht. Allein in jüdischen Dingen ist das ganz was anderes. Es genügt schon, daß einer -; nur den Mund recht voll nimmt. Er hat dann sofort , die Aufmerksamkeit aller Welt auf sich gelenkt! .Was/ Wunder dann, wenn orthodoxes Judenthum von ihm? als ein widerspruchsvoller Unsinn hingestellt wird, von-? der Art etwa, wie wenn Jemand von hölzernem Eisen - reden wollte. Orthodoxes Judenthum iss ihm nichts . denn „verheidetes Judenthum." Das Heidnische in dem» . selben ist ihm aber nicht bloß das talmudische Elements, welches es in sich birgt, wir werden auch das andere^- worauf es sich gründet, die Lehre Moses dazu rechnen; müssen. Denn das Gesetz als Norm für das Leben ist - ihm ebenfalls ein heidnischer Greuel. Glaubt nun Je-- - mand etwa, der Midrasch mit seinen erbaulichen Betrachtungen, seinen sinnigen Parabeln, seinen lehr-/ reichen Erzählungen, werde vielleicht eher vor seinem ge« - strengen Urtheil Gnade finden? Weit gefehlt! Auchin diesem sieht er nichts denn Heidenthum und wieder einmal Heidenthum.- :; "■ - -----'YrSov.,-: Fragt nun Jemand,' ja, was ist denn nun eigent». lich das Judenthum, für welches Herr Dr. Jakob glaubt^ in die Bresche treten zu sollen, so wird.ihm der tief-- sinnige Aufschluß: „Judenthum ist überhaupt keine . konstante Größe, sondern muß seine Form. nach .den außerjüdischen Faktoren, mit denen es sich auseinanderzusetzen hat, von Fall zu Fall wechseln." „Keine konstante,Größe," das ist das einzige Merkmal,.welches die Wissenschaftlichkeit des Herrn . Dr. Jakob dem Judenfhume als' Kennzeichen noch allenfalls, beläßt.-Selbst . mehr '-brauchen'-könnte?-- Denn wie er-dqrühsr.^yeff Zweifel läßt,.' ist auch dieser Glaube-' .durchgüß. ^lchtI MgeWossenes?däs. über jedem Zweifel: erhabxy,waxe.