Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1902)
- Date
- 1902-05-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Bald darauf trat der Soldat ein; es war eine hohe, stramme Gestalt, dem die Uniform sehr gut zu Gesichte stand. . , \ - V; . „Entschuldigen Sie, gnädige Frau!" begann er nach kurzem militärischen Gruße, „daß ich Ihre Ruhe störe. Ich bin ein Glaubensgenosse von Ihnen und bin mit sechs Mann hierher in's Quartier gelegt, wo wir bis nach dem Manöver zu bleiben haben. Da mich ein glücklicher Zufall in ein Judenhaus geführt hat, so möchte ich sehr bitten, mir eine koschere Kost zu geben. Sie brauchen mit mir keinerlei Umstände zu machen, ich bin mit den frugalsten Speisen zufrieden, wenn sie nur koscher zubereitet sind, da ich eine streng-religiöse Erziehung genossen habe." Was war an der Erscheinung des fremden Mannes so auffallend, daß sie in so hohem Grade die Aufmerksamkeit der Matrone aus sich lenkte? War es der Geist, der aus seinen Augen sprühte, war es der weiche, innige Ton, der aus seiner Stimme klang, welche einen so seltsamen aber nichtsdestoweniger anmuthigen Kontrast zu der strammen Gestalt des jungen Mannes bildete und sich so einschmeichelnd an das Herz der alten Frau legte? Die des Befehlens gewohnte, herrische Frau fand nicht gleich die richtige Antwort für ihren Gast. - Erst nach einer Pause sagte sie: „Wenn Ihnen das gemeinsame Speisen mit einer alten Frau nicht langweilig ist. so wird es mir ein Vergnügen sein, Sie an meinem Tische zu sehen. Heute zwar habe ich schon zu Mittag gespeist, und müssen Sie mit den Ueberbleibseln unseres Tisches vorlieb nehmen, 'morgen werde ich es hoffentlich einbringen." „Dies ist nicht nothwendig, gnädige Frau! Ich habe soeben meinen mitgenommenen Mundvorrath verzehrt, und durchaus keinen Hunger." Der Soldat verbeugte sich, grüßte militärisch und verließ das Zimmer. . - ' / Die Hausfrau blieb in höchster Unruhe zurück; es litt sie nicht mehr in ihrem weichen, bequemen Lehnstuhle, sie stand auf und ging mit großen Schritten im Zimmer herum. : - - / - ' ' So weich, so sanft hatte auch einst ihr Seliger gesprachen. Diese milde einschmeichelnde Stimme hatte einstmals ihr Herz gewonnen. Der junge Mann, der. sich ihr heute vorgestellt, und der einige Zeit ihr Haus¬ und Tischgenosse sein wird, hatte doch gar keine Ähnlichkeit mit dem verstorbenen Gelehrten. Hier eine kräftige, robuste Männergestalt, jener ein zarter, vom emsigen Studiren und Stubenhocken gebeugter Körper. Und doch glaubte sie nicht anders, als wären die^ langen Jahre seither versunken, und der, dem einst ihre volle Liebe und Verehrung gehörte, spräche zu ihr die Worte von religiöser Erziehung in einem Tone, wie er zu ihr zu sprechen pflegte. (Fortsetzung folgt.) Wschen-Kalmöer. Mittwoch, 7. Mai. 30. Nissan. »*n'K ttt» Donnerstag, 8. Mai. 1.Jjar^ ft'*n '2 trt* Frettag, 9. Mai. 2. Jjar, Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt ä. M. 7 Uhr 30 Mm. Samstag, 10. Mai. 3. Jjar. 2'N2v * ' Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 8 Uhr 45. Min. — Berlin 8 Uhr 35 Min. — München 8 Uhr 24 Min. — Hannover 8 Uhr 50 Min. — Stuttgart 8 Uhr 34 Min. — Prag 8 Uhr 20 Min. — Straßburg 8 Uhr 40 Min. — Posen 8 Uhr 24 Min. - Stettin 8 Uhr 38 Mn. . Montag, 12, Mai. 5. Jjar, »jt? n»aj?n. Der „Israelit* erscheint w8cken412cli sweixnal, ETosatess und Boimerstags, jedeSmal ift mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr Lei der Post S Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich »der vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv VuchhsnLrl vevürhrk durch D. SlriuaÄrr, Lrwrrg, Noßplatz )v. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. 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